Dieses Video wurde am 01.05.2026 von phoenix auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Zum Tag der Arbeit 2026 sind in ganz Deutschland Hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen. Bei zentralen Kundgebungen in Nürnberg, Bielefeld und München haben die Vorsitzenden von DGB, ver.di und IG Metall kämpferische Reden gehalten und grundlegende Forderungen für Beschäftigte formuliert. Im Mittelpunkt standen der Schutz des Achtstundentags, der Erhalt des Sozialstaats, steigende Energiepreise und eine drohende Rentenreform. Begleitet wurden die Auftritte von einer angespannten Lage am Arbeitsmarkt: Mit über drei Millionen registrierten Arbeitslosen bleibt die sonst übliche Frühjahrsbelebung weitgehend aus.
Fahimi in Nürnberg: „Erst unsere Jobs, dann eure Profite”
DGB-Vorsitzende Jasmin Fahimi wählte für ihre Rede in Nürnberg einen dezidiert konfrontativen Ton. Angriffe auf den Sozialstaat bezeichnete sie als direkten „Griff in die Haushaltskassen” der Beschäftigten. Rekorddividenden von 53 Milliarden Euro an Aktionäre stünden im krassen Widerspruch zu Werksschließungen, Stellenabbau und aufgeschobenen Investitionen.
Fahimi wandte sich scharf gegen Pläne zur Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes. Eine Abschaffung des Achtstundentags bedeute faktisch die „Legalisierung von Ausbeutungsmodellen”. Positiv hob sie das am 1. Mai in Kraft getretene Bundestariftreuegesetz hervor, das Lohndumping bei der Vergabe öffentlicher Aufträge beenden soll.
Zur Gesundheits- und Rentenpolitik mahnte sie: Wer das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rente angreife, provoziere einen „gesellschaftlichen Großkonflikt”. Private Vorsorge dürfe nicht zum Ersatz für solidarisch finanzierte Systeme werden.
Wernike in Bielefeld: Klare Ansage an Regierung und Arbeitgeber
Frank Wernike, Vorsitzender von ver.di, sprach in seiner Heimatstadt Bielefeld vor mehr als 5.000 Menschen. Er griff konkrete Koalitionsvorhaben an und warnte vor den Folgen einer geplanten Flexibilisierung der Arbeitszeit:
- Der Achtstundentag als historische Errungenschaft der Arbeiterbewegung dürfe nicht angetastet werden.
- Streichungen von Ausbildungsplätzen gefährden die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts.
- Höhere Zuzahlungen im Gesundheitssystem und Leistungskürzungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung lehnte ver.di klar ab.
- Eine Absenkung des Rentenniveaus auf eine bloße „Basisabsicherung” schaffe Altersarmut per Gesetz.
- Für ein AfD-Verbotsverfahren rief Wernike zu einer Unterschriftenkampagne auf.
Mit Blick auf die Gesundheitsreform kündigte Wernike an, die kommenden Wochen würden für ver.di „munter” – ein deutlicher Hinweis auf bevorstehende Arbeitskämpfe im Gesundheitswesen.
Benner in München: Transformation gestalten statt abbauen
IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner betonte auf dem Münchner Kundgebungsplatz die Notwendigkeit, den industriellen Wandel aktiv zu gestalten. Die Automobilindustrie, der Maschinenbau und energieintensive Branchen steckten tief in einem Umbruch, der durch hohe Energiekosten, den Rückgang des chinesischen Marktes und den Strukturwandel zur Elektromobilität verschärft werde.
Benner forderte von Unternehmen klare Bekenntnisse zu deutschen Standorten und zu Qualifizierungsstrategien für ihre Belegschaften. Künstliche Intelligenz sehe die IG Metall nicht als Bedrohung, sondern als Chance – sofern Betriebsräte bei der Einführung mitbestimmen und Beschäftigte aktiv einbezogen würden. Dafür habe die Gewerkschaft ein eigenes KI-Institut gegründet.
Für Unternehmen, die öffentliche Förderung in Anspruch nehmen, forderte sie die Zahlung von Tariflöhnen und die Vergabe von Aufträgen an Betriebe mit guten Arbeitsbedingungen – Stichwort „Local Content” und „Made in Europe”.
Experten mahnen zu Reformen mit Augenmaß
Arbeitsrechtsprofessor Gregor Thüsing von der Universität Bonn ordnete die Kundgebungen als gesellschaftlich wichtiges Signal ein, riet aber zur Differenzierung. Die Arbeitslosenquote von derzeit sechs Prozent sei ein erhöhtes Niveau, das strukturelle Reformen verlange. Protektionistische Forderungen nach „Made in Europe” könnten Handelskonflikte befeuern und letztlich Arbeitsplätze in einer Exportnation wie Deutschland gefährden.
Mit Blick auf Rente und Sozialversicherung warnte Thüsing, dass eine Weigerung, das Renteneintrittsalter anzuheben, angesichts der demografischen Entwicklung langfristig nicht tragbar sei. Gleichzeitig betonte er: Reformen müssten soziale Absicherung bewahren und dürften nicht als Deckmantel für pauschalen Leistungsabbau dienen. Personalberater und Unternehmensvertreter wiesen zudem auf einen strukturellen Qualifikations-Mismatch am Arbeitsmarkt hin: Offene Stellen und verfügbare Arbeitskräfte passen regional und fachlich zu selten zusammen – Weiterbildung und Umschulung seien dringend nötig.
Der 1. Mai 2026 hat gezeigt: Die Gewerkschaften suchen den offensiven Schulterschluss über ihre Kernklientel hinaus. Ob die kämpferischen Töne in konkrete Verhandlungserfolge bei Tarifrunden, Rentenreform und Gesundheitsgesetz münden, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden.
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