Dieses Video wurde am 26.08.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
In Deutschland fehlen nach aktuellen Berechnungen des Pestel-Instituts rund 1,35 Millionen Wohnungen. Das geht aus dem heute vorgestellten Baumonitor 2026 hervor. Steigende Mieten machen den Mangel im Alltag spürbar. CDU-Baupolitiker Jan-Marco Luczak sieht erste positive Signale, warnt aber vor voreiliger Entwarnung: Die Baugenehmigungszahlen seien zwar im ersten Halbjahr 2026 gestiegen, kämen aber von einem niedrigen Niveau. Entscheidend sei die Zahl der Fertigstellungen – und die liege noch weit hinter dem Bedarf.
Fertigstellungen weit unter dem nötigen Niveau
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 206.000 Wohnungen fertiggestellt. Benötigt werden nach Experteneinschätzung mindestens 300.000 pro Jahr. Die Lücke von rund 100.000 Einheiten zeigt, wie weit der Markt vom Ziel entfernt ist.
Luczak betont: Eine Baugenehmigung ist noch keine bezugsfertige Wohnung. Der Bausektor sei strukturell träge, und zwischen Genehmigung und Einzug vergehen oft Jahre. Deshalb müsse das Tempo auf allen Ebenen erhöht werden – von der Planung bis zur Schlüsselübergabe.
Auch die Wachstumsprognosen der Branche trüben das Bild: Der Bauindustrieverband hat seine Erwartungen für 2026 deutlich gesenkt – beim Wohnungsbau von ursprünglich zwei Prozent auf nur noch 0,5 Prozent Wachstum.
Bauturbo und Gebäudetyp E als zentrale Instrumente
Als kurzfristige Antwort auf die Krise hat die Bundesregierung den sogenannten Bauturbo eingeführt. Das Instrument ermöglicht es Kommunen, ohne langwierige Änderung von Bebauungsplänen innerhalb weniger Monate neue Projekte zu genehmigen. Laut Luczak nehmen viele Bürgermeister dieses Werkzeug inzwischen an – ein Zeichen, dass Vertrauen in die Branche zurückkehre.
Mittel- bis langfristig soll die Novelle des Baugesetzbuches strukturelle Entlastung bringen. Sie befinde sich in der Abschlussphase und solle Anfang 2027 in Kraft treten. Ziel sei es, Bauvorschriften auf Schnelligkeit und Effizienz zu trimmen – sodass der Bauturbo als befristete Sonderlösung langfristig überflüssig werde.
Parallel dazu setzt die Union auf den Gebäudetyp E – ein vereinfachter Baustandard, der Kosten senkt, ohne die Qualität aufzugeben. Luczak fasst das Prinzip so zusammen:
- Weniger aufwendige und teure Vertragstypen
- Einfachere, aber qualitätsvolle Baustandards
- Niedrigere Baukosten als Voraussetzung für bezahlbare Mieten
- Reduktion kostentreibender Normen und Vorschriften
„Schnelles, einfaches Bauen muss das neue Normal werden”, so Luczak.
Klimaanpassung und Baukosten – ein Spannungsfeld
Die anhaltenden Hitzewellen rücken Klimaresilienz auch im Bausektor in den Fokus. Luczak sieht darin kein Entweder-oder, sondern einen notwendigen Ausgleich: Beim Neubau müsse Hitzeschutz mitgedacht werden – etwa durch bessere Dämmung oder Begrünung. Gleichzeitig dürften klimabezogene Auflagen die Baukosten nicht weiter in die Höhe treiben.
Die Baugesetzbuch-Novelle soll Kommunen mehr Spielraum geben, Städte klimaresilient zu gestalten und mehr Grünflächen zu ermöglichen. Luczak mahnt aber zur Verhältnismäßigkeit: Solche Maßnahmen gingen stets mit Eingriffen in Eigentumsrechte einher, weshalb Maß und Mitte gewahrt bleiben müssten.
Enteignung: Klare Absage aus dem Bund
Besonders deutlich äußert sich Luczak zur Enteignungsdebatte, die vor allem in Berlin Wahlkampfstoff liefert. Die Koalition auf Bundesebene plant, per Bundesgesetz zu verhindern, dass einzelne Bundesländer Vergesellschaftungen von Wohnungsunternehmen ermöglichen können.
Luczak begründet die Entscheidung wirtschaftlich: Schon die bloße Debatte über Enteignung schrecke Investoren ab und verlagere Kapital in andere Regionen oder ins Ausland. Neue Wohnungen entstünden durch Enteignung keine – die Warteschlangen bei Wohnungsbesichtigungen würden dadurch nicht kürzer.
Die Bundesregierung setzt stattdessen auf einen ordnungspolitischen Rahmen, der private Investitionen fördert und soziale Leitplanken durch Regulierung setzt – ohne den Wohnungsmarkt durch staatliche Eingriffe zu lähmen. Ob dieser Ansatz die Wohnungslücke von über einer Million Einheiten schließen kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
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