Dieses Video wurde am 26.08.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Im eskalierenden Zollstreit zwischen den USA und Kanada hat Ottawa nun ein entschiedenes Gegenmittel angekündigt: Kanada Vergeltungszölle von bis zu 15, 25 oder 50 Prozent auf US-amerikanische Importe im Wert von rund 27,6 Milliarden US-Dollar. Die Maßnahmen treten am 8. September in Kraft und betreffen rund 700 Produkte. Sie sind die direkte Reaktion auf neue US-Strafzölle, die erst am vergangenen Samstag in Kraft getreten waren.
Dollar für Dollar: Kanadas Gegenstrategie
Die kanadische Regierung machte unmissverständlich klar, dass sie die US-Zölle spiegelbildlich beantworten will. Kanada werde die Zölle der Vereinigten Staaten Dollar für Dollar und Zinssatz für Zinssatz angleichen, hieß es offiziell. Für jedes betroffene Produkt soll der kanadische Zollsatz exakt dem amerikanischen Zollsatz für die gleiche Art kanadischer Ware entsprechen.
Die Staffelung der Gegenzölle auf drei Stufen – 15, 25 und 50 Prozent – folgt dabei einer klaren Logik: Sie orientiert sich an den jeweiligen US-Zollsätzen auf kanadische Waren derselben Kategorie.
Zielgerichtete Maßnahmen zum Schutz kanadischer Verbraucher
Einem kanadischen Insider zufolge wurden die betroffenen 700 Produkte bewusst so ausgewählt, dass sie die US-Wirtschaft hart treffen, die Auswirkungen auf kanadische Verbraucher und Unternehmen jedoch so gering wie möglich halten. Damit versucht Ottawa, den innenpolitischen Schaden der Handelseskalation zu begrenzen.
Flankiert werden die Vergeltungszölle von einem Hilfspaket im Wert von 7,5 Milliarden Kanadischen Dollar, das kanadische Unternehmen und Arbeitnehmer im laufenden Handelsstreit unterstützen soll. Besonders exportorientierte Branchen und betroffene Regionen stehen dabei im Fokus.
Vorgeschichte: Gescheiterte Verhandlungen und falsche Hoffnungen
Der aktuelle Eskalationsschritt markiert einen neuen Tiefpunkt in den bilateralen Beziehungen. Vorausgegangen war eine intensive, aber letztlich gescheiterte Verhandlungsrunde zwischen Washington und Ottawa. Bis zum Schluss hatte es Signale für eine Einigung gegeben – US-Präsident Donald Trump hatte sogar bereits öffentlich eine Lösung verkündet, bevor die Gespräche endgültig scheiterten.
Am Samstag waren daraufhin neue US-Strafzölle von 50 Prozent auf kanadische Importe im Wert von 20 Milliarden US-Dollar in Kraft getreten. Die wichtigsten Fakten im Überblick:
- US-Strafzölle von 50 % auf kanadische Importe (20 Mrd. USD) seit Samstag in Kraft
- Kanadische Gegenzölle von 15, 25 oder 50 % ab dem 8. September
- Betroffenes Importvolumen auf kanadischer Seite: 27,6 Mrd. USD, ca. 700 Produkte
- Hilfspaket der kanadischen Regierung: 7,5 Mrd. Kanadische Dollar
- Verhandlungen zwischen Ottawa und Washington zuvor gescheitert
Trump provoziert weiter: Ontario-See soll umbenannt werden
Inmitten der Eskalation legte Trump rhetorisch noch einmal nach. Auf seinem Onlinenetzwerk Truth Social schrieb er, die USA erwögen ernsthaft, den Namen des Ontario-Sees zu ändern – mit der Begründung, man rechne nicht mehr damit, viele Geschäfte mit der kanadischen Provinz Ontario zu machen. Die Aussage wurde weitgehend als politische Provokation gewertet, verdeutlicht aber den angespannten Ton zwischen beiden Ländern.
Der Handelskonflikt zwischen den beiden eng verflochtenen Volkswirtschaften dürfte sich in den kommenden Wochen weiter zuspitzen. Beide Seiten riskieren dabei erhebliche wirtschaftliche Kollateralschäden – trotz jahrzehntelanger enger Handelsbeziehungen im Rahmen des CUSMA-Abkommens (dem Nachfolger von NAFTA). Beobachter sehen kaum Anzeichen für eine baldige diplomatische Lösung.
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