Antisemitismus in Deutschland: Synagogen unter Polizeischutz
88 Jahre nach der Reichspogromnacht brauchen Synagogen in Deutschland noch immer Polizeischutz. Antisemitische Straftaten steigen – ein Holocaust-Überlebender warnt.
Dieses Video wurde am 08.11.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
88 Jahre nach der Reichspogromnacht ist Antisemitismus in Deutschland kein überwundenes Kapitel der Geschichte. Synagogen werden rund um die Uhr von Polizeibeamten bewacht, viele Jüdinnen und Juden verbergen aus Angst ihre religiösen Symbole in der Öffentlichkeit. Die Zahl antisemitischer Straftaten erreichte 2025 laut Bundeskriminalamt einen neuen Höchststand – und eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linken in Berlin entfacht eine politische Debatte über die Zukunft des Schutzes jüdischen Lebens.
Polizeischutz vor Synagogen: Alltag statt Ausnahme
Vor der Neuen Synagoge in Berlin ist der Anblick von Polizeibeamten hinter Absperrungen längst Routine. Ein Schutz, ohne den jüdisches Leben in Deutschland kaum noch denkbar scheint. Laut BKA-Zahlen stiegen die antisemitischen Vorfälle zuletzt auf rund 6.500 Straftaten im Jahr 2025 – ein alarmierender Wert, der die Notwendigkeit dieser Sicherheitsmaßnahmen unterstreicht.
Passend zum Jahrestag der Reichspogromnacht wird an der Neuen Synagoge ein historisches Vorbild geehrt: Wilhelm Krützfeld, ein Berliner Polizeibeamter, der sich in der Nacht vom 9. November 1938 SA-Männern entgegenstellte und so die Synagoge vor der vollständigen Zerstörung bewahrte. Damals wie heute sind es Polizisten, die jüdisches Leben schützen – doch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stehen zunehmend unter Druck.
Holocaust-Überlebender warnt vor politischer Entwicklung
George Sheffy, 94 Jahre alt und Überlebender des Holocaust, verfolgt die aktuelle politische Lage in Deutschland mit tiefer Besorgnis. Eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linkspartei in Berlin – einer Partei, der offener Antisemitismus vorgeworfen wird – bereitet ihm große Sorgen.
„Wenn das passiert, das ist furchtbar. Das heißt, in Deutschland hat man nicht gelernt, was passiert hat”, sagt Sheffy. Seine Worte machen deutlich: Für Menschen, die den Holocaust überlebt haben, ist der politische Kurs der Gegenwart kein abstraktes Thema, sondern eine unmittelbare Bedrohung.
Gewerkschaft der Polizei schlägt Alarm
Noch schärfer formuliert es Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Er warnt vor den Konsequenzen, wenn der Schutz jüdischer Einrichtungen politisch geschwächt werden sollte:
- Antisemitische Kräfte in Landesregierungen könnten Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen reduzieren.
- Ein Abbau des Polizeischutzes würde Menschen in akute Gefahr bringen.
- Gewalt gegen Jüdinnen und Juden könnte in der Folge zunehmen.
- Die gesellschaftliche Teilhabe jüdischer Menschen wäre ernsthaft bedroht.
„Wenn Antisemiten in der Landesregierung sind und den Schutz jüdischen Lebens runterfahren, dann erleben wir katastrophale Zustände”, so Kopelke. „Das darf man nicht akzeptieren.”
Unbehagen in der Bevölkerung wächst
Auch viele Menschen ohne direkten Bezug zur jüdischen Gemeinschaft empfinden die Notwendigkeit von Polizeischutz vor Synagogen als bedrückend. „Ich finde es sehr traurig. Ist deprimierend – soll nicht sein. Vor allem nicht in diesem Land mit dieser Geschichte”, beschreibt ein Passant seine Gefühle.
Diese Reaktionen zeigen: Das Bewusstsein für die historische Verantwortung Deutschlands ist in der Gesellschaft verankert. Doch zwischen Bewusstsein und wirksamer Prävention klafft weiterhin eine Lücke. Jüdisches Leben in Deutschland bleibt auf staatlichen Schutz angewiesen – eine Realität, die 88 Jahre nach der Reichspogromnacht beschämt und mahnt.
Die Debatten um politische Verantwortung, Polizeipräsenz und gesellschaftliche Haltung werden in den kommenden Monaten – nicht zuletzt im Kontext möglicher Koalitionsverhandlungen in Berlin – an Schärfe gewinnen. Der Schutz jüdischen Lebens darf dabei kein Verhandlungsgegenstand werden.
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