Dieses Video wurde am 04.05.2026 von BR24 auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der stationäre Einzelhandel in der Krise – das ist längst kein abstraktes Problem mehr, sondern sichtbar in den Schaufenstern vieler deutscher Innenstädte. In Nürnberg etwa schließt Ende dieses Jahres ein Bekleidungsgeschäft, das seit 27 Jahren zur festen Größe in der Stadt gehört. Inhaber Harald Lehmeier geht in den Ruhestand – einen Nachfolger hat er nicht gefunden. Sein Schicksal steht stellvertretend für eine Branche, die von mehreren Seiten gleichzeitig unter Druck gerät: Onlinehandel, gestiegene Nebenkosten, geopolitische Krisen und fehlende Nachwuchskräfte.
Von zehn Herrenausstattern blieb keiner übrig
Harald Lehmeier erinnert sich, wie er in Nürnberg einst unter zehn Herrenausstattern konkurrierte. Heute existiert keiner mehr davon. „Das wird am Schluss auch hundertprozentig Tränen geben, weil ich habe einen Großteil meines Lebens in diesem Laden verbracht”, sagt er. Sein Geschäft habe er geliebt – doch das Umfeld habe sich in den vergangenen Jahren so stark verändert, dass ein Weitermachen für ihn nicht mehr infrage kommt.
Das Problem der fehlenden Nachfolge betrifft viele inhabergeführte Fachgeschäfte. Wenn die Gründergeneration in Rente geht, findet sich oft niemand, der den Betrieb übernimmt – weder aus der Familie noch von außen. Die Folge: Jahrzehnte aufgebaute Kundenbindungen und Fachkenntnisse gehen unwiederbringlich verloren.
Sechs Jahre Krisenmodus: Corona, Ukraine, Iran
Andreas Clear, Inhaber des Nürnberger Musikhauses Clear und regionaler Vorsitzender des Bayerischen Einzelhandelsverbandes, beschreibt die Lage deutlich: „Wir sind seit sechs Jahren im Krisenmodus.” Begonnen habe es 2020 mit der Corona-Pandemie, die wie ein Brandbeschleuniger für den Onlinehandel gewirkt habe. Danach folgten steigende Energiekosten infolge des Ukraine-Krieges und nun neue Unsicherheiten durch den Irankonflikt – Belastungen, die sich betriebswirtschaftlich kaum noch kompensieren lassen.
Ein besonders drückendes Problem ist der zollfreie Import billiger Waren aus China über internationale Plattformen. Die Zahlen sind ernüchternd:
- Rund 500.000 Pakete täglich gelangen zollfrei aus China nach Deutschland
- Allein im vergangenen Jahr kostete das den deutschen Einzelhandel schätzungsweise 2,5 Milliarden Euro Umsatz
- Als direkte Folge gingen im Einzelhandel etwa 40.000 Arbeitsplätze verloren
- Große Kaufhausketten wie Galeria Kaufhof bauten tausende Stellen ab
- Die Zahl der offenen Stellen im Handel sank laut Bundesagentur für Arbeit im vergangenen Jahr um 16 Prozent
Beratung und Service als letzte Rettungsanker
Wer im stationären Handel überleben will, muss nach Ansicht von Branchenvertretern mehr bieten als reine Warenverkäufe. Andreas Clear sieht die Zukunft des Fachhandels vor allem in zusätzlichen Dienstleistungen: persönliche Beratung, Reparaturservice, Fachkompetenz – Dinge, die der Onlinehandel nicht liefern kann.
Nur solche Mehrwerte würden Kunden noch honorieren, die alles andere ohnehin im Internet bestellen. Für Geschäfte ohne ein solches Differenzierungsmerkmal wird es dagegen immer schwerer, wirtschaftlich zu überleben. Der Wandel im Konsumverhalten ist strukturell und wird sich nicht umkehren.
Leerstände bedrohen das Flair der Innenstädte
Die sichtbarste Konsequenz der Einzelhandelskrise sind wachsende Leerstände in Innenstädten. In Nürnberg sollen noch im laufenden Jahr weitere Geschäfte – darunter auch Gastronomiebetriebe – schließen. Für Betroffene wie Andreas Clear ist das nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine emotionale Frage: „Mit den Geschäften gehen nicht nur die Arbeitsplätze, sondern auch viel Flair in den Innenstädten verloren.”
Belebte Einkaufsstraßen und inhabergeführte Fachgeschäfte prägen die Identität von Städten. Wenn sie verschwinden, verändert sich das Stadtbild nachhaltig – und mit ihm die Aufenthaltsqualität für alle Bürgerinnen und Bürger. Ob kommunale Konzepte, veränderte Mietstrukturen oder politische Rahmenbedingungen wie eine Reform der Zollregeln für Importe aus Drittstaaten eine Trendwende bringen können, bleibt abzuwarten. Die Zeit drängt jedenfalls.
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