Erbschaftsteuer: Warum sie kaum wirkt

Date:

Dieses Video wurde am 08.05.2026 von DW auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Die Erbschaftsteuer gilt als zentrales Instrument gegen wachsende Vermögensungleichheit: Sie soll verhindern, dass Reichtum sich über Generationen hinweg unkontrolliert konzentriert, Staatseinnahmen sichern und trotzdem Familien die Möglichkeit lassen, etwas zu vererben. In der Praxis jedoch verfehlt die Steuer ihr Ziel erstaunlich häufig – und ausgerechnet die größten Vermögen bleiben oft weitgehend verschont.

Südkorea: Milliarden-Erbschaft als Ausnahme, nicht als Regel

Ein seltenes Beispiel tatsächlich gezahlter Erbschaftsteuer auf Spitzenvermögen liefert Südkorea. Als Samsung-Chairman Lee Kun-hee im Jahr 2020 starb, hinterließ er seinen Erben eine Steuerlast von über 8 Milliarden US-Dollar – die höchste Erbschaftssteuerzahlung, die Südkorea je verzeichnet hat. Mit einem Spitzensteuersatz von 50 Prozent gehört das Land zu den Ländern mit der weltweit höchsten Erbschaftsbesteuerung.

Doch selbst diese Rekordsteuer relativiert sich schnell: Die Erben benötigten mehrere Jahre für die Ratenzahlung – und steigerten ihr Gesamtvermögen im vergangenen Jahr dank des KI-Booms auf rund 45 Milliarden Dollar, also fast das Sechsfache der Steuerschuld. Gerechtigkeit sieht anders aus.

Schlupflöcher: Warum Reiche kaum Erbschaftsteuer zahlen

Während Länder wie Südkorea und Japan zumindest versuchen, große Vermögen im Erbfall zu besteuern, verzichten andere Staaten gänzlich darauf. Und selbst dort, wo die Steuer existiert, fließt überraschend wenig Geld in die Staatskasse.

Das Paradox: Oft sind es gerade die größten Erbschaften, die am wenigsten oder gar nicht besteuert werden. Die USA sind dafür ein anschauliches Beispiel:

  • Der nominale Erbschaftsteuersatz beträgt zwar 40 Prozent
  • Eltern können jedoch mehr als 11 Millionen US-Dollar steuerfrei an ihre Kinder weitergeben
  • Schenkungen zu Lebzeiten sind steuerlich begünstigt und erlauben die Übertragung großer Vermögen vor dem Tod
  • Zahlreiche weitere Steuerschlupflöcher machen das Gesetz für Superreiche weitgehend irrelevant

Die Folge: Die Erbschaftsteuer betrifft in den USA nur einen kleinen Bruchteil der Bevölkerung und erzielt kaum nennenswerte Einnahmen.

Reformvorschlag: Erbschaften wie Lotteriege­winne besteuern

Ein Ansatz, der in der Fachdebatte zunehmend Gehör findet, kommt aus der Wissenschaft. Ökonomen schlagen vor, Erbschaften und Schenkungen in die Einkommensteuer zu integrieren – und sie damit genauso zu behandeln wie Lotteriegewinne oder sonstige unerwartete Einnahmen. Dieser Ansatz würde die bisherigen Sonderregelungen für vererbtes Vermögen abschaffen und die Steuerbasis erheblich verbreitern.

Der Vorteil: Das System wäre konsistenter, schwerer zu umgehen und würde mehr Einnahmen generieren. Der Nachteil: Politisch ist eine solche Reform kaum durchzusetzen, solange gut organisierte Lobbygruppen gezielt Einfluss nehmen.

Standortwechsel und politische Grenzen der Reform

Ein weiteres Argument gegen strenge Erbschaftsteuern ist die Drohung wohlhabender Personen, ins Ausland zu ziehen. In Kalifornien etwa schreckten Pläne für eine Vermögenssteuer einige reiche Haushalte auf, die mit einer Verlagerung ihres Wohnsitzes drohten. Solche Szenarien zeigen die Grenzen isolierter nationaler Reformen.

In Deutschland greift dieses Argument jedoch nur bedingt: Die Erbschaftsteuer gilt in vielen Fällen auch nach einem Umzug ins Ausland weiter, und eine Verlagerung von Betriebsvermögen löst zusätzliche Wegzugssteuern aus. Dennoch bleibt der politische Druck durch Interessengruppen hoch.

Der gesellschaftliche Rückhalt für eine stärkere Besteuerung großer Erbschaften wächst indes. Ob dieser Druck tatsächlich zu wirksamen Reformen führt – oder erneut an Schlupflöchern und Lobbyarbeit scheitert – wird eine der zentralen steuerpolitischen Debatten der kommenden Jahre sein.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (DW). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here

xxx

Popular

Ähnliche Beiträge
Related

1.000-Euro-Prämie: Bundesrat droht mit Ablehnung

Die 1.000-Euro-Prämie hat den Bundestag passiert – doch im Bundesrat wächst der Widerstand. Länder und Kommunen fürchten Steuerausfälle und drohen mit einem Nein.

Tankrabatt: Müller (CDU) für zielgerichtete Entlastung

CDU-Politiker Sepp Müller fordert beim Tankrabatt mehr Zielgenauigkeit: Steuermittel sollen vor allem Bedürftigen und dem Mittelstand zugutekommen.

Steuerschätzung 2026: Klingbeil warnt vor Krisenfolgen

Die Steuerschätzung 2026 zeigt Mindereinnahmen von 11 Milliarden Euro. Finanzminister Klingbeil nennt den Irankrieg als Hauptursache und kündigt Reformen an.

Soziale Gerechtigkeit: Spahn vs. Reichinnek bei Maischberger

Jens Spahn und Heidi Reichinnek debattieren bei Maischberger über soziale Gerechtigkeit, Rente, Krankenversicherung und Steuerpolitik. Wo liegen die Grenzen?