Dieses Video wurde am 04.09.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD in Magdeburg ein sogenanntes Familienfest veranstaltet. Das AfD-Familienfest Magdeburg zog nach Reportereinschätzung rund 2.000 bis 5.000 Besucher an – deutlich weniger als die von der Partei angekündigten 10.000. Besonderer Publikumsmagnet war Ulrich Siegmund, der AfD-Spitzenkandidat, für dessen Selfie-Session die Menschen in langen Schlangen warteten.
Weniger Zulauf als angekündigt – doch Siegmund zieht die Massen
Ursprünglich sollte das Fest auf einem Festfeld außerhalb der Hauptstadt stattfinden. Aus Platz- und Sicherheitsgründen verlegte die AfD die Veranstaltung kurzfristig nach Magdeburg. Die Partei hatte im Vorfeld von bis zu 10.000 Besuchern gesprochen; vor Ort schätzte ein Reporter die tatsächliche Zahl auf 2.000 bis 5.000 Personen.
Trotz des geringeren Zulaufs war der Andrang an einem bestimmten Punkt enorm: Noch bevor das Bühnenprogramm begann, standen rund 300 Menschen in einer Schlange, um ein Selfie mit Siegmund zu machen, seine Hand zu schütteln und ein von ihm signiertes Magazin-Cover zu erhalten. Damit überflügelte die Selfie-Schlange zeitweise die Zuschauermenge vor der Hauptbühne.
Scharfe Töne auf der Bühne trotz „Familienfest”-Label
Das Programm selbst blieb weit hinter dem familienfreundlichen Anspruch zurück. AfD-Landeschef Martin Reich etwa griff Bundeskanzler Friedrich Merz scharf an: Er bezeichnete ihn als „charakterlich verkommen” und nannte dessen Politik ein „historisches Verbrechen”. Die CDU, so Reich, wische sich mit ihrem eigenen Wahlprogramm bei Koalitionsverhandlungen den „Allerwertesten ab”. Aus dem Publikum waren laute „Wir sind das Volk”-Rufe zu hören.
Rund 50 Gegendemonstranten hatten sich in der Nähe des Festgeländes positioniert und machten mit Lautsprechern auf sich aufmerksam – auf dem Festplatz selbst war davon jedoch kaum etwas zu hören.
Anderes Publikum als bei früheren Siegmund-Auftritten
Beobachter vor Ort stellten einen spürbaren Unterschied zu früheren Veranstaltungen des Spitzenkandidaten in kleineren Ortschaften fest. Dort herrschte oft eine besonders aufgeheizte Stimmung mit starkem Gemeinschaftsgefühl; in Magdeburg wirkte die Atmosphäre gedämpfter.
- Mehr Familien mit Kindern als bei kleineren Dorfveranstaltungen
- Teils Besucher ohne AfD-Parteibindung, die Siegmund aus Neugier sehen wollten
- Weniger sichtbare rechte Szene: Szene-Marken-T-Shirts waren kaum zu erkennen
- Insgesamt „ziviler” wirkende Zusammensetzung des Publikums
Experten führen dies möglicherweise auf den großstädtischen Veranstaltungsort zurück: In Magdeburg ist das AfD-Wählerpotenzial strukturell anders verteilt als in ländlichen Gebieten Sachsen-Anhalts.
Personenkult als Mobilisierungsstrategie – mit Grenzen
Das Konzept des Volksfest-Wahlkampfs mit Siegmund als populärem Zugpferd hat sich in den vergangenen Wochen für die AfD als wirkungsvoll erwiesen. Kein anderer Politiker einer Konkurrenzpartei im Land erreicht annähernd vergleichbare Selfie-Schlangen oder ein ähnliches Popstar-ähnliches Auftreten bei Wahlkampfveranstaltungen.
Die CDU in Sachsen-Anhalt fährt im Vergleich dazu auf deutlich kleinerer Flamme – ob diese zurückhaltende Strategie ausreicht, wird sich am Wahlsonntag zeigen. Das Familienfest in Magdeburg demonstrierte eindrücklich, dass die AfD bei der emotionalen Mobilisierung ihrer Anhängerschaft einen erheblichen Vorsprung vor den anderen Parteien hat – auch wenn die Besucherzahlen hinter den eigenen Ankündigungen zurückblieben.
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