Dieses Video wurde am 04.09.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Sepp Müller hat der AfD im Falle eines Wahlsieges ausdrücklich den Regierungsbildungsauftrag zugesprochen. Sollten die aktuellen Umfragewerte zu tatsächlichen Wahlergebnissen werden, dann stehe AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in der Pflicht, eine Regierung zu bilden, so Müller im Podcast „Berlin Playbook”. Eine Koalition mit der AfD schloss er für die CDU allerdings weiterhin kategorisch aus – ein Widerspruch, der die politische Lage in Sachsen-Anhalt auf eine ernste Probe stellt.
Müller: AfD muss Verantwortung übernehmen – aber nicht mit der CDU
Sepp Müller machte deutlich, dass er eine solche Entwicklung persönlich bedauern würde. Aus seiner Sicht leiste der amtierende CDU-Ministerpräsident Sven Schulze gute Arbeit und verdiene eine Wiederwahl. Dennoch erkenne er demokratische Spielregeln an: Wer die Wahl gewinnt, hat den Auftrag zur Regierungsbildung.
Gleichzeitig betonte Müller, das Ziel der CDU bleibe eine Regierung aus der Mitte – ohne AfD und ohne Linke. Dieser Anspruch steht jedoch unter erheblichem Druck, da sich in aktuellen Umfragen kein rechnerisch tragfähiges Bündnis abzeichnet, das beide Parteien ausschließt.
CDU-Landtagsabgeordneter Reuscher stellt AfD vor klare Bedingungen
Ähnlich positionierte sich der CDU-Landtagsabgeordnete Alexander Reuscher. Gegenüber dem „Tagesspiegel” forderte er, die AfD müsse als stärkste Kraft Verantwortung übernehmen und dürfe sich nicht in die Opposition zurückziehen.
Reuscher knüpfte diese Forderung jedoch an konkrete Bedingungen:
- Siegmund müsse seine Partei regierungsfähig machen.
- Die AfD müsse sich von radikalen Köpfen innerhalb der eigenen Reihen trennen.
- Eine Zusammenarbeit mit der Linken komme für die CDU nicht infrage.
- Eine Koalition mit der AfD schließe auch Reuscher persönlich aus.
Damit gibt die CDU der AfD zwar demokratisch-formell Recht auf den Regierungsauftrag, verweigert ihr aber zugleich jede inhaltliche oder koalitionäre Unterstützung.
Umfragen: AfD vorne, aber ohne Mehrheit und ohne Partner
In den jüngsten Umfragen liegt die AfD in Sachsen-Anhalt vor der CDU, verfehlt jedoch eine absolute Mehrheit deutlich. Ein realistischer Koalitionspartner ist derzeit nicht in Sicht.
Ulrich Siegmund hat nach eigenen Angaben ohnehin erklärt, ausschließlich eine Alleinregierung anzustreben – ein Vorhaben, das ohne absolute Mehrheit parlamentarisch kaum umsetzbar ist.
Eine Regierung ohne AfD-Beteiligung wäre nach aktuellem Stand rechnerisch auf Stimmen oder zumindest auf eine Duldung durch die Linke angewiesen. Genau das schließt jedoch der Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU ebenfalls aus, der eine Zusammenarbeit sowohl mit AfD als auch mit der Linken untersagt.
Politische Blockade: Wie lässt sich eine Regierung noch bilden?
Die Ausgangslage offenbart eine strukturelle Pattsituation: Die AfD hat laut CDU-Vertretern zwar einen demokratischen Auftrag, kann diesen aber mangels Partner und fehlender absoluter Mehrheit kaum einlösen. Die CDU wiederum schließt sowohl eine Koalition mit der AfD als auch eine Zusammenarbeit mit der Linken aus – und engt damit den eigenen Handlungsspielraum erheblich ein.
Sollten die Umfragen stabil bleiben und sich nach der Wahl kein Ausweg aus dieser Blockadesituation finden, drohen langwierige Regierungsverhandlungen oder sogar eine Verfassungskrise auf Landesebene. Die kommenden Wochen bis zur Wahl dürften entscheidend dafür sein, ob sich neue politische Mehrheiten jenseits der bisherigen Unvereinbarkeitsbeschlüsse abzeichnen – oder ob Sachsen-Anhalt in eine schwer auflösbare Regierungskrise schlittert.
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