Dieses Video wurde am 01.05.2026 von phoenix auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Zum 1. Mai 2026 hat Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, auf der zentralen Kundgebung in München eine kämpferische Rede gehalten. Unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite” wandte sich Benner gegen Sozialabbau, die geplante Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes und Angriffe auf die betriebliche Mitbestimmung. Zehntausende Teilnehmerinnen und Teilnehmer feierten die Rede auf dem Marienplatz mit lautem Applaus.
Solidarität mit Affnet: Streik gegen Werksschließung
Zu Beginn ihrer Rede rückte Benner die Beschäftigten des Halbleiter-Logistikers Affnet in den Mittelpunkt. Der Arbeitgeber verweigere den Belegschaftsmitgliedern einen Tarifvertrag und habe vor wenigen Wochen die Schließung des Standorts zum Ende des Jahres 2026 angekündigt. 350 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, während das Unternehmen gleichzeitig Milliardenumsätze erziele.
Die Beschäftigten hätten mit über 96 Prozent für einen unbefristeten Streik gestimmt. „Das ist Mut, das ist Rückgrat, das ist Gewerkschaft”, sagte Benner unter dem Jubel der Menge. Das Beispiel Affnet stehe stellvertretend für eine wachsende Zahl von Betrieben, in denen Arbeitgeber Tarifverträge und Mitbestimmungsrechte aktiv unterliefen.
Betriebsratswahlen als demokratisches Fundament
2026 bezeichnete Benner als „Superwahljahr” der Gewerkschaftsbewegung, da in zahlreichen Betrieben und Dienststellen Betriebsrats- und Personalratswahlen stattfinden. Sie unterstrich deren Bedeutung als „zweitwichtigste demokratische Wahlen in diesem Land”.
Das Ergebnis der bisherigen Wahlen fiel aus Sicht der IG Metall eindeutig aus:
- Rechte Listen errangen lediglich rund 1 Prozent der Sitze in den relevanten Branchen.
- Die IG Metall und die DGB-Gewerkschaften verzeichneten klare Zugewinne.
- Betriebsratsneugründungen werden in Deutschland trotzdem in jeder fünften Gründung von Arbeitgebern verhindert oder behindert.
Benner forderte deshalb einen besseren gesetzlichen Schutz für Wahlinitiatorinnen und -initiatoren sowie eine konsequentere strafrechtliche Verfolgung von Unionbusting. Die Behinderung von Betriebsratswahlen sei ein Angriff auf die Demokratie insgesamt – auch bei Unternehmen wie Tesla, IKEA oder Lieferando.
Klare Absage an Sozialabbau und Arbeitszeitflexibilisierung
Einen breiten Raum nahmen die sozialpolitischen Forderungen ein. Benner kritisierte Pläne der Bundesregierung und von Arbeitgeberverbänden, den Sozialstaat in der Krise zu „schleifen”. Konkret nannte sie drei Konfliktfelder:
- Krankenversicherung: Leistungskürzungen seien unakzeptabel; stattdessen solle das Zwei-Klassen-System abgeschafft und eine einheitliche Bürgerversicherung eingeführt werden.
- Rente: Eine Absenkung des Rentenniveaus lehnte Benner kategorisch ab. Wer ein Leben lang gearbeitet habe, habe Anspruch auf ein Alter in Würde.
- Arbeitszeit: Die geplante Flexibilisierung des Acht-Stunden-Tages sei ein Angriff auf alle Beschäftigten ohne Tarifvertrag. Der Verweis auf den Kampf für die Fünf-Tage-Woche vor 70 Jahren unterstrich die historische Dimension.
Forderungen nach mehr Wochenarbeitszeit, wie sie zuletzt auch von bayerischen Politikern erhoben worden seien, bezeichnete Benner als realitätsfremd. Bestehende Tarifverträge seien längst flexibel genug und böten gleichzeitig Schutz vor Willkür.
Local Content und Übergewinnsteuer als Wirtschaftsimpulse
Jenseits der Abwehrreflexe skizzierte Benner auch konstruktive Forderungen. Sie sprach sich für das Prinzip des „Local Content” aus: Wer in Deutschland und Europa Produkte verkaufe, solle einen Großteil davon auch hier produzieren. Als Negativbeispiel nannte sie die geplante Beschaffung chinesischer Elektrobusse durch die Deutsche Bahn sowie die EU-geförderte Produktion eines BYD-Werkes in Ungarn mit ausschließlich chinesischen Zulieferteilen.
Wer staatliche Förderung erhalte, müsse Tariflöhne zahlen und inländische Unternehmen beauftragen. Darüber hinaus plädierte Benner für eine Übergewinnsteuer sowie für höhere Steuern auf sehr hohe Vermögen und Erbschaften. Sozialabbau schaffe keinen einzigen Arbeitsplatz; gefragt seien Maßnahmen, die die Industrie stärken und breite gesellschaftliche Teilhabe sichern.
Die Kundgebung zum Tag der Arbeit machte deutlich, dass die IG Metall in einer wirtschaftlich turbulenten Phase auf Konfrontationskurs mit Teilen der Regierungspolitik und der Arbeitgeberverbände geht. Ob die Forderungen nach Local Content, Übergewinnsteuer und unverändertem Arbeitszeitgesetz im politischen Prozess Gehör finden, wird sich in den anstehenden Tarifverhandlungen und parlamentarischen Debatten zeigen.
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