Dieses Video wurde am 08.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
US-Präsident Donald Trump hat dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier mit einem Verkaufsverbot in den Vereinigten Staaten gedroht. Wer den amerikanischen Markt wolle, müsse auch dort produzieren, erklärte Trump auf seiner Plattform Truth Social. Das Unternehmen solle aufhören, Amerika „wie ein Sparschwein zu behandeln”. Der Vorstoß fällt in eine Phase wachsender handelspolitischer Spannungen zwischen Washington und Ottawa – und trifft einen Konzern, der in den USA längst tief verwurzelt ist.
Trumps Forderung und der politische Kontext
Die Drohung gegen Bombardier ist kein isolierter Schritt. Kanada plant, als Reaktion auf Trumps Handelspolitik eine Reihe von Gegenzöllen gegen die USA einzuführen. Der Konflikt zwischen beiden Ländern verschärft sich damit weiter, nachdem die Trump-Regierung bereits zahlreiche Handelspartner mit Strafzöllen belegt hatte.
Trump argumentiert, ausländische Unternehmen dürften den US-Markt nicht nutzen, ohne im Gegenzug lokale Arbeitsplätze zu schaffen. Auf Truth Social ließ er keinen Zweifel daran, dass er den Druck auf Kanada weiter erhöhen will. Unklar bleibt jedoch, wie ein solches Verbot konkret umgesetzt werden soll. Das US-Präsidialamt äußerte sich zunächst nicht zu den rechtlichen Grundlagen der Maßnahme.
Bombardier ist bereits stark in den USA vertreten
Trumps Vorwurf, Bombardier fertige nicht in Amerika, geht an der Realität vorbei. Der Konzern aus Montreal ist in den Vereinigten Staaten bereits erheblich präsent:
- 3.500 Mitarbeiter sind direkt in den USA beschäftigt
- Rund 2.800 Zulieferer in den USA arbeiten mit Bombardier zusammen
- Das Unternehmen betreibt mehrere Werke und Servicezentren auf US-amerikanischem Boden
Bombardier selbst gab zunächst keine offizielle Stellungnahme ab. Der Konzern gehört zu den führenden Herstellern von Privatjets weltweit und ist insbesondere im nordamerikanischen Markt einer der wichtigsten Anbieter.
Rechtliche Hürden für ein Verkaufsverbot
Branchenexperten zweifeln daran, dass Trumps Drohung rechtlich umsetzbar ist. Gleich mehrere Faktoren stehen einem tatsächlichen Bombardier Verkaufsverbot entgegen:
Erstens sind die Flugzeuge des Unternehmens von der US-Luftfahrtbehörde FAA zugelassen – eine Voraussetzung, die unabhängig von politischen Anweisungen gilt. Zweitens fällt der Handel mit Bombardier-Maschinen unter das Freihandelsabkommen, das Trump selbst in seiner ersten Amtszeit mitausgehandelt hatte. Ein einseitiger Ausschluss würde damit möglicherweise gegen eigene Vertragsverpflichtungen verstoßen.
Hinzu kommt ein technisches Argument: Die meisten Privatjets von Bombardier sind mit Triebwerken amerikanischer Hersteller ausgestattet. Ein Verbot würde damit indirekt auch US-Zulieferer treffen.
Ausblick: Eskalation im Kanada-USA-Handelsstreit
Der Fall Bombardier ist symptomatisch für die angespannte Lage zwischen Kanada und den USA. Mit den geplanten kanadischen Gegenzöllen droht eine weitere Eskalationsstufe im bilateralen Handelsstreit. Ob Trump sein Verkaufsverbot tatsächlich durchsetzen kann oder will, bleibt offen. Politisch sendet die Drohung jedoch ein klares Signal: Die Trump-Regierung ist bereit, auch enge Verbündete unter Druck zu setzen, um ihre wirtschaftsnationalistischen Ziele durchzusetzen. Für Bombardier und andere ausländische Unternehmen mit US-Präsenz wird die Planungssicherheit damit zunehmend zur Herausforderung.
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