Dieses Video wurde am 08.09.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Ölpreis rückt für Anleger wieder in den Mittelpunkt: Angriffe auf saudi-arabische Raffinerien im Kontext der Nahost-Konflikte treiben den Rohstoffpreis in Richtung der 100-Dollar-Marke. Brent notiert bei rund 98 US-Dollar je Barrel, WTI knapp dahinter. Gleichzeitig belasten steigende US-Anleiherenditen und Zinsängste die Aktienmärkte – während der DAX sich knapp über 26.000 Punkten behauptet und von überraschend guten deutschen Handelsbilanz-Daten gestützt wird.
Nahost-Spannungen und Lieferkettenrisiken treiben den Ölpreis
Die Straße von Hormus bleibt ein zentraler Risikofaktor für die globale Energieversorgung. Störungen auf dieser wichtigen Transitroute verknappen das Angebot und heizen die Preise an – nicht nur für Rohöl, sondern auch für Flüssiggas (LNG). Anders als Öl lässt sich LNG nicht einfach umleiten: Die Verflüssigung und Regasifizierung erfordern aufwendige Infrastruktur und enorme Energiemengen, was die Preisanfälligkeit zusätzlich erhöht.
Die Markterwartung lautet daher: Solange keine Entspannung im Nahen Osten eintritt, dürfte der Ölpreis eher nach oben als nach unten ausbrechen. Chartechnisch zeigt Brent ein aufsteigendes Dreieck mit immer höheren Tiefs – ein klassisches Ausbruchsmuster.
Für die USA kommt erschwerend hinzu, dass die Spritpreise zum Labor Day auf einem Rekordniveau lagen. Das erhöht den politischen Druck auf die Regierung und dürfte die Inflationsbekämpfung weiter erschweren.
Ölaktien und Tanker als Profiteure
In diesem Umfeld gelten Energieunternehmen als klare Gewinner. Großkonzerne wie Chevron oder ExxonMobil verdienen bei aktuellen Preisniveaus außerordentlich gut, was die Kursentwicklung stützt.
Besonders interessant erscheinen derzeit auch Tankrdeeder. Nordic American Tankers, ein Familienunternehmen im Rohöltransport, konnte seit Jahresbeginn bereits rund 70 Prozent zulegen. Das Unternehmen profitiert gleich doppelt: Höhere Frachtkosten werden nicht nur weitergegeben – die Charterraten liegen deutlich über dem Vorjahresniveau, was die Margen stark verbessert. Die Bewertung bleibt dabei im Branchenvergleich moderat, die Dividendenausschüttungen sind üppig.
Flex LNG setzt auf denselben Mechanismus im Flüssiggas-Segment. Als Betreiber einer modernen LNG-Tankerflotte profitiert das Unternehmen von der strukturell hohen Nachfrage und den logistischen Engpässen rund um Hormus.
- Brent-Öl: ~98 USD/Barrel, Ziel 100 USD in Sichtweite
- Nordic American Tankers: Kurs auf Rekordhoch, Charterraten stark gestiegen
- Flex LNG: Profiteur steigender LNG-Preise und Lieferengpässe
- Nutrien: Düngemittelhersteller mit Preisauftrieb durch Hormus-Störungen
- Chevron: Starke Gewinne bei hohem Ölpreis stützen den Kurs
Düngemittel, Visa und Pfandleiher: Weitere Einzelwerte im Fokus
Nutrien, einer der weltgrößten Düngemittelhersteller, steht ebenfalls auf der Kaufliste. Die Straße von Hormus ist auch für den Düngemitteltransport eine wichtige Route; Engpässe treiben die Preise und damit die Margen des Unternehmens.
Visa rückt aus einem anderen Winkel ins Blickfeld: Der Zahlungsdienstleister will kleineren Fintech-Unternehmen den Zugang zu Kapital erleichtern, indem er potenziellen Geldgebern Transaktionsdaten auf Stablecoin-Basis zur Verfügung stellt. Das Ziel ist klar: Visa positioniert sich frühzeitig im wachsenden Markt für kryptobasierte Zahlungslösungen und sichert sich langfristig einen neuen Umsatzbringer.
Als Spezialnische gilt zudem EZCORP (EZCorp), ein US-amerikanischer Pfandleiher. Mit Kreditkartenkosten von über 20 Prozent und wachsendem Haushaltsdruck in den USA dürfte die Nachfrage nach kurzfristigen Kleinkrediten und Pfandleihdiensten weiter steigen. Die Fundamentalkennzahlen von EZCorp gelten im direkten Vergleich zu Konkurrent First Cash Holdings als günstiger – ein Argument für Anleger, die auf den Ausbruch des Kurses spekulieren wollen.
DAX stabil, US-Märkte unter Druck – EZB und Fed im Blick
Trotz aller Belastungsfaktoren zeigt sich der DAX überraschend widerstandsfähig. Gute Handelsbilanz-Daten aus Deutschland – die Exporte in die USA liefen deutlich besser als erwartet – stützen den Index knapp über der Marke von 26.000 Punkten.
An den US-Märkten hingegen deuten die Terminmärkte auf einen schwächeren Handelsstart hin. Die zehnjährigen US-Staatsanleihen rentieren bei rund 4,76 Prozent – ein Niveau, das Beobachter genau verfolgen. Knackt die Rendite die 4,80-Prozent-Marke nachhaltig, könnte weiterer Druck auf Aktien entstehen.
In dieser Woche richtet sich der Blick auf die EZB-Sitzung, bei der eine weitere Zinserhöhung zur Inflationsbekämpfung erwartet wird. In der darauffolgenden Woche folgt die Fed. Das Spannungsfeld zwischen politischem Druck auf niedrigere Zinsen und der Notwendigkeit, die Inflation zu zähmen, dürfte die Märkte noch längere Zeit beschäftigen – zumal strukturelle Engpässe bei Energie und Rohstoffen eine schnelle Entspannung unwahrscheinlich machen.
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