Dieses Video wurde am 08.09.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der mutmaßliche Stromterrorist, der monatelang Umspannwerke in mehreren Bundesländern sabotiert und damit die Gefahr eines großflächigen Blackouts heraufbeschworen hatte, ist gefasst. Eine Autobahnstreife entdeckte den Gesuchten auf einem Feldweg in der Nähe der Autobahn und nahm ihn weitgehend widerstandslos fest. Mit der Verhaftung scheint eine der aufwendigsten Fahndungen der jüngeren deutschen Kriminalgeschichte ein Ende gefunden zu haben – doch viele Fragen bleiben offen.
Festnahme durch Zufall: Streife entdeckt verdächtige Person
Die Festnahme verlief nach Angaben aus Ermittlerkreisen überraschend unspektakulär. Eine Autobahnstreife bemerkte eine verdächtige Person auf einem Feldweg, zog sofort Verstärkung hinzu und sprach den Mann an. Dieser gab mehr oder weniger sofort zu, der Gesuchte zu sein – obwohl er sein äußeres Erscheinungsbild leicht verändert hatte: Er hatte sich die Haare gestutzt und trug eine andere Brille.
Trotz seiner Tarnung erkannten die Beamten ihn. Ermittler loben die Aufmerksamkeit und das Gespür der eingesetzten Polizisten. Die Fahndung war in der Region besonders intensiv, weil man den Verdächtigen bereits in diesem Gebiet vermutete.
Bei der Festnahme hatte der Mann erneut Sprengstoff bei sich. Ob er zu diesem Zeitpunkt eine neue Tat plante, ist noch unklar. In einem nahe gelegenen Zelt, auf das er die Polizei selbst hinwies, soll sich nach seinen eigenen Angaben eine Sprengfalle befinden – Entschärfer untersuchten das Lager umgehend.
Selbst gemalte Skizzen führen zu weiteren Tatorten
Bereits vor der Festnahme hatten Ermittler in seinem umgebauten Lastwagen – seiner mutmaßlichen Kommandozentrale und seinem Wohnmobil zugleich – bedeutsame Beweise sichergestellt. Dazu zählten sogenannte „Schatzkarten”: handgezeichnete Skizzen, auf denen der Verdächtige akribisch festhielt, bei welchem Umspannwerk er welche Vorrichtungen versteckt hatte.
Die Karten verweisen auf Tatorte in mehreren Bundesländern:
- Brandenburg
- Sachsen
- Nordrhein-Westfalen – darunter mehrere Standorte
Anhand dieser Unterlagen konnte die Polizei die versteckten Abschussvorrichtungen und Sprengfallen nach und nach lokalisieren und entschärfen. Besonders brisant: In Weißweiler stellte der Mann offenbar noch neue Vorrichtungen auf, während bundesweit nach ihm gefahndet wurde – eine außerordentlich dreiste Vorgehensweise.
Selbst hergestellter Sprengstoff und ein Bekennerschreiben
Nach derzeitigem Ermittlungsstand stellte der Verdächtige den verwendeten Sprengstoff selbst her. Als Grundstoff nutzte er Kaliumchlorat, eine Chemikalie, die auch in der Pyrotechnik Anwendung findet. Die Ermittler gehen davon aus, dass er Monate damit verbrachte, seine Materialien und Vorrichtungen zusammenzubauen.
In einem Bekennerschreiben erläuterte er seine Motivation: Er sieht sich im Kampf gegen fossile Brennstoffe, die seiner Überzeugung nach weltweit Leid verursachen. Er beschreibt seine Taten als eine Art Opfergang, um Politik und Gesellschaft aufzurütteln. Gleichzeitig beklagte er, in den Medien falsch dargestellt zu werden.
Der Verdächtige ist ausgebildeter Facharzt für Innere Medizin mit abgelegtem Staatsexamen, hat jedoch nie als Arzt praktiziert. Bekannt war er weder dem Staatsschutz noch dem Verfassungsschutz – er tauchte in keiner organisierten Klimaschutzbewegung auf und fiel bei Demonstrationen nicht auf. Aus seinem persönlichen Umfeld heißt es, er sei als „Klimaanarcho” bekannt gewesen und habe in der Vergangenheit psychische Auffälligkeiten gezeigt.
Offene Fragen: Einzeltäter oder Netzwerk?
Eine zentrale Frage beschäftigt die Ermittler weiterhin: Handelte der Mann wirklich allein? In seinem Bekennerschreiben beteuert er, ein Einzeltäter zu sein. Doch die Logistik seiner Aktionen wirft Zweifel auf. Sein Lastwagen war bereits früh sichergestellt worden – wie gelangte er dann zu neuen Tatorten und konnte dort frische Vorrichtungen installieren?
Die Polizei schließt mögliche Unterstützer derzeit nicht aus, hat aber keine konkreten Hinweise darauf. Dass er als ausgebildeter Pfadfinder über ausgeprägte Überlebensfähigkeiten verfügt und über lange Zeit in einem Zelt in der Natur hauste, erklärt zumindest teilweise, wie er der Fahndung so lange entgehen konnte.
Die Ermittlungen stehen nun vor einer neuen Phase: Alle Tatorte müssen gesichert, alle Vorrichtungen geborgen und der genaue Tathergang rekonstruiert werden. Der Verdächtige hat nach bisherigen Erkenntnissen eine umfassende Aussagebereitschaft signalisiert – was die Aufklärung deutlich erleichtern dürfte.
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