Dieses Video wurde am 10.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Ein AfD-Verbotsverfahren hält CDU-Chef Friedrich Merz für den falschen Weg im Umgang mit der rechtspopulistischen Partei. Der Bundeskanzler bleibt skeptisch, ob ein solches Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht überhaupt Aussicht auf Erfolg hätte – und zweifelt grundsätzlich daran, ob ein Verbot das eigentliche politische Problem lösen könnte. Stattdessen setzt er auf den direkten Wettbewerb um die Gunst enttäuschter Wählerinnen und Wähler in der politischen Mitte.
Merz: Hohe rechtliche Hürden für ein Verbotsverfahren
Merz betont, die rechtlichen Anforderungen für ein erfolgreiches Parteiverbotsverfahren seien außerordentlich hoch. Deutschland hat historisch nur wenige Parteien verboten, und das Bundesverfassungsgericht legt strenge Maßstäbe an. Zuletzt scheiterte 2017 ein Verbotsantrag gegen die rechtsextreme NPD – nicht weil die Partei als verfassungskonform eingestuft wurde, sondern weil ihr die notwendige politische Relevanz fehlte.
Im Fall der AfD, die bei der letzten Bundestagswahl zur zweitstärksten Kraft aufgestiegen ist, wären die politischen und juristischen Risiken eines Verfahrens erheblich. Merz schließt eine erneute Prüfung nicht grundsätzlich aus, macht aber deutlich, dass er darin keine politische Priorität sieht.
Das eigentliche Problem: Wähler, nicht die Partei
Der entscheidende Punkt in Merz’ Argumentation ist ein gesellschaftlicher: Ein Verbot der AfD würde nicht automatisch die Sorgen und Vorbehalte jener Millionen Menschen beseitigen, die diese Partei wählen. Die Ursachen für den Zuspruch – Unzufriedenheit mit Migration, wirtschaftlicher Unsicherheit oder dem Gefühl politischer Nicht-Repräsentation – blieben unberührt.
Merz zufolge wäre ein Verbot daher allenfalls ein juristisches Instrument, das das politische Symptom bekämpft, nicht aber die gesellschaftliche Wurzel des Problems. Wählerinnen und Wähler, die der AfD ihr Vertrauen schenken, würden sich bei einem Verbot möglicherweise noch stärker vom demokratischen Establishment entfremdet fühlen.
Strategie der CDU: Politische Mitte stärken
Die Antwort der CDU auf den Aufstieg der AfD soll laut Merz eine inhaltliche sein. Die Partei will enttäuschte Wählerinnen und Wähler mit einem überzeugenden politischen Angebot zurückgewinnen. Dabei geht es ausdrücklich darum, deren Befürchtungen und Vorbehalte gegenüber der aktuellen Politik ernst zu nehmen – statt sie pauschal zu verurteilen.
Konkret bedeutet das für die Union:
- Direkte Ansprache von AfD-Wählerinnen und -Wählern mit glaubwürdigen Lösungsangeboten
- Aufgreifen von Themen wie innere Sicherheit, Migrationspolitik und wirtschaftliche Stabilität
- Stärkung der politischen Mitte als Alternative zu den Rändern des Parteienspektrums
- Vermeidung einer Ausgrenzungsrhetorik, die Wähler weiter in Richtung AfD treiben könnte
Merz sieht die politische Auseinandersetzung – also den argumentativen Wettstreit um Programme, Lösungen und Vertrauen – als wirksameres Mittel als rechtliche Schritte.
Einordnung: Eine Debatte mit offenem Ausgang
Die Frage, wie die etablierten Parteien mit der AfD umgehen sollen, ist eine der drängendsten der deutschen Innenpolitik. Während Teile der SPD und der Grünen ein Verbotsverfahren immer wieder ins Gespräch bringen, positioniert sich Merz klar auf der Seite derer, die auf demokratischen Wettbewerb setzen.
Ob diese Strategie aufgeht, wird sich daran messen lassen, ob es der CDU gelingt, das Vertrauen jener Bürgerinnen und Bürger zurückzugewinnen, die sich von der politischen Mitte abgewandt haben. Die Debatte um den richtigen Umgang mit dem Rechtspopulismus dürfte die deutsche Politik noch auf Jahre hinaus begleiten.
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