Dieses Video wurde am 11.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Finanzmärkte stehen unter massivem Druck: Anleiherenditen weltweit haben neue Mehrjahreshochs erreicht, der DAX rutschte erneut unter die Marke von 26.000 Punkten, und explodierende Energiepreise heizen die Inflation weiter an. Gleichzeitig bereiten sich mehrere große Notenbanken auf weitere Zinserhöhungen vor. Die Kombination aus geopolitischer Eskalation, steigenden Rohstoffpreisen und geldpolitischer Straffung setzt Aktien- und Anleihemärkte gleichermaßen unter Stress.
DAX im September unter Druck – Wochenverluste häufen sich
Der DAX hat im September bereits rund 2,7 Prozent verloren und notiert seit Jahresbeginn nur noch mit einem Plus von 4,4 Prozent – damit zählt der deutsche Leitindex zu den schwächsten großen Indizes in Europa. Lediglich der französische CAC 40 schneidet noch schlechter ab.
Zum zweiten Mal in Folge verbuchte der DAX eine Wochenverlust von knapp zwei Prozent. Erst am Freitag federte eine leichte Erholung die schlimmsten Einbußen etwas ab. Der September zeigt damit einmal mehr seinen historisch schwachen Charakter.
Ölpreis und Eskalation im Nahen Osten als Haupttreiber
Das bestimmende Thema der Woche war die geopolitische Eskalation im Nahen Osten und ihre Auswirkungen auf die globale Energieversorgung. In der Straße von Hormus verschärften sich die Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Gleichzeitig gewinnen die Huthi-Milizen zunehmend Kontrolle über die strategisch bedeutsame Meerenge Bab al-Mandab am Roten Meer – eine Insel in der Meeresenge ist bereits eingenommen, die gegenüberliegende Hafenstadt steht unter Druck.
Sollten die Huthis diese Route vollständig kontrollieren, könnten auch saudische Öltanker blockiert werden. Dies würde die ohnehin angespannte Versorgungslage weiter verschärfen.
- Benzinpreis an deutschen Zapfsäulen: 2,33 Euro pro Liter – ein neues Rekordhoch
- Gaspreis: über 80 Euro je Megawattstunde, fast eine Verdreifachung gegenüber dem Jahresanfangswert von 28 Euro
- Raffineriemarge: rund 50 Cent pro Liter, weit über dem Normalwert von 8–10 Cent – bedingt durch zerstörte Kapazitäten in Russland und im Nahen Osten
- Dieselpreis in den USA: 6 US-Dollar je Gallon – ebenfalls ein neues Rekordhoch
Hohe Dieselpreise in Amerika wirken direkt inflationär, da Diesel der zentrale Kraftstoff für Warentransporte ist und steigende Kosten auf die Verbraucherpreise durchschlagen.
Anleiherenditen auf Krisenniveau – Notenbanken erhöhen Zinsen weiter
An den Anleihemärkten kam es zu einem regelrechten Ausverkauf. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg nach überraschend starken Inflationsdaten auf knapp 5 Prozent. In Deutschland erreichte die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe mit 3,51 Prozent den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2009.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in dieser Woche den Einlagensatz erneut auf 2,5 Prozent angehoben und gleichzeitig ihre Inflationsprognose erhöht – womit eine weitere Zinsanhebung im Dezember als wahrscheinlich gilt. Die Inflation in der Eurozone lag im August bei 3,3 Prozent.
In den USA werden die US-Notenbank Fed am kommenden Mittwoch ebenfalls weitere Zinserhöhungen erwartet, nachdem die Verbraucherpreise im August erneut über den Erwartungen lagen. Auch die Bank of Japan könnte zum Ende der Woche mit einer Anhebung um bis zu 50 Basispunkte überraschen.
Aktien unter Druck: Risikoaufschlag gegenüber Anleihen fast aufgebraucht
Die steigenden Anleiherenditen machen Aktien im direkten Vergleich deutlich unattraktiver. Das sogenannte Fed-Modell setzt die Gewinnrendite des Aktienmarkts ins Verhältnis zur Rendite langlaufender Staatsanleihen. Beim S&P 500 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 20 ergibt sich eine Gewinnrendite von etwa 5 Prozent – kaum mehr als die aktuelle US-Anleiherendite von knapp 4,93 Prozent.
Der verbleibende Risikoaufschlag für Aktien beträgt damit weniger als 0,1 Prozentpunkte, während historisch normale Werte bei 2 bis 3 Prozentpunkten liegen. Das signalisiert eine erhebliche Überbewertung des Aktienmarkts im aktuellen Zinsumfeld.
Einzelne Gewinner gibt es dennoch: Die Aktie des japanischen Tech-Konglomerats Softbank legte deutlich zu, getragen von positiven Nachrichten rund um KI-Beteiligungen wie OpenAI und dem Chip-Designer ARM. Verlierer der Woche war hingegen die Buchungsplattform Booking Holdings, die durch ein kartellrechtliches Scheitern einer Übernahme, wachsende KI-Konkurrenz durch Google sowie ein verlangsamtes Wachstum unter Druck geriet und im Monatsverlauf rund 20 Prozent verlor.
In der kommenden Woche richtet sich der Blick der Anleger vor allem auf die Fed-Entscheidung am Mittwoch sowie mögliche diplomatische Fortschritte im Nahen Osten. Eine geldpolitische Straffung könnte kurzfristig Druck von den langfristigen Zinsen nehmen und so eine Zwischenerholung an den Aktienmärkten einleiten – auch wenn das strukturelle Umfeld aus hohen Zinsen und geopolitischer Unsicherheit mittelfristig herausfordernd bleibt.
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