Dieses Video wurde am 11.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Anleihemarkt-Renditen kommen nicht zur Ruhe: In den USA näherte sich die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen zuletzt der psychologisch wichtigen Marke von 5 Prozent – dem höchsten Stand seit rund 25 Jahren. Gleichzeitig verzeichneten Deutschland, Frankreich, Japan und Australien deutliche Renditeanstiege. Der jüngste Eingriff von US-Finanzminister Scott Bessent, der das Rückkaufvolumen für langlaufende Anleihen auf rund 6 Milliarden Dollar pro Operation verdreifacht hat, droht nach Einschätzung von Experten weitgehend wirkungslos zu bleiben.
Renditen an kritischen Marken – globale Anspannung
Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe kletterte zeitweise auf 3,51 Prozent – den höchsten Stand seit 2009. In Frankreich markierte die Rendite mit 4,45 Prozent ein Niveau wie zuletzt während der Finanzkrise 2008. In den USA pendelte die zehnjährige Rendite knapp unterhalb der 5-Prozent-Schwelle.
Christian Kopf, Leiter Portfoliomanagement Renten und Währungen bei Union Investment, sieht den Ausgangspunkt der globalen Nervosität klar in den USA: „Die aktuelle Bewegung hat ihren Ausgang in den USA und setzt sich dann im gesamten System fort.” Die 5-Prozent-Marke gelte als Ausdruck des Vertrauens der Anleger in die US-Wirtschaftspolitik – ein Überschreiten würde Signalwirkung entfalten.
Bessents Rückkäufe: „Nichts anderes als ein Taschenspielertrick”
Die Verdreifachung des Rückkaufvolumens durch Finanzminister Bessent bewertet Kopf als wirkungslos in der Substanz. „Der Rückkauf von Anleihen ändert nichts daran, dass die Staatsverschuldung in den USA immer weiter ansteigt und es immer höhere Emissionen gibt”, so der Anleiheexperte.
Dennoch räumt Kopf ein, dass Bessent ein gutes Timing bewiesen habe: Er habe interveniert, als der Markt bereits überverkauft war. Kurzfristig könne das zu einer gewissen Stabilisierung führen – an der grundlegenden Nervosität am Rentenmarkt ändere es jedoch nichts. Ähnlich bewertet Kopf Bessents verbale Intervention am Devisenmarkt: Beim Yen habe die eigentliche Stabilisierung weniger mit Bessents Ankündigung zu tun als mit dem Kurs der Bank of Japan, die ihre Leitzinsen deutlich anheben werde.
US-Inflation und Fed-Entscheidung: Ein Münzwurf
Die neuen US-Inflationsdaten sorgten zunächst für begrenzte Marktbewegung. Die Verbraucherpreise stiegen im August im Jahresvergleich um 3,4 Prozent – auf dem Niveau des Vormonats und weit über dem Fed-Zielwert von 2 Prozent. Die Kerninflation lag bei 2,4 Prozent und fiel damit leicht gegenüber Juli zurück.
Vor der Veröffentlichung war eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed bei der Sitzung am 16. September mit rund zwei Dritteln Wahrscheinlichkeit eingepreist – danach stieg dieser Wert kurzzeitig auf fast 90 Prozent, pendelte sich aber wieder ein. Laut Kopf ist die Entscheidung letztlich ein Münzwurf:
- Fed-Gouverneur Chris Waller signalisierte zuletzt Skepsis gegenüber weiteren Zinserhöhungen.
- Der für die Geldpolitik relevantere Deflator privater Konsumausgaben dürfte laut Kopf auf rund 2,8 Prozent fallen.
- Auch John Williams von der New Yorker Fed könnte gegen eine Erhöhung stimmen.
- Fedchef Kevin Wash positionierte sich zuletzt als Falke – wird aber möglicherweise innerhalb des Rates überstimmt.
Paradoxerweise wäre eine Leitzinserhöhung laut Kopf das wirksamste Mittel, um die langfristigen Renditen zu stabilisieren: Höhere Kurzfristzinsen würden das Wirtschaftswachstum bremsen und das lange Ende der Zinskurve beruhigen – was letztlich auch den Aktienmärkten zugutekäme.
Deutschlands neue Energieabhängigkeit: LNG aus den USA
Neben den Turbulenzen an den Kapitalmärkten wächst in Deutschland eine weitere strukturelle Verwundbarkeit: die Abhängigkeit von US-amerikanischen LNG-Importen. Die USA sind inzwischen Europas zweitgrößter Gaslieferant. Gleichzeitig sind die deutschen Gasspeicher mit einem Füllstand von etwas über 50 Prozent auf einem historisch niedrigen Niveau – ausgerechnet vor dem Winter.
Verschärft wird die Lage durch den Irankrieg, der Katar als alternativen Großlieferanten weitgehend ausfallen lässt. Katar hatte zuvor rund ein Fünftel der weltweiten Erdgasmengen geliefert. Energieexpertin Katiana Krab erklärt, dass ein tatsächlicher Lieferstopp durch die USA zwar aufwendig wäre – US-Gasexporteure sind private Konzerne und benötigen staatliche Exportgenehmigungen –, eine bloße Drohung von Präsident Donald Trump jedoch ausreichen könnte, um die europäischen Gaspreise stark zu treiben.
Der Energieexperte Jakopo Pepe von der Stiftung Wissenschaft und Politik spricht von einem doppelten Versagen: einem Marktversagen, weil die hohen Sommerpreise infolge des Irankriegs die übliche Speicherbefüllung verhinderten, und einem Staatsversagen, weil die Bundesregierung – anders als andere europäische Länder – keine Mindestfüllmengen oder Subventionen für Gasspeicher eingeführt hat. Ein nachträglicher staatlicher Großeinkauf würde die Preise weiter in die Höhe treiben und das Problem verschärfen. Deutschland befindet sich damit erneut in einer Energiefalle – diesmal mit amerikanischem Vorzeichen.
Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (Handelsblatt). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.


