Dieses Video wurde am 12.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Zum Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September war Donald Trump der einzige noch lebende US-Präsident, der den Gedenkfeiern in New York fernblieb. Stattdessen hielt er im Pentagon eine patriotische Rede – und nutzte sie nach Einschätzung des US-Experten Julius van de Laar vor allem für aktuelle Innenpolitik. Trumps 9/11-Rede war demnach weniger Trauerfeier als politisches Instrument: Der Präsident verknüpfte das Gedenken mit dem laufenden Krieg gegen den Iran und versuchte damit, Unterstützung für einen zunehmend unbeliebten Militäreinsatz zu mobilisieren.
Trumps 9/11-Rede als politisches Kalkül
Van de Laar sieht in der Entscheidung, im Pentagon statt in New York zu sprechen, eine bewusste Weichenstellung. Während frühere Präsidenten alle drei Gedenkstätten an einem Tag besucht hatten, wählte Trump einen Ort, der ihm eine eigene Bühne bot.
In seiner Rede erinnerte er zwar der Opfer des 11. September, zog aber unmittelbar die Verbindung zum aktuellen Kriegsgeschehen: Der Iran sei heute der größte Unterstützer des Terrorismus, so Trump – eine Aussage, die als Legitimation für den laufenden Militärkonflikt dienen soll.
Van de Laar zweifelt jedoch daran, dass diese Botschaft verfängt. Die hohen Spritpreise, die finanziellen Belastungen des Krieges und die spürbaren Kosten für die amerikanischen Streitkräfte sprächen eine deutliche Sprache. „Er tut sich damit keinen Gefallen”, urteilt der Experte.
„Pretend I’m on the ballot” – Mobilisierung der MAGA-Basis
Parallel zur 9/11-Rede rückte der Republikanische Parteitag in Dallas in den Fokus. Trump feierte sich dort vor allem selbst und rief seine Anhänger mit dem Satz „Pretend that I’m on the ballot” zur Mobilisierung auf – als stünde er selbst zur Wahl.
Van de Laar ordnet das als klassisches Dilemma eines Präsidenten in der Midterm-Phase ein. Die MAGA-Basis sei demobilisiert – durch hohe Inflation und gebrochene Versprechen. Trumps Rezept dagegen lautet:
- Maximale Polarisierung auf Social Media
- Handelskonflikte, etwa mit Kanada
- Provokante Aussagen zur Aktivierung der Kernwählerschaft
- Mediale Zuspitzung, um täglich die Schlagzeilen zu dominieren
Der Experte zieht einen historischen Vergleich: Barack Obama habe 2010 vor denselben Problemen gestanden und bei den Midterm Elections ein deutliches Debakel erlitten. Trump setze nun auf den umgekehrten Weg – noch mehr Lautstärke statt Kurskorrektur.
5.000-Dollar-Versprechen: Wahlkampfrhetorik ohne Glaubwürdigkeit?
Beim Parteitag in Dallas kündigte Trump an, jedem erwachsenen US-Amerikaner 5.000 US-Dollar auszuzahlen – falls die Republikaner bei den Midterms beide Kammern des Kongresses gewinnen. Finanzminister Scott Bessent, der im Publikum saß, wirkte bei der Ankündigung sichtlich überrascht.
Für van de Laar ist das Versprechen vor allem eines: mediale Aufmerksamkeit für einen Tag. Die Glaubwürdigkeit sei stark beschädigt, denn Trump hatte bereits zweimal ähnliche Zahlungen in Aussicht gestellt – zuletzt 2.000 Dollar aus Zolleinnahmen –, ohne dass Geld geflossen wäre. Viele Amerikanerinnen und Amerikaner dürften skeptisch bleiben.
Hinzu kommt: Der US-Staatshaushalt ist bereits massiv belastet. Weitere Billionen an Ausgaben gelten als kaum finanzierbar.
Demokraten schweigen – bewusst oder planlos?
Angesichts schwacher Umfragewerte Trumps – nur 35 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner sind derzeit mit ihrem Präsidenten zufrieden – stellt sich die Frage, warum die Opposition kaum Kapital daraus schlägt.
Van de Laars Analyse: Die Demokratische Partei und ihre Marke seien „komplett am Boden”. Die klügste Strategie könne deshalb sein, die Scheinwerfer auf Trump gerichtet zu lassen und selbst zu schweigen – in der Hoffnung, dass die Wählerinnen und Wähler am Wahltag die Konsequenzen ziehen.
Ob diese passive Haltung ausreicht, um bei den Midterms zu punkten, bleibt offen. Klar ist: Das politische Amerika befindet sich in einer Phase maximaler Polarisierung – und Trump setzt bewusst auf deren weitere Eskalation.
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