Dieses Video wurde am 12.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Frage nach der Trump Nachfolge gewinnt in der amerikanischen Politik zunehmend an Gewicht. Donald Trump selbst soll in seinem Umfeld immer öfter die kurze Frage stellen: „JD or Marco?” Damit benennt er die beiden derzeit führenden Kandidaten seiner Partei – Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio. Beide positionieren sich strategisch, ohne offen Wahlkampf zu betreiben. Beide wissen: Zu früh aus der Deckung zu kommen kann gefährlich sein – besonders wenn der amtierende Präsident Konkurrenz nicht duldet.
JD Vance: Der natürliche Erbe der MAGA-Bewegung
JD Vance gilt in Umfragen als klarer Favorit. Je nach Institut oder Wettmarkt wird er von über 40 bis 50 Prozent der Befragten als wahrscheinlichster republikanischer Präsidentschaftskandidat gesehen. Als Vizepräsident ist er sichtbar, hat Exekutiverfahrung gesammelt und steht ideologisch eng an der MAGA-Bewegung.
Vance verfügt über enge Verbindungen zur Technologieindustrie – unter anderem zu Investoren wie Peter Thiel – und gilt als fähiger Fundraiser. Seine Herkunftsgeschichte, die er im Buch Hillbilly Elegy beschrieb, ermöglicht es ihm, eine Nähe zur Arbeiterklasse zu beanspruchen.
Dennoch hat er Schwächen. Kritiker werfen ihm politischen Opportunismus vor: Vance war einst ein scharfer Trump-Gegner, bevor er zum überzeugten Unterstützer wurde. Diesen Imagewandel kaufen ihm nicht alle ab. Zudem wird er in Teilen der Öffentlichkeit als „kalter Karrierist” wahrgenommen, dem persönliches Charisma fehlt.
Vance arbeitet sichtbar an seiner Außenwirkung: Er tritt staatsmännischer auf, betont seine Rolle als Familienvater und bemüht sich um einen moderateren Ton – etwa mit Aussagen zur politischen Toleranz gegenüber Andersdenkenden wie Tucker Carlson.
Marco Rubio: Leiser Aufsteiger mit diplomatischem Profil
Marco Rubio liegt in Umfragen zwar hinter Vance, doch die Dynamik entwickelt sich zu seinen Gunsten. Als Außenminister agiert er bewusst zurückhaltend und aufbauend – ein Stil, der ihm in der Öffentlichkeit weniger Sichtbarkeit, aber in politischen Hinterzimmern Respekt einbringt.
Zu seinen Stärken zählen:
- Brückenbauen zwischen den Parteiflügeln und Beliebtheit auch bei demokratischen Ex-Kollegen aus dem Senat
- Außenpolitische Erfolge, etwa im Venezuela-Konflikt und bei Ölsanktionen
- Deeskalierende Rolle in den Iran-Verhandlungen, was ihn als Vermittler positioniert
- Anschlussfähigkeit an moderate Wähler und die traditionelle republikanische Mitte
Rubios größte Herausforderung: Das Amt des Außenministers ist strukturell ein leises Amt. Diplomatie erlaubt keine lauten Töne – was es schwer macht, ein eigenständiges politisches Profil zu entwickeln. Hillary Clinton hatte als Außenministerin ähnliche Schwierigkeiten. Rubio hat dies intern offenbar selbst erkannt und erklärt, er wolle das Amt bis zum Ende der Amtszeit behalten.
Strategische Positionierung: Abwarten als Kalkül
Beide Kandidaten verfolgen derzeit eine Strategie des kontrollierten Abwartens. Wer sich zu früh als Präsidentschaftskandidat in Stellung bringt, riskiert den Zorn Trumps – und damit den Verlust seiner wichtigsten politischen Rückendeckung. Gleichzeitig nutzen beide die Phase vor den Zwischenwahlen, um informelle Netzwerke zu knüpfen und Geldgeber anzusprechen.
Vance hat in einer öffentlichen Pressekonferenz demonstriert, dass er über die Nachfolge „noch nicht nachdenkt” – und dabei gleichzeitig deutlich gemacht, wie strategisch er genau das tut. Rubio formuliert es ähnlich: Als Außenminister spiele er keine Politik.
Neben den beiden Frontrunnern werden weitere Namen gehandelt: Ted Cruz hat Ambitionen angedeutet, gilt aber als vorbelastet. Ron DeSantis, Gouverneur Floridas, scheiterte 2024 kläglich gegen Trump, hat jedoch eine konservative Bilanz vorzuweisen. Donald Trump Junior wird aufgebaut, verfügt aber über keinerlei Exekutiverfahrung.
Vance und Rubio als Team – ein realistisches Szenario?
Eine zunehmend diskutierte Option ist ein gemeinsames Ticket: JD Vance als Präsidentschaftskandidat und Marco Rubio als sein Vizepräsident. Diese Kombination würde die MAGA-Basis ansprechen und gleichzeitig durch Rubio die hispanische Wählerschaft und gemäßigte Republikaner einbinden.
Für Rubio hätte ein solches Szenario langfristigen Charme: Als Vizepräsident könnte er Exekutiverfahrung sammeln und sich nach weiteren vier Jahren selbst für das Präsidentenamt positionieren – er ist jung genug dafür.
Die Nachfolgefrage ist eine Momentaufnahme, die sich nach den Zwischenwahlen deutlich beschleunigen wird. Fest steht: Die Republikanische Partei steht vor einer echten Richtungsentscheidung – zwischen dem konfrontativen Stil der MAGA-Bewegung und einem ruhigeren, traditionelleren Konservatismus. Welches Profil die Wähler bevorzugen, wird die Vorwahlen entscheidend prägen.
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