Dieses Video wurde am 12.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der BRICS-Gipfel 2026 findet am 12. und 13. September in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi statt. Zu den hochrangigen Teilnehmern zählen der russische Präsident Wladimir Putin, Chinas Staatschef Xi Jinping sowie Indiens Premierminister Narendra Modi als Gastgeber. Das Treffen gilt als eines der bedeutendsten multilateralen Ereignisse des Jahres und sendet ein klares Signal an die westlichen Industrienationen: Die BRICS-Staaten wachsen zusammen und beanspruchen eine eigenständige Rolle in der globalen Ordnung.
Was ist BRICS und wer gehört dazu?
Die Abkürzung BRICS steht ursprünglich für die fünf Gründungsmitglieder: Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Das Bündnis entstand mit dem Ziel, eine gemeinsame Stimme aufstrebender Volkswirtschaften in der internationalen Politik zu etablieren.
In den vergangenen Jahren hat die Gruppe eine erhebliche Erweiterung erfahren. Zu den neuen Mitgliedern zählen unter anderem:
- Saudi-Arabien – eine der bedeutendsten Ölmächte der Welt
- Iran – geopolitisch bedeutsam, wirtschaftlich unter westlichem Sanktionsdruck
- Ägypten – größtes Land Nordafrikas mit strategischer Lage am Suezkanal
Die Erweiterung verdeutlicht den wachsenden Einfluss des Bündnisses und seinen Anspruch, eine breitere Koalition des Globalen Südens zu repräsentieren.
BRICS als Gegengewicht zum Westen
Die BRICS-Gruppe versteht sich ausdrücklich als Gegengewicht zu den westlichen Staaten und ihren Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds oder der G7. Insbesondere seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und den darauffolgenden westlichen Sanktionen gegen Moskau hat das Bündnis politisch an Bedeutung gewonnen.
Russland nutzt die BRICS-Plattform, um seine internationale Isolation zu durchbrechen und wirtschaftliche sowie diplomatische Alternativen zum Westen zu stärken. Die Teilnahme Putins am Gipfel in Neu-Delhi unterstreicht diesen Kurs. China wiederum sieht in der Gruppe ein Forum, um seine multipolare Weltordnungsvorstellung voranzutreiben und die Dominanz der USA in globalen Institutionen zu relativieren.
Indiens Rolle als Gastgeber und Brückenbauer
Indien nimmt innerhalb des Bündnisses eine besondere Position ein. Als weltgrößte Demokratie und enger Wirtschaftspartner westlicher Staaten einerseits sowie als langjähriger Verbündeter Russlands andererseits versucht Neu-Delhi, eine eigenständige außenpolitische Linie zu verfolgen.
Premierminister Modi gilt als Befürworter einer strategischen Autonomie Indiens – das Land bezieht keine eindeutige Position im Konflikt zwischen West und Ost, sondern pflegt Beziehungen zu allen großen Mächten. Der BRICS-Gipfel bietet Modi die Möglichkeit, Indien als zentrale Gestaltungsmacht des 21. Jahrhunderts zu positionieren.
Die Gespräche zwischen Modi, Putin und Xi Jinping dürften neben wirtschaftlichen Themen auch geopolitische Fragen wie den Ukraine-Krieg, Handelsrouten und die Reform internationaler Institutionen umfassen.
Ausblick: Wächst der Einfluss der BRICS-Staaten?
Der Gipfel in Neu-Delhi zeigt, dass die BRICS-Gruppe trotz interner Spannungen – etwa zwischen Indien und China – an Zusammenhalt und globaler Relevanz gewinnt. Mit einem kombinierten Anteil von über 40 Prozent der Weltbevölkerung und einem wachsenden Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung ist das Bündnis keine Randerscheinung mehr.
Ob die BRICS-Staaten langfristig eine kohärente Alternative zur westlich geprägten Weltordnung bilden können, bleibt offen. Unterschiedliche Interessen der Mitglieder, fehlende gemeinsame Institutionen und geopolitische Rivalitäten – insbesondere zwischen Indien und China – stellen das Bündnis vor strukturelle Herausforderungen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Beschlüsse von Neu-Delhi über symbolische Gesten hinausgehen.
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