Dieses Video wurde am 14.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Kanadas Premierminister Mark Carney hat beim Filmfestival in Toronto eine engere Zusammenarbeit zwischen Kanada und der Europäischen Union in Aussicht gestellt. Carney sprach von einer angestrebten einzigartigen Allianz zwischen beiden Partnern – ohne einen formellen EU-Beitritt Kanadas anzustreben. Hintergrund ist der zunehmend angespannte Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten, der Ottawa dazu bewegt, neue strategische Partnerschaften zu suchen.
Carney bekennt sich zur EU-Partnerschaft
Am Rande des Toronto International Film Festival reagierte Carney auf einen Bericht des Wall Street Journals, dem zufolge Kanada eine stärkere Annäherung an Europa prüft. Der Premier stellte klar: Ein Beitritt zur Europäischen Union sei nicht das Ziel. Stattdessen gehe es um eine neue Form der strategischen Zusammenarbeit.
„Wir teilen dieselben Werte, wir haben dieselben Prioritäten und unsere Stärken ergänzen sich hervorragend”, sagte Carney. „Gemeinsam sind wir stärker – und das in einer Zeit, in der die Welt gefährlicher und gespaltener ist als je zuvor.”
Diese Aussagen unterstreichen den politischen Kurswechsel in Ottawa: Angesichts wachsender Unsicherheiten im Verhältnis zu Washington sucht Kanada aktiv nach alternativen Partnern auf dem internationalen Parkett.
Eskalierender Handelsstreit mit den USA als Treiber
Die Annäherung an Europa ist kein Zufall. Die Beziehungen zwischen Ottawa und Washington haben sich seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr erheblich verschlechtert. Trump äußerte sich am selben Wochenende erneut kritisch über Kanada:
- „Kanada ist das Land, mit dem man am schwersten zurecht kommt”, sagte Trump.
- Die kanadischen Politiker seien „sehr schwierig” – nicht jedoch die Bevölkerung, die er als „fantastisch” bezeichnete.
- Trump bekräftigte seine Absicht, ab dem 1. Januar neue Zölle auf Autos, Lastwagen und Autoteile aus Kanada zu erheben.
Die drohenden Importzölle belasten die kanadische Wirtschaft erheblich und erhöhen den Druck auf die Regierung, Handelsalternativen zu erschließen.
Strategische Kooperation in Schlüsselbranchen geplant
Dem Bericht des Wall Street Journals zufolge erörtern Kanada und die EU konkrete Maßnahmen zur Vertiefung ihrer wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt stehen dabei strategische Lieferketten in besonders zukunftsrelevanten Bereichen:
- Energie: Ausbau gemeinsamer Versorgungsstrukturen
- Künstliche Intelligenz: Kooperation bei Technologie und Infrastruktur
- Verteidigung: Engere Abstimmung im Sicherheitsbereich
- Kritische Rohstoffe: Sicherung gemeinsamer Lieferketten
Darüber hinaus ist dem Bericht zufolge der gemeinsame Bau von Infrastruktur im Gespräch – darunter Unterseekabel, Rechenzentren und neue Satellitennetzwerke. Diese Projekte würden die digitale und energetische Vernetzung beider Partner deutlich stärken.
Einordnung: Eine neue geopolitische Achse entsteht
Die angestrebte Kanada-EU-Allianz fügt sich in ein größeres geopolitisches Bild ein. Westliche Demokratien suchen angesichts wachsender globaler Spannungen und handelspolitischer Verwerfungen nach stabilen Partnerschaften jenseits traditioneller Achsen.
Für die EU bietet eine engere Bindung an Kanada Zugang zu wichtigen Rohstoffen und einer stabilen, werteorientierten Volkswirtschaft. Kanada wiederum kann durch die Allianz seine wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA reduzieren und neue Absatzmärkte erschließen.
Ob aus den Sondierungsgesprächen ein formelles Abkommen wird, bleibt abzuwarten. Die politische Dynamik auf beiden Seiten des Atlantiks – geprägt von wirtschaftlichem Druck und dem Wunsch nach mehr Unabhängigkeit – dürfte die Verhandlungen jedoch beschleunigen.
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