Verbundkraftwerk: Strom aus Sonne, Wind und Wasserstoff

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Dieses Video wurde am 30.04.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Kann ein Verbundkraftwerk aus erneuerbaren Energien ein konventionelles Großkraftwerk ersetzen – zuverlässig, günstig und rund um die Uhr? Jörg Müller, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender des Brandenburger Energieunternehmens Enertrag, bejaht das entschieden. In der Uckermark, anderthalb Stunden nordöstlich von Berlin, hat Enertrag ein Verbundkraftwerk errichtet, das Windkraftanlagen, Solaranlagen, Batteriespeicher und einen Elektrolyseur zur Wasserstoffproduktion miteinander vernetzt. Müllers These: Eine sicher versorgbare Energiewirtschaft braucht keine Gaskraftwerke – wenn Speicher und Erzeugung intelligent kombiniert werden.

Warum 1990 die Weichen auf erneuerbare Energien gestellt wurden

Müller studierte in den 1980er-Jahren Kerntechnik in Moskau und plante ursprünglich ein Praktikum im Kernkraftwerk Tschernobyl – das die Reaktorkatastrophe vom 26. April 1986 vereitelte. Die Erfahrung prägte seine wissenschaftliche Überzeugung nachhaltig. Für ihn war bereits um 1990 aus rein physikalischer Sicht klar, dass Kernspaltung langfristig keine Lösung darstellt: Uran ist endlich, die erhoffte Kernfusion bleibt bis heute nicht beherrschbar, und der Anteil der Kernenergie am weltweiten Energieverbrauch überstieg nie zwei Prozent.

Hinzu kommt das Effizienzargument: Konventionelle Kraftwerke – ob Kohle, Gas oder Kern – blasen bis zu 70 Prozent der eingesetzten Energie ungenutzt als Wärme in die Atmosphäre. Ein Elektroauto hingegen erreicht einen Wirkungsgrad von rund 98 Prozent. Der Wechsel zu Strom als primärer Energieform bedeute, so Müller, einen Effizienzsprung von rund 30 auf bis zu 90 Prozent – und mache erneuerbare Energie damit langfristig deutlich günstiger als alle fossilen Alternativen.

Das Verbundkraftwerk in der Uckermark: Aufbau und Funktionsweise

Das Enertrag-Verbundkraftwerk besteht aus mehreren vernetzten Komponenten, die über ein eigenes unterirdisches Mittel- und Hochspannungsnetz verbunden sind:

  • Windkraftanlagen und Solaranlagen als Primärerzeuger
  • Ein Elektrolyseur zur Umwandlung von Überschussstrom in grünen Wasserstoff
  • Batteriespeicher für Primärregelenergie und kurzfristigen Tages-Nacht-Ausgleich
  • Ein Wärmespeicher für die lokale Nahwärmeversorgung

Das Prinzip ist simpel: Wenn Wind und Sonne mehr Strom erzeugen als benötigt wird, fließt die Energie in Speicher – entweder direkt als Strom in Batterien oder als Wasserstoff in das vorhandene Gasnetz. Müller vergleicht das mit der Getreideernte: Eine kurze Erntezeit versorgt über Speicher das ganze Jahr. Die Anlage steuert auf eine Netzeinspeisung von einem Gigawatt zu, dahinter steckt eine Erzeugungskapazität vom Fünf- bis Sechsfachen – genug, um auch längere Dunkelflauten zu überbrücken.

Wasserstoff statt Gaskraftwerk: Die Speicherfrage

Die derzeit in Deutschland hitzig geführte Debatte über den Bedarf an neuen Gaskraftwerken greife am eigentlichen Problem vorbei, sagt Müller. Die entscheidende Frage sei nicht, wie viele Solar- und Windanlagen noch gebaut werden müssen, sondern wie die erzeugte Energie gespeichert wird. Deutschland besitze hier einen strategischen Vorteil: ein Gasspeichersystem mit einer Kapazität von mehreren hundert Terawattstunden – ausreichend, um einen kalten, windarmen Wintermonat zu überbrücken.

Batteriespeicher allein reichen für solche Zeiträume nicht aus. Vier Wochen Dunkelflaute – wie im Februar 2025 erlebt – lassen sich mit Akkumulatoren schlicht nicht überbrücken. Wasserstoff hingegen lässt sich in bestehende Gasnetze einspeisen, in Brennstoffzellen rückverstromen, als Industrierohstoff nutzen oder als Kraftstoff einsetzen. Müllers Zielwert für grünen Wasserstoff liegt bei drei bis fünf Euro pro Kilogramm – womit Wasserstofffahrzeuge bereits heute günstiger pro 100 Kilometer fahren als Benziner.

Skalierung und Ausblick: Wann ist die Energiewende abgeschlossen?

Müller ist überzeugt, dass das Verbundkraftwerk-Modell weltweit skalierbar ist. Ein typisches Verbundkraftwerk benötigt eine Fläche von etwa 30 mal 30 bis 40 mal 40 Kilometern und erreicht damit die Leistung eines konventionellen Großkraftwerksblocks – bei einem Bruchteil der Netzkosten, da das eigene Erdkabelnetz nur rund ein Viertel Cent je Kilowattstunde kostet, verglichen mit acht bis zwölf Cent im öffentlichen Netz.

Beim aktuellen Zubautempo – rund acht Gigawatt Wind und 15 Gigawatt Photovoltaik pro Jahr – werde Deutschland bereits 2031 so viel Strom erzeugen, wie es verbraucht. Die vollständige Energiewende, also inklusive Wärme, Mobilität und Industrie, hält Müller technisch bis zur Mitte des Jahrhunderts für machbar. Entscheidend sei nun der Einstieg in die Speicherphase der Energiewende – mit Wasserstoff als zentralem Langzeitspeicher und Verbundkraftwerken als dezentraler Infrastruktur.

Die Botschaft von Enertrag-Gründer Müller ist klar: Die technischen Grundlagen für eine vollständig erneuerbare, versorgungssichere Energieversorgung existieren bereits heute. Was fehlt, ist weniger Technologie als politischer Wille und die konsequente Umstellung vom Denken in Einzelanlagen hin zu vernetzten Systemen aus Erzeugung, Speicherung und Verteilung.

Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler enthalten.

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