Zalando Erfurt: 3.000 Jobs weg – Thüringen im Abstieg

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Dieses Video wurde am 30.04.2026 von DER SPIEGEL auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Der Zalando-Stellenabbau in Erfurt trifft Thüringen mit voller Wucht: Im September soll das Logistikzentrum des Onlinehändlers in der Landeshauptstadt schließen. Knapp 3.000 Beschäftigte – darunter viele Schwerbehinderte und Arbeitnehmer aus rund 60 Nationen – stehen vor einer ungewissen Zukunft. Der Konzern begründet den Schritt mit einer Neuausrichtung seines Geschäftsmodells und eröffnet zeitgleich ein neues Logistikzentrum im hessischen Gießen. Für die Betroffenen in Thüringen ist das mehr als eine betriebswirtschaftliche Entscheidung – es geht um Existenzen, Kredite und das soziale Gefüge einer ganzen Region.

Zalando Erfurt: Optimierung auf Kosten der Belegschaft

Zalando verzeichnet gute Umsätze – und will durch die Schließung des Erfurter Standorts noch profitabler werden. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet das den Verlust eines Arbeitsplatzes, an dem viele über ein Jahrzehnt tätig waren. Der Betriebsrat stemmt sich gegen eine schnelle Abwicklung und pocht auf Verhandlungen für die über 2.700 direkt betroffenen Beschäftigten.

Besonders bitter: Der Konzern hat in der Vergangenheit 22 Millionen Euro staatliche Fördermittel für den Erfurter Standort erhalten. Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow kritisiert die Entscheidung scharf und bezeichnet es als „schwer ertragbar”, dass ein Unternehmen eine derart diverse Belegschaft – inklusive vieler Schwerbehinderter – einfach aufgebe.

Einzelschicksal: Daniela Herbanski und ihre Zukunftsangst

Daniela Herbanski steht stellvertretend für viele Betroffene. Die 55-Jährige aus dem thüringischen Sömmerda hat elf Jahre und sechs Monate für Zalando gearbeitet – Weihnachten, Ostern, Pfingsten inklusive. Nach dem Tod ihres Mannes vor einem Jahr ist sie auf ihr Gehalt angewiesen, ergänzt durch eine geringe Witwenrente. Monatliche Ausgaben von 1.200 Euro, ein noch neun Jahre laufender Kredit und keine Restschuldversicherung – die finanzielle Lage ist prekär.

Den Vorschlag, an den neuen Standort nach Gießen zu wechseln, lehnt sie ab. Ihr Mann liegt auf einem Friedhof in Thüringen, ihre Familie lebt dort – und eine Einzimmerwohnung in Gießen kostet ähnlich viel wie ihre aktuelle Unterkunft in Thüringen, bietet aber keinerlei soziales Netz. Für sie bleibt nur die Jobsuche in der Heimat – in einem Arbeitsmarkt unter starkem Druck.

Thüringen im Strukturwandel: Lehre aus Suhl

Was passiert, wenn Massenentlassungen auf schwache Regionen treffen, zeigt das Beispiel der Stadt Suhl in Südthüringen. Nach der Wiedervereinigung wurden Betriebe wie das VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Ernst Thälmann – berühmt für die Simson-Mopeds – abgewickelt. Rund 4.000 Beschäftigte verloren ihre Jobs, die Exportmärkte brachen weg, und die Stadt erlebte eine dramatische Abwanderungswelle.

  • 1988 lebten fast 60.000 Menschen in Suhl
  • Heute sind es weniger als 35.000 – ein Rückgang von 38 Prozent
  • Über 30 Wohnblöcke der Plattenbausiedlung Suhl-Nord wurden bereits abgerissen
  • Der Stadtteil soll bis 2040 vollständig in ein Gewerbegebiet umgewandelt werden
  • Infrastruktur wie Restaurants, Läden und Dienstleister verschwanden mit den Bewohnern

Was einst als aufstrebende DDR-Industriestadt galt, ist heute ein Musterbeispiel für schrumpfende Städte im Osten. Die verbliebenen Bewohner wie der langjährige Sulnord-Bewohner Hermann Öcksner müssen ihre Wohnungen verlassen – weil schlicht keine Mieter mehr da sind.

Arbeitsmarkt Thüringen: Ein Trend mit Folgen

Der Fall Zalando ist kein Einzelfall. Der thüringische Arbeitsmarkt schwächelt seit Jahren strukturell. Im Jahr 2025 sank die Zahl der Erwerbstätigen im Freistaat um mehr als 11.000 – auf den niedrigsten Stand seit über zwei Jahrzehnten. In nahezu allen Branchen brechen Stellen weg, während Zuzug und wirtschaftliche Neuansiedlungen ausbleiben.

Die Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt droht diesen Trend zu verschärfen. Für eine Region, die noch die Narben des wirtschaftlichen Umbruchs nach 1990 trägt, wiegt jeder weitere Jobverlust schwer. Ob der Betriebsrat eine bessere Einigung für die Beschäftigten erreicht, ob Abfindungen gezahlt werden und wie die Betroffenen den Übergang meistern, bleibt vorerst offen. Klar ist: Thüringen braucht dringend neue wirtschaftliche Perspektiven – und zwar schneller, als die Politik derzeit liefert.

Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler enthalten.

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