KI-Aktien 2026: Chancen bei Nvidia, Tesla & Co.
KI-Aktien bleiben 2026 der dominierende Börsenfaktor. Anthropic, SpaceX, CoreWeave und Lumentum liefern starke Zahlen – ein Überblick der Chancen und Risiken.
Dieses Video wurde am 21.10.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die KI-Aktien dominieren weiterhin das Börsengeschehen und treiben die Konzentration im S&P 500 auf Rekordniveaus. Die 15 größten Unternehmen im Index machen bereits 47 Prozent des Gesamtwertes aus – gegenüber rund 27 Prozent im Jahr 2000. Analysten sehen diese Entwicklung als gerechtfertigt an, da die Gewinne der großen Technologiekonzerne entsprechend mitgewachsen sind. Gleichzeitig sorgen starke Quartalszahlen von Anthropic, SpaceX, Micron und Lumentum für neue Impulse, während Netflix mit nachlassendem Wachstum kämpft.
S&P 500: Rekordkonzentration, aber faire Bewertung
Die Dominanz der Technologiewerte im S&P 500 ist historisch beispiellos, aber fundamental untermauert. Seit 1957 hat der Index über 1.300 Allzeithochs markiert – statistisch alle 19 Tage einen neuen Höchststand. Korrekturen sollten daher als Kaufgelegenheiten betrachtet werden, sofern sich die fundamentalen Rahmenbedingungen nicht verändert haben.
Besonders bemerkenswert: Die Gewinnerwartungen für S&P-500-Unternehmen sind im laufenden Jahr um über 30 Prozent gestiegen, während der Index selbst nur rund 12 Prozent zulegte. Das Ergebnis ist ein gesunkenes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 zu Jahresbeginn auf aktuell rund 19. Der Markt ist damit trotz der Rally günstiger bewertet als noch Anfang des Jahres.
Hinzu kommt der sogenannte Night Effect: Wer seit 1993 Aktien jeweils zum Börsenschluss kaufte und zur nächsten Eröffnung verkaufte, erzielte über 1.000 Prozent Gewinn – gegenüber mageren 22 Prozent bei der umgekehrten Strategie. Kursrelevante Meldungen wie Quartalszahlen bewegen die Kurse vor allem außerbörslich.
Anthropic und SpaceX: KI-Profitabilität unter Beweis gestellt
Das noch nicht börsennotierte KI-Unternehmen Anthropic sorgte mit durchgesickerten Quartalszahlen für Aufsehen. Der Umsatz lag im dritten Quartal bei 16,7 Milliarden Dollar – ein Wachstum von 47 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Entscheidend ist dabei die operative Wende: Anthropic ist Free-Cashflow-positiv geworden und erzielt für jeden investierten Dollar in Rechenleistung 1,70 Dollar Umsatz.
SpaceX übertraf die Erwartungen ebenfalls deutlich. Der Gewinn je Aktie verdoppelte sich auf 35 Cent, während die Ausgaben mit rund 19,6 Milliarden Dollar im Rahmen blieben. CEO Elon Musk bezeichnete die Nachfrage nach Rechenleistung als „unersättlich” und stellte für Ende 2027 eine jährliche Umsatzrate von 500 Milliarden bis zu einer Billion Dollar in Aussicht. Zudem bestätigte Musk laufende Gespräche über eine mögliche Fusion von SpaceX und Tesla, für die inzwischen Sonderausschüsse eingesetzt wurden.
Die Wirtschaftlichkeit von Rechenzentren verdeutlicht folgende Relation:
- Installationskosten: rund 30 Millionen Dollar pro Megawatt
- Jährliche Mieteinnahmen: 20 bis 50 Millionen Dollar pro Megawatt
- Amortisationszeitraum: teilweise unter einem Jahr
- Cloud-Umsatzwachstum der Hyperscaler (Amazon, Google, Microsoft, Oracle): über 50 Prozent
CoreWeave und Nebius: Neocloud-Anbieter im Vergleich
CoreWeave geriet zuletzt unter Druck, weil Schulden von über 50 Milliarden Dollar den damaligen Börsenwert von rund 34 Milliarden Dollar überstiegen. Die Anleihen des Unternehmens fielen zeitweise auf 80 Cent je Nominalwert. Als Sicherheitsnetz gilt jedoch die rund zehnprozentige Beteiligung von Nvidia an CoreWeave – ein Szenario einer unkontrollierten Insolvenz gilt als unwahrscheinlich. Dem stehen Auftragsbestände von über 100 Milliarden Dollar gegenüber, die von 25 Milliarden Anfang 2025 auf diesen Wert gestiegen sind.
Entspannter aufgestellt ist Nebius: Das Unternehmen verfügt über rund 8 Milliarden Dollar Cash bei Schulden von etwa 14 Milliarden. Da Kunden 50 bis 60 Prozent der Installationskosten vorab zahlen, ist Nebius bereits auf EBIT-Basis profitabel. Analysten von William Blair Equity prognostizieren einen Umsatzanstieg von rund 1 Milliarde Dollar (2025) auf 71 Milliarden Dollar im Jahr 2030. Bei 5 Gigawatt installierter Rechenleistung und einer angenommenen Marge von 25 Prozent ergibt sich ein rechnerisches Kurspotenzial auf rund 3.000 Dollar je Aktie – gegenüber aktuell rund 170 bis 180 Dollar.
Micron, Lumentum und Netflix: Bewertung und Ausblick
Micron Technology ist laut Analysten bis weit in das Jahr 2028 ausverkauft, die Nachfrage für 2029 und 2030 baut sich bereits auf. Das aktuelle KGV auf Basis der Gewinnprognosen bis August 2027 liegt bei nur rund 5 – bei einem Gewinnwachstum von 133 Prozent. Jefferies hat das Kursziel für Micron auf 300 Dollar angehoben. Risiko bleibt ein möglicher Einbruch der Speicherchip-Preise ab 2030.
Ähnlich positiv ist das Bild bei Lumentum, dem Hersteller optischer Komponenten und Laser für die Datenübertragung. Das Unternehmen ist bis 2029 ausverkauft, Kunden ordern bereits Kapazitäten für 2030. Das Gewinnwachstum im laufenden Geschäftsjahr beträgt 151 Prozent bei einem KGV von 37 – für das Folgejahr sinkt das KGV auf rund 23 bei weiterhin starkem Wachstum.
Netflix hingegen enttäuschte mit einem Umsatzwachstum von nur noch 12 Prozent – dem niedrigsten Wert seit vier Jahren. Die Aktie geriet daraufhin unter Druck. Positiv: Die operative Marge steigt kontinuierlich, und das KGV ist auf das Niveau von 2022 zurückgefallen. Langfristig orientierte Anleger könnten die aktuelle Schwächephase als Einstiegsgelegenheit werten, sofern Netflix sein Abonnentenwachstum stabilisieren kann.
Insgesamt zeigt die aktuelle Berichtssaison: Die KI-Investitionswelle ist keine Blase auf dem Papier mehr, sondern schlägt sich zunehmend in konkreten Umsätzen und Gewinnen nieder. Entscheidend wird sein, ob die Rechenleistungs-Nachfrage das hohe Tempo beibehält – alle verfügbaren Daten deuten darauf hin.
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