Alice Weidel fordert drastische EU-Reform
Alice Weidel präsentierte in Straßburg neue EU-Forderungen: Die AfD will Kompetenzen drastisch kürzen – und droht mit einem möglichen Austritt Deutschlands.
Dieses Video wurde am 22.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
AfD-Chefin Alice Weidel hat bei einer Pressekonferenz in Straßburg weitreichende Forderungen zur Neugestaltung der Europäischen Union gestellt. Gemeinsam mit dem führenden AfD-Europapolitiker René Aust sprach sie sich für eine drastische Beschneidung der EU-Kompetenzen aus – und schloss dabei auch einen deutschen EU-Austritt nicht explizit aus. Die Auftritte sorgten für Aufsehen und polarisierten die politische Debatte in Deutschland.
Weidels Kernforderung: Weniger Macht für die EU-Kommission
Im Zentrum von Weidels Kritik steht die EU-Kommission und deren fehlende demokratische Legitimation. Ihr Hauptargument: Die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen werde nicht direkt vom Volk gewählt – ein Demokratiedefizit, das die AfD seit Langem anprangert.
Weidel und Aust fordern eine Rückkehr zu stärkerer nationalstaatlicher Kontrolle. Die Nationalstaaten müssten in zentralen Fragen – etwa bei der Kontrolle der eigenen Außengrenzen und der Entscheidung darüber, wer ins Land einreisen darf – das letzte Wort behalten.
Besonders brisant: Weidel drohte damit, dass Deutschland aus der EU austreten könnte, sollten diese Forderungen nicht erfüllt werden. Politische Beobachter sehen darin eine bewusste Eskalation des Tons kurz vor anstehenden politischen Weichenstellungen auf europäischer Ebene.
Geteilte Reaktionen: Legitime Kritik, gefährliche Konsequenzen?
Der Punkt der fehlenden Direktwahl der EU-Kommission findet durchaus auch jenseits der AfD Resonanz. Kritiker aus unterschiedlichen politischen Lagern sehen im institutionellen Aufbau der EU tatsächlich strukturelle Schwächen.
Allerdings warnen Experten vor den wirtschaftlichen Konsequenzen eines möglichen EU-Austritts Deutschlands. Das Beispiel Brexit zeigt exemplarisch, welche wirtschaftlichen Verwerfungen ein Austritt aus dem EU-Binnenmarkt mit sich bringen kann:
- Wegfall des freien Warenverkehrs mit den wichtigsten Handelspartnern
- Destabilisierung des gemeinsamen Währungs- und Finanzsystems
- Verlust des politischen Einflusses auf EU-Entscheidungen
- Schwächung des gesamteuropäischen Zusammenhalts
Die EU habe trotz aller Schwächen einen entscheidenden Vorteil gebracht: stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Deutschland als Exportnation. Reformen seien notwendig, müssten aber mit Augenmaß erfolgen.
Montenegro-Beitritt: Merz reist auf den Balkan
Während Weidel in Straßburg über einen möglichen Austritt sprach, war Bundeskanzler Friedrich Merz zeitgleich auf dem Weg nach Montenegro. Der kleine Balkanstaat mit rund 600.000 Einwohnern strebt seit Jahren einen EU-Beitritt an – als mögliches Datum gilt das Jahr 2028.
Die EU hatte Montenegro bereits 2014 aufgefordert, sich zu reformieren. Diese Reformen wurden seitdem umgesetzt, weshalb politisch kaum noch ein formales Hindernis für den Beitritt besteht. Dennoch gibt es Vorbehalte, etwa seitens Kroatiens, das Montenegros Aufnahme skeptisch betrachtet.
Hinzu kommen geopolitische Spannungen: Sowohl China als auch Russland versuchen, ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluss in der Balkanregion auszubauen – besonders in Serbien ist Moskaus Präsenz deutlich spürbar. Der Montenegro-Beitritt gilt deshalb auch als Test für die Handlungsfähigkeit der EU.
Wehrdienst-Fragebogen: Bußgeld bei Nichtbeantwortung
Ein weiteres innenpolitisches Thema des Tages: Wer den staatlichen Wehrdienst-Fragebogen ignoriert, muss künftig mit einem Bußgeld von bis zu 250 Euro rechnen. Der Fragebogen richtet sich vor allem an 18-jährige Männer, die zur Musterung verpflichtet sind. Frauen wurden ebenfalls angeschrieben, jedoch ohne Musterungspflicht.
Die bisherige Rücklaufquote entwickelt sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums positiv. Eine tatsächliche Wiedereinführung der Wehrpflicht scheint nach aktuellem Stand innenpolitisch nicht unmittelbar bevorstehen. Das Bußgeld soll jedoch die Verbindlichkeit des Gesetzes unterstreichen – denn Regelungen ohne Konsequenzen verlieren an Wirkung.
Die Entwicklungen rund um Weidels EU-Vorstoß, die Balkanerweiterung und den Wehrdienst zeigen: Deutschland steht in diesem Herbst vor einer Reihe komplexer innen- wie außenpolitischer Weichenstellungen, die eng miteinander verknüpft sind.
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