Dieses Video wurde am 14.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Sechs Tage vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September spitzt sich das Rennen zu: CDU und Linkspartei liefern sich einen erbitterten Zweikampf um den ersten Platz, während die AfD in den Umfragen stabil auf Rang drei liegt. Die Hauptstadtwahl verspricht eine richtungsweisende Entscheidung — entweder wird Berlin künftig von einem linksgeführten oder einem unionsgeführten Bündnis regiert.
CDU setzt auf Aufbruch am Brandenburger Tor
Die Berliner CDU hat ihren Wahlkampfauftakt bewusst symbolträchtig gesetzt: am Brandenburger Tor, wo Dutzende Mitglieder der Jungen Union den Startschuss für die heiße Phase gaben. Spitzenkandidat Stefan Evers gibt sich optimistisch und sieht seine Partei im Aufwind — trotz der schwierigen Geschichte der Union in der Hauptstadt.
Generalsekretär Laszlo Krieger, 38 Jahre alt, managt den Wahlkampf vor Ort. Er betont die Unterschiede zur Lage in anderen Bundesländern: Berlin sei kein Sachsen-Anhalt, die Verhältnisse seien grundlegend anders. Entscheidend sei, welches politische Lager die künftige Regierung anführe — das der Union oder das der Linkspartei.
Die Botschaft der CDU ist klar: Die AfD habe in Berlin keine Machtoption. Die eigentliche Weichenstellung finde zwischen den beiden führenden Kräften statt.
Linkspartei-Kandidatin Elif Şahin mit sozialpolitischen Versprechen
Die Spitzenkandidatin der Linkspartei, Elif Şahin, eine in München geborene Juristin, setzt auf ein dezidiert soziales Programm. Beim Wahlkampfauftritt in Kreuzberg servierte sie symbolisch Mittagessen und warb für ihr politisches Konzept.
Ihre zentralen Vorhaben umfassen unter anderem:
- Einrichtung von Kiezkantinen in ganz Berlin
- Verstaatlichung privater Wohnungsgesellschaften
- Verdopplung der Zahl der Gemeinschaftsschulen
Auf die Frage, wie all das finanziert werden soll, nennt Şahin eine Kombination aus Umschichtungen im bestehenden Haushalt, zusätzlichen Krediten sowie neuen Steuereinnahmen. Konkret plant die Linkspartei eine Luxusvilla-Steuer, eine Abgabe auf unbebauten Boden sowie die Prüfung einer erhöhten Gewerbesteuer. Kritiker bezweifeln, ob diese Maßnahmen ausreichen, um die milliardenschweren Vorhaben zu finanzieren.
AfD in Charlottenburg: Protest und Gegenprotest
In Charlottenburg erlebte der AfD-Wahlkampf eine turbulente Kundgebung. Die Zahl der Gegendemonstranten übertraf die der Unterstützer deutlich — getrennt durch Polizisten und Absperrgitter kam es zu lautstarken Protesten.
AfD-Vertreter interpretierten die Gegenreaktionen als Beleg dafür, wie schwierig es für ihre Anhänger sei, sich öffentlich zur Partei zu bekennen. Gleichzeitig sahen sie in ihrem Vordringen in bürgerliche Milieus einen Erfolg, den sie weiter ausbauen wollen.
In den Umfragen liegt die AfD stabil auf dem dritten Platz. Auf die Regierungsbildung dürfte sie allerdings keinen direkten Einfluss haben, da die anderen Parteien eine Koalition mit ihr ausschließen.
Ausblick: Richtungswahl für die Hauptstadt
Die Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September gilt als echte Richtungswahl. CDU, Linkspartei, Grüne, SPD und AfD eint das erklärte Ziel, Berlin zu stärken — doch die programmatischen Unterschiede könnten kaum größer sein. Ob die Hauptstadt künftig auf einen bürgerlich-konservativen oder einen sozialpolitisch linken Kurs einschwenkt, entscheiden die Wählerinnen und Wähler in wenigen Tagen. Das Ergebnis wird nicht nur Berlin, sondern die bundespolitische Debatte nachhaltig beeinflussen.
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