Dieses Video wurde am 26.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Beim Bremer Fachkongress Drone Days (26.–28. August 2026) rückt ein drängendes Sicherheitsproblem in den Fokus: Die Drohnenabwehr in Deutschland ist nach Einschätzung von Experten trotz vorhandener Technologie noch weit von einem flächendeckenden Schutz entfernt. Zuletzt hatte ein gescheiterter Drohnenangriff in Leipzig die Öffentlichkeit aufgeschreckt und die Frage laut werden lassen, wie gut Deutschland auf solche Bedrohungen vorbereitet ist. Die ernüchternde Antwort: Das Hauptproblem liegt nicht in fehlender Technologie, sondern in einem komplexen Geflecht aus Zuständigkeiten und bürokratischen Strukturen.
Drohnenabwehr in Deutschland: weitgehend blank
Experte Gido Schmidtke, der die Drone Days in Bremen begleitet, zieht einen deutlichen Vergleich: Ähnlich wie der damalige Heeresinspekteur zu Beginn des Ukrainekrieges das Heer als „blank” bezeichnete, sei Deutschland auch in der Drohnenabwehr weitgehend schutzlos. Lokal existieren zwar einzelne Abwehrmöglichkeiten, doch ein deutschlandweit koordiniertes System fehlt bis heute.
Ein zentrales Strukturproblem: Allein für die Luftsicherheit sind mehrere Dutzend Behörden und Institutionen zuständig. Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Absurdität: Wird eine Drohne über dem Bremer Flughafen gesichtet, ist die Bundespolizei zuständig. Fliegt das Gerät nur wenige hundert Meter weiter, übernimmt die Landespolizei Bremen die Verantwortung. Diese Zersplitterung macht eine schnelle, koordinierte Reaktion nahezu unmöglich.
Komplexes Behördengeflecht als größtes Hindernis
Um eine wirksame Drohnenabwehr zu etablieren, müssten laut Schmidtke zahlreiche Akteure an einen Tisch gebracht werden. Dazu zählen:
- Bundesinnenminister und die Länderinnenminister
- Bundespolizei und Bundeswehr
- Länderpolizeien der 16 Bundesländer
- Die Deutsche Flugsicherung (DFS)
- Die Drohnen- und Sicherheitsindustrie
Diese Vielzahl an Beteiligten sorgt dafür, dass Deutschland „im Schneckentempo” vorankommt, wie Schmidtke es formuliert. Die politische und institutionelle Koordination gilt derzeit als das größte Nadelöhr auf dem Weg zu einem belastbaren nationalen Abwehrsystem.
Drei technische Säulen der modernen Drohnenabwehr
Technologisch ist die Lösung greifbar. Experten unterscheiden drei zentrale Bereiche, die für eine effektive Drohnenabwehr ineinandergreifen müssen:
Detektion: Zunächst müssen unkooperative oder gefährliche Drohnen zuverlässig aufgeklärt und erkannt werden. Sensornetzwerke spielen hierbei eine entscheidende Rolle.
Verfolgung und Vernetzung: Erkannte Drohnen müssen lückenlos verfolgt und alle Daten in ein übergeordnetes Netzwerk eingespeist werden. Dieses Netzwerk ist auf Künstliche Intelligenz (KI) angewiesen, um die anfallenden Informationen in Echtzeit zu verarbeiten.
Effektoren: Schließlich braucht es sogenannte Effektoren – Systeme, die eine feindliche Drohne tatsächlich abfangen können. Über bewohntem Gebiet scheiden kinetische Waffen aus Sicherheitsgründen aus. Hier kommen stattdessen Netzabfangdrohnen oder andere nicht-destruktive Systeme zum Einsatz.
KI und der Mensch als letzte Entscheidungsinstanz
Langfristig führt kein Weg an hochautomatisierten Systemen vorbei. Das Zukunftsszenario sieht vor, dass KI-gestützte Abfangsysteme autonom eine Bedrohungsdrohne identifizieren und den Abschuss vorbereiten – der entscheidende Befehl aber stets von einem Menschen erteilt wird. Dieses Prinzip wird in der Fachsprache als „Man in the Loop” bezeichnet: Ein menschlicher Operator behält die finale Kontrolle und gibt auf Basis der KI-Analyse den Abfangbefehl.
Die Drone Days in Bremen zeigen damit zweierlei: Die technologischen Antworten auf die Drohnenbedrohung sind vorhanden und werden aktiv weiterentwickelt. Doch solange die politische und administrative Koordination in Deutschland nicht gelingt, bleibt der flächendeckende Schutz eine ferne Perspektive. Der nächste konkrete Schritt muss auf der Ebene der Politik stattfinden – nicht im Labor.
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