Luxusaktien 2026: Trendwende bei LVMH & Co.?

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Dieses Video wurde am 22.04.2026 von WirtschaftsWoche auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Der Luxusmarkt sollte 2026 sein großes Comeback feiern – nach zwei bis drei schwierigen Jahren voller Rückgänge in China, Zollschocks und gestiegenem Goldpreis. Doch die ersten Quartalszahlen von LVMH, Hermès und Richemont zeigen ein gemischtes Bild: Organisches Wachstum in den USA, Stagnation in Europa, und der strategische Katalysator für dauerhaft steigende Kurse fehlt bei allen drei großen Luxuskonzernen. Ob sich der Einstieg dennoch lohnt und welche Alternativen interessant sind, zeigt ein genauer Blick auf die Zahlen und die Branchenlage.

Hermès: Wachstum trotz Währungsgegenwind

Hermès gilt seit Jahren als widerstandsfähigstes Unternehmen im Luxussegment – eine Single Brand ohne Konglomeratstruktur, die durch konsequente Verknappung ihrer Produkte die Begehrlichkeit hochhält. Im ersten Quartal meldete das Unternehmen einen Umsatzrückgang von 1 % – allerdings ausschließlich durch Währungseffekte. Organisch, also bereinigt um Wechselkursveränderungen, wuchs Hermès um starke 6 %.

Besonders die Kernsparte Lederware entwickelte sich mit einem Plus von 10 % erfreulich. In den USA lag das organische Wachstum sogar bei 17 %. Selbst in der Region Asien-Pazifik exklusive Japan – im Wesentlichen China – war ein leichtes Plus von 2,2 % zu verzeichnen.

Das Risiko bei Hermès liegt in seiner eigenen Stärke: Die Marke hat die Grenzen des skalierbaren Wachstums fast erreicht. Weitere Preissteigerungen ohne Qualitätsverlust und ohne die berühmte Desirability zu beschädigen, werden immer schwieriger. Die Aktie liegt rund 40 % unter ihrem Allzeithoch, wird aber nach wie vor mit dem rund 40-fachen Jahresgewinn bewertet – und bleibt damit im Wesentlichen eine Aktie für überzeugte Fans mit langem Anlagehorizont.

LVMH: Strategische Nebelwand und schwache Kernsparte

Beim weltgrößten Luxuskonzern LVMH fällt das Urteil differenzierter aus. Das organische Wachstum lag im ersten Quartal bei lediglich 1 %; unter Einbeziehung von Währungsverlusten entstand ein Umsatzrückgang. Die wichtigste Sparte Fashion & Leather Goods – rund 50 % des Umsatzes, darunter Louis Vuitton und Dior – verzeichnete Rückgänge, insbesondere in Europa und Japan. Einzig USA und Asien entwickelten sich organisch positiv.

Als Hoffnungsschimmer gilt die lange defizitäre Sparte Wines & Spirits, die erstmals wieder organische Zuwächse vermeldet. Dennoch fehlt dem Konzern laut Marktbeobachtern der klare strategische Impuls:

  • Kein bedeutendes neues Marken-Dealmaking in jüngster Zeit
  • Fehlende Expansion in das wachsende Segment der Luxuserlebnisse
  • Zunehmende Preissensibilität bei zugekauften Marken wie Rimowa oder Tiffany
  • Gewinn 2024 mit 10,8 Mrd. Euro rund 30 % unter dem Rekord von 2023

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist mittlerweile auf rund das 20-Fache gesunken – ein Zeichen, dass der Markt die Wachstumsprämie teilweise abgebaut hat. Langfristig bleibt LVMH ein starkes Unternehmen, kurzfristig fehlt der Treiber für neue Höchstkurse.

Richemont: Schmuck schlägt Uhren

Richemont, Mutterkonzern von Cartier, IWC und A. Lange & Söhne, präsentiert sich derzeit als stärkste der drei großen Luxusaktien gemessen am Einjahresvergleich. Das Geschäftsjahr endet am 31. März, die endgültigen Jahreszahlen werden erst am 22. Mai veröffentlicht.

Aus den bisher vorliegenden Neunmonatsdaten geht hervor, dass Schmuck deutlich besser läuft als das Uhrengeschäft – Uhren machen lediglich rund 14 % des Umsatzes aus. Cartier profitiert dabei stark von einer Rückbesinnung auf Klassiker. Kleinere Marken im Portfolio werden hingegen teils abgestoßen, etwa Baume & Mercier. Die Bewertung liegt aktuell beim rund 24-fachen Jahresgewinn – teurer als LVMH, was angesichts der relativen Stärke aber nachvollziehbar ist.

Als Risikofaktor gilt der Nahe Osten: Dubai und die Golfregion gehören zu den wichtigsten Absatzmärkten für Luxusgüter – sowohl für wohlhabende Einheimische als auch für kauffreudige Touristen. Geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus könnten den Kauffluss empfindlich stören.

Turnaround-Kandidaten: Prada und das Akronym BIFS

Spekulatives Potenzial sehen Analysten eher bei Turnaround-Situationen. Prada etwa wächst mit seiner Zweitmarke Miu Miu weiterhin stark – zuletzt um 35 % –, während die Kernmarke Prada stagniert. Die Aktie hat sich seit dem Hoch Anfang 2025 in Euro halbiert, unter anderem weil die Übernahme von Versace für 1,25 Mrd. Euro vom Markt skeptisch bewertet wird. Gelingt die Wiederbelebung der Marke, erscheint das aktuelle KGV von rund 12 deutlich zu niedrig.

Am Rande der Luxusdebatte taucht ein neues Akronym auf: BIFS – für Großbritannien, Italien und Frankreich. Ähnlich wie einst die PIGS bezeichnen die BIFS jene großen europäischen Volkswirtschaften, deren Kreditkosten seit Ausbruch der Spannungen am Golf am stärksten gestiegen sind. Hohe Staatsdefizite, steigende Energiepreise und politische Unsicherheiten – besonders in Frankreich vor den Präsidentschaftswahlen 2027 – belasten die Anleihemärkte dieser Länder spürbar. Für Aktienanleger ist der Befund weniger eindeutig: Der italienische MIB-Index etwa legte in den vergangenen fünf Jahren rund 140 % zu, getrieben von Banken und Versicherungen.

Insgesamt gilt für Luxusaktien wie für die BIFS-Diskussion: Akronyme und kurzfristige Narrative sollten Anleger nicht zu übereilten Entscheidungen verleiten. Wer in LVMH, Hermès oder Richemont investiert, braucht einen langen Atem – und eine klare Überzeugung in die Stärke der jeweiligen Marken. Der strukturelle Gegenwind durch Kaufzurückhaltung in China, geopolitische Risiken und steigende Materialkosten dürfte noch einige Quartale anhalten.

Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler enthalten.

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