Dieses Video wurde am 10.04.2026 von WirtschaftsWoche auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Landwirtschaftliche Rentenbank ist so etwas wie die KfW für Bauern: eine staatlich geförderte Förderbank, die Darlehen für die Agrarwirtschaft und den ländlichen Raum refinanziert. An ihrer Spitze steht seit einigen Jahren Nikola Steinbock – eine Frau, die selbst auf dem Land aufgewachsen ist, keine akademische Laufbahn hinter sich hat und dennoch eine der einflussreichsten Positionen im deutschen Finanzsektor bekleidet. Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche gibt sie Einblick in ihren Werdegang, die Lage der Landwirtschaft und die Herausforderungen ihrer Institution.
Vom Abendstudium zur Bankchefin: ein ungewöhnlicher Karriereweg
Steinbock beschreibt ihren Weg in die Führungsetage als alles andere als vorgezeichnet. Nach dem Abitur zog sie mit 18 Jahren von zu Hause aus, absolvierte eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin an der Benedikt School of Languages in Darmstadt – finanziert durch Eigenleistung in der Abendschicht beim Unternehmen Wella. „Alle sind ins Schwimmbad gegangen – und ich in die Abendschicht”, erinnert sie sich. Beide Ausbildungen schloss sie als Jahrgangsbeste ab.
Den entscheidenden Impuls für ihre Bankkarriere gab ihr eine Vorgesetzte bei der Bank of Tokyo in Frankfurt. Jutta Brillmeier erkannte Steinbocks Potenzial und ermutigte sie, mehr aus sich zu machen als eine Chefsekretärin. Es folgte ein Abendstudium zur Außenhandelskauffrau an der IHK-Akademie für Welthandel – ebenfalls mit Bestnote. Steinbock betont, wie wichtig solche Impulse von außen sind: „In jeder Lebenssituation braucht man jemanden, der einen ermutigt und begleitet.”
Prägend war außerdem ihre Großmutter, Jahrgang 1919, die ihr früh den Rat mitgab: Finanzielle Unabhängigkeit ist das Fundament eines selbstbestimmten Lebens. Diesen Grundsatz gibt Steinbock heute aktiv an junge Frauen in ihrem Unternehmen weiter.
Soziale Mobilität: Deutschland verschenkt Talente
Steinbock thematisiert offen, dass Menschen mit ihrem Werdegang in deutschen Chefetagen eine Seltenheit sind. Die meisten Führungskräfte kämen aus akademischen Elternhäusern, in denen die Studienlaufbahn als selbstverständlich galt. „Wenn das von zu Hause klar vorgegeben ist, sind das völlig andere Startbedingungen”, sagt sie.
- Kinder aus Nicht-Akademiker-Haushalten fehlt oft das berufliche Orientierungsumfeld.
- Praktika und Netzwerke sind für finanziell abhängige Studierende schwerer zugänglich.
- Deutschland war bei sozialer Mobilität schon einmal weiter – die Reformuniversitäten der 1970er-Jahre haben jedoch nicht nachhaltig gewirkt.
- Der demografische Wandel macht das Thema dringlicher: Die Boomer-Generation geht in Rente und hinterlässt große Lücken.
Steinbock warnt davor, dass die Debatte über soziale Mobilität angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise erneut in den Hintergrund gerät. Dabei sei gerade jetzt der Moment, möglichst viele Talente unabhängig von ihrer Herkunft in qualifizierte Positionen zu bringen.
Landwirtschaft in der Krise: Planungssicherheit fehlt
Als Chefin der Rentenbank beobachtet Steinbock die Lage der deutschen Landwirtschaft mit großer Sorge. Das bankeigene Agrarbarometer zeigt eine mehr als durchwachsene Stimmung – weniger wegen aktueller Erzeugerpreise als wegen mangelnder Zukunftsperspektiven.
Zentrale Kritikpunkte der Landwirte sind:
- Fehlende Planungssicherheit bei Investitionen, etwa in den Stallumbau für höhere Tierwohlklassen.
- Wachsende bürokratische Anforderungen bei Dokumentation und Genehmigungsverfahren.
- Steigende gesellschaftliche Erwartungen an Nachhaltigkeit, Natur- und Tierschutz ohne entsprechende finanzielle Unterstützung.
- Zunehmende Wetterextreme durch den Klimawandel – Dürren, Starkregen, Schädlingsbefall.
- Hoher Preisdruck durch die Marktmacht des deutschen Lebensmitteleinzelhandels.
Die Rückerstattung des Agrardiesels seit Anfang 2025, die die Branche jährlich um rund 430 Millionen Euro entlastet, sei zwar ein richtiger Schritt, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte – aber das Fass ist noch nicht leer”, sagt Steinbock.
Rentenbank unter Druck: Fördervolumen und Bundesrechnungshof
Das Fördervolumen der Rentenbank sank zwischen 2015 und 2024 von 7,8 auf 3,6 Milliarden Euro – ein Einbruch, den Steinbock nicht mit der schrumpfenden Zahl landwirtschaftlicher Betriebe erklärt (von 280.000 im Jahr 2015 auf 255.000 im Jahr 2024), sondern mit der inversen Zinsstruktur: Der kurzfristige Referenzzinssatz lag zeitweise über dem langfristigen Niveau, was beihilfefreie Konditionen im Bereich erneuerbarer Energien unattraktiv machte. 2025 stieg das Fördervolumen laut Steinbock bereits wieder auf 6,6 Milliarden Euro.
Kritik des Bundesrechnungshofs an Kommunalkrediten in Höhe von rund einer Milliarde Euro, die unter anderem an Großstädte wie München, Köln und Düsseldorf geflossen sind, weist Steinbock zurück: Diese Kredite zu Wettbewerbskonditionen dienten der Finanzierung des eigenen Bankbetriebs und seien seit jeher Teil des Geschäftsmodells. Da bislang nur eine vorläufige Prüfungsmitteilung vorliege, äußere sie sich öffentlich nicht weiter dazu.
Steinbock ist überzeugt, dass verlässliche Rahmenbedingungen und eine gesellschaftliche Wertschätzung für heimische Lebensmittelproduktion entscheidend sind, um die Zukunftsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft zu sichern. „Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen Lust haben, in diesem Land hochwertige Lebensmittel zu produzieren” – ein Appell, der an Politik, Handel und Verbraucher gleichermaßen gerichtet ist.
Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler enthalten.

