Dieses Video wurde am 27.08.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Finanzmärkte haben aufgeatmet: Nvidia hat mit seinen Quartalszahlen für das abgelaufene Geschäftsquartal die Erwartungen der Wall Street deutlich übertroffen und damit erneut unter Beweis gestellt, dass der KI-Boom ungebrochen anhält. Der Umsatz verdoppelte sich auf 96 Milliarden US-Dollar, der Gewinn stieg um über 120 Prozent auf 60 Milliarden Dollar. Gleichzeitig kursieren Berichte über eine mögliche Übernahme der KI-Plattform Hugging Face – ein Schritt, der das Gewicht des Chipgiganten im KI-Ökosystem weiter verstärken würde.
Nvidia-Quartalszahlen übertreffen alle Erwartungen
Besonders beeindruckend fiel der Ausblick auf das laufende Quartal aus: Nvidia selbst rechnet mit einem Umsatz von 108 Milliarden US-Dollar, während Analysten im Durchschnitt lediglich 104 Milliarden prognostiziert hatten. Finanzchefin Colette Cress erwartet für das nächste Geschäftsjahr sogar ein Umsatzwachstum von 70 Prozent – Analysten gehen bisher von rund 44 Prozent aus.
Die Reaktion an den Märkten war zunächst verhalten: Direkt nach Veröffentlichung der Zahlen gab die Aktie rund 1,5 Prozent nach. Im weiteren Handelsverlauf drehte sie jedoch deutlich ins Plus und legte kurz nach Eröffnung der US-Börsen mehr als 6 Prozent zu. Auch andere Halbleiterwerte profitierten: Infineon und STMicroelectronics stiegen jeweils rund 5 Prozent, Marvell Technology legte über 3 Prozent zu.
Lieferengpässe und Konkurrenz als größte Risiken
Trotz der starken Zahlen bleibt Nvidia mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert. Das größte Problem ist derzeit nicht die Nachfrage, sondern das Angebot: Die Lieferketten kommen nicht mit dem Wachstumstempo mit. Zulieferer wie TSMC und Speicherchiphersteller können die enorme Nachfrage kaum bedienen.
Hinzu kommen die US-Exportbeschränkungen für Rechenzentrum-Chips nach China, die seit 2022 gelten und seither mehrfach verschärft wurden. Nvidia hat diesen Ausfall bereits in seinem Quartalausblick eingepreist. Gleichzeitig investieren große Technologiekonzerne wie Microsoft und Meta zunehmend in eigene, maßgeschneiderte KI-Chips – was den adressierbaren Markt für Nvidia langfristig verkleinern könnte.
- Umsatz im abgelaufenen Quartal: 96 Milliarden US-Dollar (mehr als verdoppelt)
- Gewinnwachstum: über 120 Prozent auf 60 Milliarden Dollar
- Umsatzprognose laufendes Quartal: 108 Milliarden Dollar
- Erwartetes Umsatzwachstum nächstes Geschäftsjahr laut Nvidia: 70 Prozent
- Geplante Investitionsausgaben bis Jahresende: rund 18 Milliarden Dollar
Mögliche Übernahme von Hugging Face
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte ein Bericht des Business Insider, wonach Nvidia Gespräche über eine mögliche Übernahme der KI-Plattform Hugging Face führt. Das Unternehmen stellt offene KI-Modelle und eine breite Entwicklerplattform bereit und gilt als wichtiger Knotenpunkt im KI-Ökosystem. Nvidia ist bereits als Investor bei Hugging Face engagiert – eine Komplettübernahme würde eine neue Qualität bedeuten.
Nvidia hat sich zu den Berichten bislang nicht offiziell geäußert. Für den Chipkonzern würde ein solcher Schritt jedoch zur bisherigen Strategie passen: Das Unternehmen investiert konsequent entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette – von Zulieferern über Rechenzentren bis hin zu Softwareplattformen. Mit angekündigten Ausgaben von rund 18 Milliarden Dollar bis zum Jahresende hätte Nvidia auch die finanziellen Mittel dazu. Ob Hugging Face unter einem Konzernmutterhaus dieselbe Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit bewahren könnte, bleibt allerdings offen.
KI-Blase oder nachhaltiges Wachstum?
Die starken Nvidia-Quartalszahlen haben die Debatte über eine mögliche KI-Blase vorerst beruhigt, aber nicht beendet. Unsicherheiten bleiben: Noch ist unklar, ob Nutzer und Unternehmen langfristig bereit sind, für KI-Anwendungen substanziell zu zahlen, und wie tragfähig die Geschäftsmodelle der Rechenzentren-Betreiber wirklich sind. Nvidia hat versucht, diese Bedenken mit verbindlichen Lieferverträgen über mehrere hundert Milliarden Dollar zu zerstreuen – vollständig ausgeräumt sind sie damit nicht.
Die nächsten Wochen dürften weitere Hinweise auf die Richtung geben: Das Notenbankerforum in Jackson Hole und die Rede des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh werden von Märkten und Analysten mit besonderer Spannung erwartet. Die nächste große Berichtssaison startet erst im Oktober.
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