Dieses Video wurde am 02.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Innerhalb weniger Tage häufen sich in Deutschland mutmaßliche Angriffe auf kritische Energieinfrastruktur. Betroffen sind ein Umspannwerk im nordrhein-westfälischen Bergheim nahe Köln sowie das Umspannwerk Jänschwalde im Süden Brandenburgs. Die Ermittlungsbehörden schließen technische Defekte aus und gehen von vorsätzlichen Sabotageakten aus – mit dem erklärten Ziel, einen großflächigen Blackout auszulösen.
Selbstgebaute Raketen auf Hochspannungsleitungen
Besonders gravierend ist der Vorfall in Brandenburg: Gegen 7 Uhr morgens meldeten Zeugen einen hellen Blitz in der Nähe des Umspannwerks Jänschwalde. Wie Ermittler später feststellten, wurden dort zwei Abschussvorrichtungen eingesetzt – umgangssprachlich als selbstgebaute Raketen bezeichnet.
An diesen Flugkörpern waren leitfähige Kupferdrähte befestigt, die gezielt in Hochspannungsleitungen geschossen wurden, um Kurzschlüsse zu erzeugen. Das Vorhaben gelang zumindest teilweise: Es kam zu einem Kurzschluss, einem sichtbaren Lichtbogen und einem kurzen Spannungsabfall im benachbarten Kohlekraftwerk Jänschwalde, bei dem ein Block kurzzeitig ausfiel.
Noch beunruhigender: Die Polizei sicherte am Tatort eine zweistellige Anzahl nicht ausgelöster Vorrichtungen. Das Gelände ist weiträumig abgesperrt, da die Ermittler von weiteren versteckten Vorrichtungen ausgehen.
Sabotage in Nordrhein-Westfalen: Ermittlungen laufen
Parallel dazu untersucht die Polizei Essen einen Störfall am Umspannwerk Bergheim bei Köln. Gegen 20 Uhr kam es dort zu einem Kurzschluss, bei dem mehrere Leitungen ausfielen. Ein technischer Defekt gilt nach aktuellem Ermittlungsstand als ausgeschlossen, die Polizei geht von einer vorsätzlichen Tat aus.
Ursache und Hintergründe sind noch nicht vollständig geklärt. Das betroffene Gelände wird weiterhin intensiv durchsucht. Die Ermittler stehen vor der Herausforderung, ein weitläufiges Areal systematisch zu sichern, in dem es viele Möglichkeiten gibt, Sabotagevorrichtungen unauffällig zu platzieren.
Ziel: Großflächiger Stromausfall
Nach Einschätzung von Experten war der Kurzschluss in beiden Fällen kein Selbstzweck, sondern nur ein Mittel zum eigentlichen Ziel: das jeweilige Umspannwerk vollständig außer Kraft zu setzen, um in der Folge auch die angeschlossenen Kraftwerke zu stören und einen großflächigen Blackout zu provozieren.
Im Fall Jänschwalde begünstigte die Wetterlage am Tattag eine schnelle Kompensation des Stromausfalls:
- Hohe Sonneneinstrahlung und starker Wind sicherten einen stabilen erneuerbaren Energiemix.
- Das benachbarte Kraftwerk konnte den Spannungsabfall rasch ausgleichen.
- Nicht ausgelöste Vorrichtungen deuten auf einen größer angelegten Plan hin.
- An Tagen mit wenig Wind und Sonne wären die Folgen deutlich gravierender gewesen.
Staatliche Akteure oder Extremisten? Ermittler offen
Das Landeskriminalamt Brandenburg hat die Ermittlungen im Fall Jänschwalde übernommen. Noch hat sich keine Behörde auf einen Verantwortlichen festgelegt. Als mögliche Täter gelten sowohl staatlich gelenkte Akteure – etwa im Kontext russischer Sabotageoperationen in Europa – als auch extremistische Gruppen aus dem Inland.
Die Häufung der Vorfälle innerhalb weniger Tage lässt die Sicherheitsbehörden aufhorchen. Experten mahnen seit Längerem, dass die deutsche Energieinfrastruktur verwundbar ist. Die aktuellen Angriffe dürften die politische Debatte über den Schutz kritischer Infrastruktur neu entfachen – und könnten Konsequenzen für die Sicherheitsarchitektur rund um Kraftwerke und Umspannwerke haben.
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