Dieses Video wurde am 24.08.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Sommerinterviews bei ARD und ZDF mit den AfD-Kovorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla haben eine heftige Debatte über Qualität und Neutralität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ausgelöst. Der langjährige ZDF-Moderator Peter Hahne rechnet schonungslos mit seinen Nachfolgern ab: Die Interviews seien kein Journalismus gewesen, sondern ein durchsichtiger Versuch politischer Einflussnahme – und dieser sei gründlich gescheitert.
Moderatoren als Dauerredner statt als Fragesteller
Ein zentraler Vorwurf Hahnes lautet, dass die Moderatoren in beiden Interviews einen Redeanteil von gefühlt mindestens 80 Prozent beanspruchten. Statt Fragen zu stellen und zuzuhören, hätten sie eigene Thesen präsentiert und den Gästen fortlaufend das Wort abgeschnitten.
Hahne verweist auf das Selbstverständnis eines Interviewers: „Als Moderator ist man Dienstleister – man fragt das, was die Zuschauer interessiert.” Dieses Grundprinzip sei bei beiden Sendern vollständig ignoriert worden. Besonders deutlich wurde dies im ZDF-Interview, in dem Wolf Schmiese Alice Weidel wiederholt unterbrach, bevor sie Antworten vollständig formulieren konnte.
Die Zuschauer quittierten das Vorgehen im Netz mit scharfer Kritik: In den YouTube-Kommentaren zum ZDF-Interview fragten Nutzer unter anderem, warum der Moderator so sichtlich angespannt wirke – eine Beobachtung, die Hahne teilt.
Falsche Fakten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
Besonders schwer wiegt der Vorwurf der inhaltlichen Unrichtigkeit. ZDF-Moderator Schmiese behauptete im Interview mit Weidel, das in Wien aufgezeichnet wurde, jedes zweite Auto in Wien sei ein Elektroauto. Die tatsächliche Quote liegt laut Recherchen bei rund 6,9 Prozent des Gesamtbestands; bei den Neuzulassungen sind es etwa 22 Prozent – weit entfernt von der Aussage des Moderators.
Für Hahne ist das ein Beleg für das, was er „Flachzangen-Journalismus” nennt – ein Begriff, den Alice Weidel selbst im Interview für Politiker verwendete und der seitdem viral geht. Hahne ergänzt: „Das waren keine Fragen mehr, das waren Thesen. Und wer Thesen setzt statt zu fragen, betreibt Propaganda, keine Berichterstattung.”
Auch die Aussage Schmieses zu 12.000 Hitzetoten bezeichnet Hahne als nicht belegte Behauptung, die unkommentiert als Faktum präsentiert worden sei.
Ungleiche Faktenchecks: Zahlen belegen Schlagseite
Ein weiterer Streitpunkt ist die Anzahl der Redakteure, die ARD und ZDF für den Echtzeit-Faktencheck der Politiker einsetzen. Die Zahlen im Vergleich:
- Tino Chrupalla (AfD): 15 Faktenchecker
- Markus Söder (CSU): 13
- Lars Klingbeil (SPD): 9
- Franziska Brantner (Grüne): 8
- Ines Schwerdtner (Linke): 7
Hahne sieht darin eine klare ideologische Schlagseite: Je weiter links ein Gast politisch verortet werde, desto weniger Aufwand betreibe man beim Faktencheck. Gleichzeitig kritisiert er, dass niemand die Aussagen der Moderatoren selbst auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfe – obwohl gerade dort nachweislich falsche Informationen verbreitet worden seien.
Gäste punkten durch Ruhe und Vorbereitung
Während die Moderatoren im Kreuzfeuer der Kritik stehen, erhalten Weidel und Chrupalla von Hahne ausdrücklich Lob. Beide seien gut vorbereitet und ruhig geblieben, hätten Provokationen ausgesessen und mit sachlichen Antworten reagiert.
Weidel gelang es nach Hahnes Einschätzung sogar, die Deutungshoheit im Interview zu behaupten: Begriffe wie „Flachzange” und die Aussage, die CDU werde „nie wieder eine Wahl gewinnen”, setzten sich in der öffentlichen Diskussion fest. Chrupalla, von Beruf Malermeister, überzeugte mit praxisnahen Antworten zum Thema Hitzeschutz am Arbeitsplatz – und ließ den Versuch, ihn auf Klimawandel-Aussagen festzunageln, ins Leere laufen.
Hahne zieht ein vernichtendes Fazit: Was ARD und ZDF mit diesen Sommerinterviews bezweckt hätten – nämlich die AfD-Vorsitzenden politisch zu beschädigen –, habe das Gegenteil bewirkt. Die Debatte um die Rundfunkgebühren in Höhe von 18,36 Euro monatlich dürfte durch die Vorfälle neuen Auftrieb erhalten. Ob die Senderspitzen die Kritik intern aufgreifen werden, bleibt abzuwarten.
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