Dieses Video wurde am 06.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Sven Schulze steht vor einer der schwersten Aufgaben in der Geschichte der CDU Sachsen-Anhalt: Der 47-jährige Ministerpräsident und Spitzenkandidat seiner Partei kämpft wenige Wochen vor der Landtagswahl darum, zu verhindern, dass die AfD erstmals in der deutschen Geschichte Regierungsverantwortung übernimmt. In den Umfragen liegt die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Sigmund seit Monaten vorne – und der Rückstand wirkt kaum aufholbar. Schulze setzt auf Bodenständigkeit, seinen Amtsbonus und den direkten Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern.
Straßenwahlkampf in Magdeburg: Schulze sucht das Gespräch
Vier Wochen vor der Wahl steht ein CDU-Infostand vor einem Supermarkt in Magdeburg. Schulze ist es, der auf die Menschen zugeht – nicht umgekehrt. Er läuft zur nahegelegenen Bushaltestelle, sucht aktiv das Gespräch mit Passanten und versucht, Unentschlossene zu überzeugen.
Das Interesse an ihm ist an diesem Samstagvormittag überschaubar. Ein Bürger beschreibt seine Skepsis offen: Man wisse nicht recht, wen man wählen solle, zu viele Versprechen seien in der Vergangenheit gemacht und wieder zurückgenommen worden. „Man kann gut mit ihm reden, aber ich bin noch nicht ganz überzeugt”, sagt er.
Schulze selbst gibt sich unbeeindruckt. Er betont, er werde sich nicht verbiegen: „Ich bin derjenige, der Rückgrat hat – der klar seine Meinung behält, auch wenn Gegenwind aus Berlin oder Brüssel kommt.” Leere Versprechen nach dem Vorbild seines AfD-Konkurrenten Sigmund lehnt er explizit ab.
Pech im Wahlkampf: Die Feuerwehr ist im Einsatz
Der nächste Termin führt Schulze nach Tangerhütte – zum geplanten Treffen mit der freiwilligen Feuerwehr. Doch ausgerechnet zum Besuch des Ministerpräsidenten ist die Wache ausgerückt. Schulze steht schließlich in einer fast leeren Feuerwache.
Er nimmt es gelassen: „Heute klappt’s nicht. Die Kollegen sind im Einsatz, aber es wird ein anderes Mal möglich sein.” Weiter geht es in ein nahegelegenes Schlosscafé, wo Schulze lieber Cola trinkt als Kaffee und sich erneut selbst zu Bürgertischen setzt.
Unterstützung bekommt er dort von Bürgerinnen und Bürgern, die ihn schätzen:
- Er kenne seine Zahlen und wisse, wie Probleme im Land gelöst werden.
- Sein Umgang mit Menschen sei realistisch und bodenständig.
- Manche sprechen schon von ihm als künftigem „Landesvater“.
Diesen Titel verbinden viele in Sachsen-Anhalt aber noch immer eher mit seinem Vorgänger Reiner Haseloff, der das Land 15 Jahre lang regierte. Haseloff trat erst Ende Januar zurück – und ließ Schulze damit kaum Zeit, sich als Ministerpräsident zu profilieren.
Gegenwind aus Berlin und ein Spendenskandal in Stendal
Zwei Wochen vor der Wahl kommt Schulze zum CDU-Sommerfest in Stendal – und muss ausgerechnet dort unangenehme Fragen beantworten. Ein Parteimitglied hatte 10.000 Euro an die AfD gespendet und für Aufsehen gesorgt. Schulze, der Sachpolitik machen und Skandale meiden will, bleibt stoisch: „Ich kümmere mich ums Land und nicht um irgendwelche privaten Probleme.”
Rückhalt bekommt er an diesem Abend von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), der als willkommener Gast gilt. Dobrindt punktet mit seinem harten Migrationskurs – einem Thema, das sonst vor allem die AfD besetzt.
Mit der Berliner Bundespolitik geht Schulze ansonsten auf Distanz. So positioniert er sich offen gegen das geplante Aus der sogenannten Rente mit 63 und damit gegen einen zentralen Reformvorschlag der Koalition.
Ausblick: Komplizierte Regierungsbildung droht
Schulze selbst scheint sich von der Hoffnung, die Wahl noch zu gewinnen, zunehmend verabschiedet zu haben. Sollte die AfD keine absolute Mehrheit erzielen, steht ihm eine schwierige Koalitionsbildung bevor. Der Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist damit weit mehr als eine regionale Angelegenheit: Er wird Signalwirkung für die gesamte CDU und die politische Landschaft in Deutschland haben – und darüber entscheiden, ob die AfD erstmals Regierungsverantwortung in einem deutschen Bundesland trägt.
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