Digitale Behördengänge: Das plant Deutschland
Ummeldung vom Sofa, Ausweis per App: Deutschland macht digitale Behördengänge zur Pflicht. Was das Bundeskabinett beschlossen hat und was ab 2028 kommt.
Dieses Video wurde am 06.11.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Gang zum Amt soll in Deutschland bald der Vergangenheit angehören. Mit einem Beschluss des Bundeskabinetts wird die elektronische Wohnsitzanmeldung künftig bundesweit zur Pflicht. Was bislang nur in einzelnen Städten möglich war, soll damit flächendeckend zur Regel werden — und ist erst der Anfang einer umfassenderen Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung.
Ummeldung online: Bundesweite Pflicht kommt
Wer in Deutschland umzieht, ist gesetzlich verpflichtet, sich umzumelden. Bisher war das in vielen Kommunen nur persönlich möglich. Städte wie Hamburg haben jedoch bereits gezeigt, dass es auch anders geht: Wer einen freigeschalteten elektronischen Personalausweis besitzt, kann sich dort bequem von zu Hause aus ummelden — ohne einen Fuß in ein Amt zu setzen.
Mit dem Kabinettsbeschluss wird dieses Modell nun zur landesweiten Vorgabe. Kommunen, die die digitale Ummeldung bisher nicht angeboten haben, müssen nachziehen. Das ist ein bedeutender Schritt hin zu einer modernen, bürgerfreundlichen Verwaltung.
Die Ausweis-Wallet: Digitale Identität auf dem Smartphone
Zum digitalen Behördengang gehört zwingend eine sichere Online-Ausweisfunktion. Hier kommt die sogenannte Ausweis-Wallet ins Spiel — eine digitale Brieftasche auf dem Smartphone, die künftig wichtige Dokumente bündeln soll.
Geplant ist, dass die Wallet folgende Dokumente digital verfügbar macht:
- Personalausweis
- Führerschein
- Zeugnisse und weitere amtliche Nachweise
Mit der Wallet sollen sich Bürgerinnen und Bürger sicher und unkompliziert gegenüber Behörden ausweisen können — vollständig digital und ohne physische Dokumente vorzeigen zu müssen.
Deutschlandapp: Eine App für alle Kommunen
Parallel zur Wallet entwickelt der Bund eine zentrale Anlaufstelle für alle digitalen Verwaltungsleistungen: die sogenannte Deutschlandapp. Sie soll in allen Kommunen verfügbar sein und Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, Termine bei ihrem lokalen Rathaus zu buchen sowie Behördengänge direkt online zu erledigen.
In einer ersten Phase können ausgewählte Nutzerinnen und Nutzer über die App bereits:
- Ihren Wohnsitz anmelden
- Eine Firma anmelden
- Wohngeld beantragen
Ab 2028 soll die App dann bundesweit für alle verfügbar sein. In einem weiteren Ausbauschritt sind auch Pushnachrichten geplant, die Bürgerinnen und Bürger proaktiv informieren — etwa wenn der Personalausweis bald abläuft, verbunden mit einer direkten Möglichkeit, die Verlängerung anzustoßen.
Nachholbedarf: Die Verwaltung muss selbst digitaler werden
So vielversprechend die Pläne klingen — sie stehen und fallen mit der digitalen Infrastruktur der Verwaltung selbst. Denn damit Bürgerinnen und Bürger Behördengänge vollständig online erledigen können, müssen auch die Ämter intern digital arbeiten. Hier besteht in vielen deutschen Kommunen noch erheblicher Nachholbedarf.
Veraltete IT-Systeme, fehlende Schnittstellen und unterschiedliche Standards zwischen Bundesländern erschweren eine einheitliche Umsetzung. Die Digitalisierung der Verwaltung ist damit nicht nur eine Frage der Apps und Wallets, sondern vor allem eine strukturelle Herausforderung für Bund, Länder und Kommunen.
Der Kabinettsbeschluss sendet ein klares Signal: Deutschland will den Rückstand bei der Verwaltungsdigitalisierung aufholen. Ob der ambitionierte Zeitplan bis 2028 eingehalten werden kann, hängt jedoch davon ab, wie konsequent die notwendigen Reformen in der Breite umgesetzt werden.
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