Dieses Video wurde am 04.05.2026 von BR24 auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Minijob ist aus dem deutschen Arbeitsmarkt nicht wegzudenken: Rund 1,5 Millionen Menschen in Bayern allein gehen einer geringfügigen Beschäftigung nach – als einzige Einkommensquelle oder als Zuverdienst neben einer Hauptstelle. Bis zu 603 Euro monatlich können dabei abgabenfrei verdient werden. Das klingt attraktiv, doch Kritiker sehen in dem Modell eine strukturelle Schwachstelle: fehlende Rentenansprüche, kaum berufliche Perspektive und eine ungleiche Verteilung zwischen den Geschlechtern.
Zuverdienst als Notwendigkeit: Wenn ein Job nicht reicht
Adrian Suero arbeitet 42 Stunden pro Woche als Hausmeister bei einem Münchner Sportverein – und kommt trotzdem kaum über die Runden. Die gestiegenen Lebenshaltungskosten machen dem 47-Jährigen zu schaffen: „Was früher 2 Euro gekostet hat, ist jetzt fast das Doppelte – aber unser Gehalt bleibt fast wie vorher.” Mit Frau und zwei Kindern im Teenageralter sucht er dringend einen Minijob als Zuverdienst.
Seit einer Woche ist seine Anzeige online. 66 Personen haben sie gesehen, gemeldet hat sich noch niemand. Sein Fall steht stellvertretend für viele: In Reinigungsberufen gehen bereits rund 19 Prozent der Beschäftigten einer zweiten, geringfügigen Tätigkeit nach. Ähnliches gilt für Pflege-, Sicherheits- und Gastronomiebeschäftigte.
Das Modell Minijob: Wem nützt er wirklich?
Eingeführt mit den Hartz-Reformen, sollte der Minijob ursprünglich Arbeitslosen den Einstieg in eine Vollzeitbeschäftigung erleichtern. Diese Rechnung ist nach Einschätzung von Expertin Heike Stoffels nicht aufgegangen: „Wer 5 oder 10 Jahre im Minijob war, ist daran gewöhnt, netto für brutto bezahlt zu werden – und die Chance auf eine lebensfähige Rente ist dann so gut wie unmöglich.”
Arbeitgeber hingegen schätzen das Instrument vor allem wegen seiner Flexibilität und der fehlenden Sozialabgaben. Gastronomie-Chef Marcel Ilk bringt es auf den Punkt: „Zu einer Aushilfe kann ich sagen, du bist heute nur für zwei Stunden da – und zahle auch nur für zwei Stunden.”
- Keine Lohnsteuer und keine Sozialabgaben für den Arbeitnehmer
- Flexible Einsatzzeiten, auch kurzfristig kündbar
- Kaum Rentenansprüche bei jahrelanger ausschließlicher Minijob-Tätigkeit
- Hohe Attraktivität für Arbeitgeber zur Abdeckung von Stoßzeiten
- Geringe berufliche Aufstiegsperspektive
Frauen tragen das größte Minijob-Risiko
Die Daten zeigen ein deutliches Geschlechtergefälle: 14 Prozent der Frauen in Bayern sind ausschließlich in einem Minijob tätig – bei den Männern sind es acht Prozent. Auch bei der Kombination aus Haupt- und Minijob liegen Frauen mit zwölf Prozent über dem Männeranteil von zehn Prozent.
Melina Meer aus Mittelfranken ist ein Beispiel für dieses Muster. Die ausgebildete Erzieherin arbeitet unter der Woche in Vollzeit und schiebt am Wochenende Kellnerschichten. „So 300 bis 400 Euro extra im Monat – da ist dann auch mal ein Urlaub mehr möglich”, sagt sie. Nach 39 Stunden Erzieherin-Job und 12 weiteren Stunden als Kellnerin pro Woche ist die Doppelbelastung spürbar – ein Muster, das sich für viele Frauen als Dauerzustand etabliert hat.
Reform in der Diskussion: Steht das Modell auf der Kippe?
Auf dem CDU-Parteitag im Februar 2025 forderten Teile der Partei eine grundlegende Reform des Minijob-Modells. Ihr Hauptargument: Der ursprüngliche Zweck – Menschen dauerhaft in reguläre Beschäftigung zu bringen – sei nie erfüllt worden. In Bayern verteilen sich die rund 1,5 Millionen Minijobber auf verschiedene Branchen:
- Rund 200.000 in der Reinigungsbranche
- Je rund 160.000 in Gastronomie und einfachen Bürojobs
- Weitere in Pflege, Sicherheit und Handel
Eine einfache Antwort, ob der Minijob sozial gerecht oder sozial schädlich ist, gibt es nicht. Er schließt reale finanzielle Lücken, wie der Fall von Adrian Suero zeigt. Gleichzeitig verfestigt er prekäre Beschäftigungsverhältnisse und verhindert langfristige soziale Absicherung. Ob eine Reform das Gleichgewicht zwischen Flexibilität und sozialer Sicherheit neu ausrichten kann, bleibt eine der zentralen arbeitsmarktpolitischen Fragen der kommenden Jahre.
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