Dieses Video wurde am 17.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Eklat rund um die Berliner Volksbühne und ihren geplanten „Schwarzbadetag” weitet sich aus. Nach einem massiven Shitstorm wurde die Veranstaltung kurzfristig abgesagt – die Reaktion des Theaters löste jedoch erneute Empörung aus. Kommentator Hans-Ulrich Jörges fordert nun unmissverständlich den sofortigen Rauswurf von Intendant Matthias Lilienthal. Die Affäre steht stellvertretend für eine breitere Debatte über den Zustand der linken Kulturszene in Deutschland.
Der Schwarzbadetag und sein Scheitern
Ursprünglich sollte am Freitagnachmittag ein exklusiver Badetag im provisorischen Schwimmbad vor der Volksbühne stattfinden – zunächst nur für Schwarze, später konkretisiert auf schwarze Kinder und Jugendliche. Die Ankündigung löste einen Sturm der Kritik aus. Für viele Beobachter war der Plan ein klarer Fall von institutionellem Rassismus unter dem Deckmantel der Antirassismus-Arbeit.
Die Veranstaltung wurde abgesagt. Als offizielle Begründung nannte das Theater Sicherheitsbedenken wegen angeblicher Hetze und Gewaltandrohungen von rechter Seite. Eine inhaltliche Selbstkritik an der ursprünglichen Konzeption blieb aus.
Volksbühne hängt vulgäres Transparent auf
Die Reaktion des Theaters auf den Gegenwind sorgte für den nächsten Aufreger. An der Außenverschalung des provisorischen Schwimmbades brachte die Volksbühne ein großes Transparent mit der Aufschrift „Fickt euch” an – gerichtet offenbar an alle Kritiker der Aktion.
Für Jörges ist dies ein Offenbarungseid. Eine öffentlich finanzierte Bühne, die mit ihrem Publikum und der Gesellschaft so kommuniziere, habe den Kontakt zur Realität verloren. Statt Fehler einzugestehen, suche das Theater die Schuld ausschließlich bei politischen Gegnern.
Jörges rechnet mit Intendant Lilienthal ab
Besonders scharf fällt die Kritik an Intendant Matthias Lilienthal aus. Dieser habe bereits zu Beginn seiner Amtszeit rund 300.000 Euro – ursprünglich für eine Theaterinszenierung vorgesehen – in den Bau des provisorischen Bades investiert. Jörges zieht daraus eine klare Konsequenz:
- Lilienthal soll nach der Berliner Senatswahl im September sofort entlassen werden.
- Die Mittelverschwendung öffentlicher Gelder sei nicht tolerierbar.
- Das Theater habe mit seiner Kommunikation jegliche Glaubwürdigkeit verspielt.
- Eine linke Kulturinstitution dürfe nicht über Kritik erhaben sein.
Jörges bezeichnet den Vorgang als beispiellos: Er könne sich nicht erinnern, je erlebt zu haben, dass jemand ernsthaft vorhabe, Rassismus mit Rassismus zu bekämpfen.
Spiegel-Titel und der Kontaktverlust der Medienlinken
Im Anschluss an die Volksbühnen-Debatte zieht Jörges eine übergreifende Verbindung zur deutschen Medienlandschaft. Als Beispiel dient ein aktueller Spiegel-Titel, der den AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, als „gefährlichsten Mann Deutschlands” bezeichnet. Laut Jörges habe die zugehörige Geschichte diesen Anspruch nicht ansatzweise belegt – die Inhalte seien so wenig aufschlussreich gewesen, dass der Titel in politisch informierten Kreisen vor allem Kopfschütteln ausgelöst habe.
Das Resultat sei paradox: In Sachsen-Anhalt habe die AfD-Wählerschaft den Spiegel mit dem Titelfoto von Siegmund ausverkauft, der Kandidat signiere das Heft bei Wahlkampfterminen. Chefredakteur Dirk Kurbjuweit sah sich zu einer öffentlichen Erklärung gezwungen. Für Jörges schließt sich damit ein Kreis: Sowohl die Volksbühne als auch der Spiegel stehen exemplarisch für eine Kultur- und Medienlinke, die den Bezug zur gesellschaftlichen Wirklichkeit verloren habe.
Die Konsequenz, die er daraus zieht, ist dieselbe wie im Fall Lilienthal: Wer den Anspruch habe, gesellschaftlich relevant zu sein, müsse sich auch an den Reaktionen der Gesellschaft messen lassen – und personelle Konsequenzen ziehen, wenn das Vertrauen nachhaltig beschädigt ist.
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