Dieses Video wurde am 15.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Energiepreise erreichen im Herbst 2026 bedrohliche Höchststände: Benzin kostet so viel wie nie zuvor, Diesel nähert sich der Drei-Euro-Marke, und auch Heizöl sowie Gas verteuern sich rasant. Für den kommenden Winter warnen Politiker bereits vor erheblichen finanziellen Belastungen für Millionen Haushalte. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Andreas Audretsch fordert deshalb ein sofortiges Eingreifen der Bundesregierung – mit einer Übergewinnsteuer auf die Rekordgewinne großer Öl- und Gaskonzerne sowie einer deutlichen Senkung der Stromsteuer.
Energiepreise auf Rekordniveau: Die Lage an der Zapfsäule
Die Situation an deutschen Tankstellen spitzt sich dramatisch zu. Diesel droht die Drei-Euro-Marke zu durchbrechen, Benzin nähert sich der 2,50-Euro-Schwelle. Gleichzeitig steigen die Preise für Heizöl und Erdgas, was den kommenden Winter für viele Haushalte zur finanziellen Belastungsprobe werden lässt.
Während Verbraucher tief ins Portemonnaie greifen müssen, verbuchen internationale Energiekonzerne Rekordergebnisse. Shell soll seinen Gewinn laut Audretsch verdoppelt haben, Chevron den Gewinn sogar verfünffacht. Kritiker sehen darin eine direkte Umverteilung von Verbrauchern zu Aktionären großer Konzerne – auf dem Rücken der Bevölkerung.
Übergewinnsteuer statt Tankrabatt
Audretsch lehnt einen erneuten Tankrabatt entschieden ab. Er verweist auf Erfahrungen aus der Vergangenheit: Von den damals aufgewendeten 1,6 Milliarden Euro seien rund 30 Prozent direkt in den Kassen der Ölkonzerne verblieben, statt bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern anzukommen.
Stattdessen plädiert er für zwei zentrale Maßnahmen:
- Einführung einer Übergewinnsteuer, die Krisengewinne der großen Öl- und Gaskonzerne abschöpft
- Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zur direkten Entlastung aller Haushalte
- Sofortige Einberufung der Energiepreis-Taskforce der Bundesregierung
- Konsequenter Ausbau erneuerbarer Energien zur Verringerung fossiler Abhängigkeiten
Das Modell der Übergewinnsteuer sei kein Neuland: Unter Wirtschaftsminister Robert Habeck wurden in der Ampel-Koalition europaweit rund 30 Milliarden Euro über ein vergleichbares Instrument eingenommen – Mittel, die gezielt zur Entlastung der Bevölkerung eingesetzt wurden.
Wie wird ein Übergewinn definiert?
Die entscheidende Frage lautet: Ab wann gilt ein Gewinn als „Übergewinn”? Audretsch erklärt, dass dies über einen sogenannten Proxy – einen Vergleichsmaßstab – ermittelt werden müsse. Dabei werden Gewinne der Vorkrisenzeit mit aktuellen Erträgen verglichen und in Relation zur tatsächlichen Preisentwicklung gesetzt.
Verschiedene wirtschaftswissenschaftliche Institute hätten diesen Ansatz bereits berechnet und kommen zu dem Ergebnis, dass die Konzerne derzeit Milliardengewinne erzielen, die allein auf die Krisensituation zurückzuführen seien – und nicht auf legitime Marktmechanismen wie Angebot und Nachfrage.
Einen festen Prozentsatz als Schwellenwert nennt Audretsch bewusst nicht. Die Formel müsse fallbezogen erarbeitet werden, sei aber technisch und rechtlich machbar – wie das historische Beispiel zeige.
Gasspeicher nur halb gefüllt – Risiko für den Winter
Neben der Preisfrage warnt Audretsch vor einer weiteren Schwachstelle: Die deutschen Gasspeicher seien aktuell nur zu rund 50 Prozent gefüllt. Damit fehle die strategische Reserve, um Preissprünge in der Heizsaison abzupuffern. Er stellt einen deutlichen Kontrast zur früheren Ampel-Koalition her, unter der die Speicher trotz der damals gravierenderen Krise vollständig befüllt worden seien.
Die Verantwortung dafür sieht er bei Wirtschaftsministerin Katharina Reiche, die bislang weder ausreichend für volle Speicher gesorgt noch Entlastungsmaßnahmen für Verbraucher auf den Weg gebracht habe. Sollte der Winter tatsächlich teuer werden, sei das auch politisch zu verantworten.
Langfristig sieht Audretsch den Ausweg in der Energiewende: Wer heute auf ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe umsteige, spare im Vergleich zum fossilen Betrieb bereits 50 bis 70 Prozent der Kosten. Eine niedrigere Stromsteuer würde diesen Übergang zusätzlich beschleunigen – und Deutschland aus der Abhängigkeit von fossilen Importen befreien.
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