Kinder in Kabul: Kampf ums Überleben
In Kabuls Krankenhäusern kämpfen Babys täglich ums Überleben. Mütter schreiben Hilferufe – denn medizinische Versorgung ist für viele Familien unerschwinglich.
Dieses Video wurde am 22.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
In den Krankenhäusern Kabuls spielt sich jeden Tag ein stiller Kampf ums Überleben ab. Kinder in Kabul leiden unter extremer Armut, mangelnder medizinischer Versorgung und den Folgen einer tief verwurzelten humanitären Krise. Mütter wie Salima stehen vor einer Situation, aus der es kaum einen Ausweg zu geben scheint: kein Einkommen, keine ausreichende Ernährung, keine Hoffnung auf staatliche Unterstützung. Die Not ist so groß, dass Frauen ihren Hilferuf auf Zettel schreiben und ihn heimlich Journalistinnen zustecken.
Mütter am Limit: Wenn die eigene Milch nicht reicht
Salima ist eine von vielen Müttern, die in Kabuls überfüllten Gesundheitseinrichtungen auf Hilfe warten. Unterernährung bei Säuglingen ist in Afghanistan keine Seltenheit mehr – sie ist zum Alltag geworden. Salima berichtet, dass ihre eigene Muttermilch nicht ausreichte, um ihr Kind zu ernähren. Ihr Mann ist arbeitslos, die Familie hat kaum Mittel, um grundlegende Bedürfnisse zu decken.
„Niemand kümmert sich um die Probleme der Kinder. Niemand hilft uns”, sagt sie. Diese Worte spiegeln das Gefühl einer ganzen Generation von Müttern wider, die vom System und von der internationalen Gemeinschaft vergessen worden zu sein scheinen.
Die Verzweiflung ist so groß, dass eine Frau während eines Gesprächs mit einer Journalistin einen Brief zusteckte – handgeschrieben, ein direkter Hilferuf. Darin schildert sie, dass sie nicht genug Geld hat, um die medizinische Versorgung ihres kranken Kindes zu bezahlen.
Unhygienische Zustände gefährden Babys zusätzlich
Die Lage in den medizinischen Einrichtungen ist alarmierend. Babys müssen sich Betten teilen – eine Praxis, die das Infektionsrisiko erheblich erhöht. In Räumen, in denen eigentlich einzelne Patienten behandelt werden sollten, liegen mehrere Säuglinge zusammen, während ihre Mütter hilflos danebenstehen.
Hinzu kommt Schädlingsbefall in den Einrichtungen, der die ohnehin kritische Hygienesituation weiter verschlechtert. Für Neugeborene und geschwächte Kleinkinder bedeutet das eine zusätzliche, lebensbedrohliche Gefahr.
- Babys teilen sich Betten – erhöhtes Infektionsrisiko
- Schädlingsbefall in Krankenstationen
- Fehlende Medikamente und medizinisches Personal
- Familien ohne Einkommen können Behandlungen nicht bezahlen
- Staatliche Unterstützung für betroffene Familien fehlt weitgehend
Strukturelle Armut als Ursache der Kindernot
Hinter der medizinischen Misere steckt eine tiefgreifende strukturelle Krise. Seit der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 hat sich die wirtschaftliche Lage in Afghanistan drastisch verschlechtert. Internationale Hilfsgelder wurden eingefroren, ausländische Organisationen haben ihre Aktivitäten stark eingeschränkt oder das Land verlassen.
Besonders betroffen sind Frauen und Kinder: Frauen sind weitgehend vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen, was viele Haushalte in extreme Armut treibt. Ohne Einkommen können Familien weder ausreichend Nahrung noch medizinische Versorgung sicherstellen.
Laut Schätzungen internationaler Hilfsorganisationen sind Millionen Kinder in Afghanistan von akuter Unterernährung bedroht. Die humanitäre Lage gilt als eine der schlimmsten weltweit – doch öffentliche Aufmerksamkeit und internationale Hilfe bleiben begrenzt.
Hilfeschreie verhallen – die Zukunft bleibt ungewiss
Der handgeschriebene Brief, den eine verzweifelte Mutter einer Journalistin zusteckte, steht sinnbildlich für die Situation der Menschen in Kabul: formlose Hilferufe, die an die Welt gerichtet werden, weil alle anderen Wege versperrt scheinen. Institutionen, an die man sich wenden könnte, existieren kaum noch oder sind nicht zugänglich.
Die internationale Gemeinschaft steht vor der Frage, wie humanitäre Hilfe in einem Land geleistet werden kann, dessen Regierung von kaum einem Staat anerkannt wird. Nichtregierungsorganisationen versuchen, die Lücken zu füllen, stoßen dabei aber auf massive bürokratische und politische Hindernisse.
Solange sich an der politischen und wirtschaftlichen Lage in Afghanistan nichts grundlegend ändert, werden Mütter wie Salima weiter auf Hilfe warten – und Babys werden weiterhin um ihr Leben kämpfen müssen. Die humanitäre Krise in Kabul ist kein vorübergehendes Problem, sondern ein Dauerzustand, der dringendes internationales Handeln erfordert.
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