US-Midterms: Trumps Niederlage und ihre Ursachen
Bei den US-Midterms zahlten Wähler Donald Trump die Rechnung für hohe Lebenshaltungskosten, Korruption und den umstrittenen Irankrieg. Eine Analyse der Ergebnisse.
Dieses Video wurde am 06.11.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die US-Midterms haben Donald Trump eine deutliche Niederlage beschert – und die Gründe dafür liegen tiefer als bloße Parteienpräferenz. Neun von zehn Wählerinnen und Wählern nannten die Lebenshaltungskosten als das wichtigste Thema. Steigende Benzinpreise, Inflation und das Gefühl, dass politische Macht käuflich geworden ist: Die Ergebnisse dieser Zwischenwahlen sind weniger ein Liebesbekenntnis zur Opposition als eine klare Abrechnung mit der Regierung Trump.
Wirtschaft und Inflation als entscheidende Faktoren
Knapp zwei Drittel der Amerikanerinnen und Amerikaner gaben an, dass die Inflation der ausschlaggebende Faktor bei ihrer Wahlentscheidung war. Eine ähnlich große Mehrheit ist überzeugt, dass die von Trump verhängten Zölle der US-Wirtschaft und dem eigenen Geldbeutel geschadet haben.
Doch anstatt diese Sorgen zu adressieren, sprach Trump über Renovierungsprojekte in Washington und neue Golfanlagen. Diese Wahrnehmungslücke zwischen Präsident und Bevölkerung dürfte ein wesentlicher Grund für das schlechte Abschneiden seiner Partei sein.
Dazu kommt: 46 Prozent der gesamten Vermögenszuwächse der vergangenen zwei Jahre entfielen allein auf das reichste Prozent der US-Bevölkerung. Das Versprechen eines breiten wirtschaftlichen Aufschwiegs ist damit empirisch gescheitert.
Irankrieg und Außenpolitik als Belastung
Mehr als sechs von zehn Amerikanern halten die Militäraktion im Iran für falsch. Trotzdem hielt Trump auch nach den Midterms an seinem Kurs fest und kündigte neue Angriffe an – obwohl absehbar war, dass diese Position seiner Partei bei den Wahlen schaden würde.
Beobachter werten dieses Verhalten als Zeichen einer politischen Egozentrik: Der Präsident scheint primär daran interessiert, keine Schwäche zu zeigen und als persönlicher Sieger dazustehen – unabhängig von den politischen Kosten für seine Partei oder das Land.
Amerika-Expertin Katrin Klüver Ashbrook warnt zudem, dass ein durch den Kongress unter Druck gesetzter Trump in der Außen- und Handelspolitik noch unberechenbarer agieren könnte, da der demokratisch kontrollierte Kongress die Exekutive schwerer bremsen kann als erhofft.
Korruption und die Rolle von Milliardären im Wahlkampf
Ein weiteres zentrales Thema war das weit verbreitete Gefühl, dass amerikanische Politik käuflich geworden ist. Die wichtigsten Zahlen im Überblick:
- Rund 12 Milliarden Dollar wurden in diesem Wahlkampf ausgegeben – so viel wie nie zuvor.
- Elon Musk spendete allein rund 474 Millionen Dollar an republikanische Kandidaten und verbündete Gruppen.
- 75 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner sind der Ansicht, dass die Lage in den USA nicht in Ordnung ist; nur 7 Prozent sagen das Gegenteil.
- Trump soll laut Medienberichten bereits angekündigt haben, Musk bei einem demokratischen Wahlsieg vorsorglich zu begnadigen.
Der demokratische Kandidat Jon Ossoff machte genau dieses Thema zum Zentrum seines Wahlkampfs – und erzielte damit großen Erfolg. Das könnte als Blaupause für künftige demokratische Strategien dienen.
Wie stellen sich die Parteien neu auf?
Beide großen Parteien stehen nach diesen Midterms vor einer schwierigen Neupositionierung. Die Republikanische Partei steckt in einer Zwickmühle: Sie kann mit Trump kaum noch Wahlen gewinnen, ohne ihn aber auch nicht – zu groß ist seine Basis. Bereits jetzt gibt es parteiinterne Schuldzuweisungen; Trump bezeichnete den republikanischen Gouverneur von Texas, Greg Abbott, als „RINO” – Republican in Name Only.
Auch die Demokratische Partei ist tief gespalten: zwischen gemäßigten Zentristinnen und Zentristen, die einen Kurs à la Barack Obama anstreben, und dem linken Flügel um Vertreterinnen wie Alexandria Ocasio-Cortez oder den neuen Gouverneur von Michigan, Abdul El-Sayed. Letzterer betonte in seiner Dankesrede selbst, wie unwahrscheinlich sein Erfolg gewesen sei.
Die Wahlergebnisse zeigen eine auffällige Vielfalt demokratischer Persönlichkeiten: vom tief gläubigen Lehrer James Garcia in Texas über den gemäßigten Roy Cooper in North Carolina bis hin zu jüngeren progressiven Kandidatinnen. Diese Breite ist Stärke und Herausforderung zugleich – denn für die Präsidentschaftswahl 2028 muss die Partei eine gemeinsame Figur und ein überzeugendes politisches Projekt finden.
Die Midterms 2026 sind kein Schlusspunkt, sondern Auftakt einer tiefgreifenden Neuordnung des amerikanischen Parteiensystems. Wie beide Lager mit dem Ergebnis umgehen und welche Köpfe und Ideen die Zukunft prägen werden, dürfte die US-Politik auf Jahre hinaus bestimmen.
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