Trump trifft Xi: Machtpoker zwischen USA und China
Beim Trump-Xi-Gipfel geht es um Zölle, Chips, seltene Erden und Taiwan. Wer braucht eine Einigung dringender – und was ist von dem Treffen zu erwarten?
Dieses Video wurde am 24.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Beim Trump-Xi-Gipfel in Washington treffen die beiden mächtigsten Staatsmänner der Welt aufeinander – mit einem aufwendigen Zeremoniell, aber unsicheren inhaltlichen Ergebnissen. Während US-Präsident Donald Trump innenpolitisch unter Druck steht und den Gipfel als außenpolitischen Erfolg verkaufen will, weiß Chinas Staatschef Xi Jinping genau, dass er eine starke Verhandlungsposition innehat. Denn Trump hat die Kongresswahlen vor Augen – und damit wenig Spielraum für echte Zugeständnisse.
Trump braucht den Erfolg – Xi hat die stärkeren Karten
Zwischen beiden Seiten besteht ein klares Machtgefälle in der Dringlichkeit: Trump ist auf sichtbare Erfolge angewiesen. Er will den Amerikanern zeigen, dass er als Präsident auf Augenhöhe mit China agiert – symbolisch unterstrichen durch militärische Ehrensalven, einen langen roten Teppich und einen pompösen Empfang am Weißen Haus.
Xi hingegen weiß, dass Trump die Midterms verlieren könnte und im Fall eines Verlusts beider Kongresskammern – Senat und Repräsentantenhaus – deutlich geschwächt wäre. Größere chinesische Zugeständnisse sind deshalb kaum zu erwarten. Experten warnen bereits, dass am Ende mehr Pomp als substanzielle Ergebnisse stehen dürften – eine Einschätzung, die an frühere Gipfeltreffen erinnert, die Trump zwar als „größten Gipfel aller Zeiten” pries, aber wenig Konkretes lieferten.
Zollpause als gegenseitiges Zugeständnis
Vor dem Gipfel haben beide Seiten eine Zollpause vereinbart – ein Signal der Entspannung, das jedoch keinen echten Durchbruch darstellt. Die Atempause verschafft beiden Ländern rund zwei Monate Zeit, um über die nächsten Schritte nachzudenken.
Auf dem Verhandlungstisch liegen weit mehr Themen als nur Importzölle:
- Die Lieferung von Halbleiter-Chips aus den USA nach China
- Der Zugang zu seltenen Erden, bei denen China eine globale Schlüsselrolle spielt
- Kooperation und gegenseitige Transparenz im Bereich Künstliche Intelligenz
- Die weitere Entwicklung der bilateralen Handelsbeziehungen ab Januar
Ob die Pause letztlich als Erfolg verbucht werden kann, hängt davon ab, ob im Anschluss eine tragfähige Anschlusslösung gefunden wird. Bislang bleibt sie das, was sie ist: eine Atempause.
Taiwan als Trumpf in Washingtons Hand
Das geopolitisch brisanteste Thema des Gipfels ist Taiwan. Washington verfügt hier über einen entscheidenden Hebel: die Lieferung von Waffen an die demokratische Insel, die Peking als Teil seines Territoriums beansprucht.
Trump kann jederzeit mit einer Verzögerung oder Reduzierung der Waffenlieferungen nach Taiwan drohen – oder diese als Verhandlungsmasse einsetzen, um China zu Zugeständnissen in anderen Bereichen zu bewegen. Diese Option bleibt ein mächtiges Druckmittel, solange sie nicht vollständig ausgespielt ist.
Gleichzeitig ist das Thema hochsensibel: Jede Annäherung an China in der Taiwan-Frage würde innenpolitisch in den USA scharf kritisiert werden – besonders im Vorfeld der Kongresswahlen.
Große Bühne, ungewisse Ergebnisse
Der Trump-Xi-Gipfel steht exemplarisch für eine neue Phase des sino-amerikanischen Verhältnisses: geprägt von strategischem Kalkül, öffentlichem Showmanship und einer tief verwurzelten gegenseitigen Abhängigkeit in Wirtschaft und Technologie. Die schönen Bilder vom Weißen Haus werden die Komplexität der Lage kaum auflösen.
Ob aus den Gesprächen mehr folgt als symbolische Gesten, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen – wenn die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen weitergehen und der Druck der Kongresswahlen die innenpolitische Agenda in Washington zunehmend dominiert.
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