Thursday, 24. September 2026
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Große Koalition

Miersch im Interview: SPD, Rente und Koalition

Matthias Miersch spricht im Hard-Talk-Interview über die schwächelnde SPD, den Streit um die Rente mit 63 und den umstrittenen Tankrabatt der Koalition.

Redaktion · 24. September 2026, 19:00 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 24.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Im Interview beim neuen Format Hard Talk auf WELT TV hat sich Matthias Miersch, Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag, zu den drängendsten Fragen rund um die Große Koalition, die Rentenpolitik und den politischen Kurs seiner Partei geäußert. Dabei geriet der SPD-Politiker mehrfach in Erklärungsnot – etwa beim geplanten Attest ab dem ersten Krankheitstag und beim Zeitplan für zentrale Reformvorhaben.

SPD zwischen Berliner Wahldebakel und Schwesig-Effekt

Die SPD steht in Umfragen bundesweit und in Berlin um die 12 Prozent – ein historischer Tiefstand. Miersch räumte ein, dass die Partei in der Öffentlichkeit ein Wahrnehmungsproblem hat: Reformen würden häufig mit Kürzungen gleichgesetzt, nicht mit Verbesserungen. Als Gegenbild verwies er auf Manuela Schwesig, die bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern trotz schwieriger Ausgangslage eine deutliche Aufholjagd schaffte.

Schwesigs Erfolgsrezept sieht Miersch darin, dass sie Ungerechtigkeiten klar benennt, auf ihre Arbeit als Ministerpräsidentin verweist und auch Kritik an der Berliner Bundespolitik nicht scheut. Diese Distanzierung sei legitim, so Miersch – auch wenn sie die Koalition in ein schwieriges Licht rückt.

Dass Wahlen nur noch gegen Berlin zu gewinnen seien, verneinte er jedoch: Es gehe darum, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und glaubwürdig anzusprechen.

Attest ab dem ersten Krankheitstag: Miersch will nachverhandeln

Besonders deutlich wurde die Spannung innerhalb der Koalition beim Thema Krankschreibung ab dem ersten Tag. Dieser Punkt war Teil eines Gesundheitspakets, das am 1. Juli vereinbart wurde – auf Druck der CDU/CSU, als Kompromiss gegen die von der Union ursprünglich angestrebten Karenztage.

Miersch machte keinen Hehl daraus, dass er diese Regelung für problematisch hält:

  • Ärztinnen und Ärzte lehnen die Pflicht zur Attestausstellung ab dem ersten Tag mehrheitlich ab.
  • Gewerkschaften waren von Anfang an skeptisch.
  • Auch in der CDU/CSU gibt es nach Mierschs Angaben wachsende Zweifel.
  • Miersch sprach von einem „Sturm der Entrüstung” und will die Kritik in das parlamentarische Verfahren einbringen.

Eine klare Absage an die Regelung formulierte er dennoch nicht – er verwies stattdessen auf die Koalitionsräson: „Ich stehe zur Verständigung, aber ich stehe auch für ein sehr intensives parlamentarisches Verfahren.”

Matthias Miersch und die stockenden Rentenreformen

Zentrales Streitthema war der Zeitplan für die Rentenreform. Miersch gestand ein, dass das parlamentarische Verfahren für die im Koalitionsvertrag vereinbarten Vorhaben noch nicht begonnen hat – weil bislang kein Referentenentwurf aus dem zuständigen Ministerium vorliegt.

Er stellte in Aussicht, dass Gesetzentwürfe in den nächsten Wochen ins Kabinett eingebracht werden sollen, damit der Bundestag im Herbst beraten und das Verfahren noch im laufenden Jahr abschließen kann. Gleichzeitig betonte er: Ein so zentrales Thema wie die Rente brauche sorgfältige parlamentarische Beratung – inklusive Anhörungen.

Besonders heikel ist die sogenannte Rente nach 45 Versicherungsjahren – früher als „Rente mit 63″ bekannt. Die Rentenkommission hat einen Änderungsvorschlag vorgelegt, den Miersch grundsätzlich als gute Grundlage bezeichnet. Zugleich signalisierte er, dass das Parlament das Ergebnis nicht einfach durchwinken werde: „Das Denken wird im Parlament nicht eingestellt.”

Ob mit der Reform Geld eingespart werden soll, ließ Miersch offen. Priorität sei ein „zukunftsfestes System”, das auch jüngere Generationen auf die gesetzliche Rente vertrauen lässt. Positiv hob er den geplanten Kapitalstock hervor, der das Rentenniveau mittelfristig stabilisieren soll.

Tankrabatt und Berliner Koalitionsfragen

Zum Tankrabatt, der zum 1. Oktober für drei Monate wieder eingeführt wurde, bekannte Miersch: Es sei die „zweitbeste” Lösung. Eine einkommensabhängige Auszahlung wäre gerechter, sei aber technisch noch nicht umsetzbar. Langfristig soll ein Preisdeckel ab 2027 helfen. Den Vorwurf des Populismus, da der Rabatt kurz vor einer Wahl verkündet wurde, wies er zurück – er habe an Infoständen erlebt, dass viele Bürgerinnen und Bürger die Maßnahme als Signal der Anerkennung verstanden hätten.

Zur politischen Lage in Berlin nach der Abgeordnetenhauswahl äußerte sich Miersch zurückhaltend. Eine Regierungsbeteiligung der Linken schloss er nicht aus, mahnte aber zur sorgfältigen Prüfung von Antisemitismus-Vorwürfen innerhalb der Partei. Eine klare Empfehlung an die Berliner SPD gab er nicht ab – das sei deren Entscheidung.

Die erste Ausgabe Hard Talk verdeutlicht: Die SPD steckt in einem Dilemma zwischen Koalitionsdisziplin und eigenem Profil. Wie Miersch diesen Spagat im Herbst der anstehenden Reformdebatten meistert, wird nicht nur über den politischen Kurs seiner Fraktion, sondern auch über die Zukunft der Koalition entscheiden.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (WELT Nachrichtensender). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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