Merz’ Redenschreiberin: Vortrag bei Linken sorgt für Kritik
Carlotta Foss schreibt die Reden von Kanzler Friedrich Merz – und kritisierte das Christentum bei einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Was steckt dahinter?
Dieses Video wurde am 25.09.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Sie gehört zum innersten Zirkel des Bundeskanzlers: Carlotta Foss arbeitet als Redenschreiberin für Friedrich Merz und prägt damit dessen öffentliche Sprache entscheidend mit. Nun steht sie im Mittelpunkt einer politischen Debatte – wegen eines Vortrags, den sie im April bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung hielt. Ihr Thema: Religion als Machtressource der Rechten, mit kritischem Blick auf das Christentum. Das Setting und der Inhalt werfen Fragen über ihr politisches Weltbild auf – und darüber, ob dieses Weltbild Eingang in die Reden des Kanzlers findet.
Vortrag bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung: Was Carlotta Foss sagte
Bei einer zweitägigen Tagung der der Linkspartei nahestehenden Rosa-Luxemburg-Stiftung referierte Foss über die politische Instrumentalisierung des Christentums, vorwiegend mit Blick auf die USA und die Republikanische Partei. Ihre Kernthese: Christliche Sprache diene als politisches Mobilisierungsinstrument für rechte Bewegungen. Wörtlich führte sie aus, christliche Institutionen böten „Bilder für eine starke Autorität jenseits des Staates”.
Kritiker werfen ihr vor, das Christentum dabei einseitig und theologisch unzutreffend darzustellen. Aus historischer Perspektive gilt gerade der Satz aus Matthäus 22 – „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist” – als Grundlage für die Trennung von Kirche und Staat, ein Prinzip, das das moderne demokratische Staatsverständnis wesentlich geprägt hat.
Bemerkenswert war auch das Umfeld der Veranstaltung: Im Publikum saßen Personen mit erkennbar politisch-islamischen Symbolen, im Regal lagen Hefte der Antifa. Dass ausgerechnet eine Vertraute des CDU-Kanzlers in diesem Rahmen das „C” im Parteinamen kritisch hinterfragte, sorgte für scharfe Reaktionen.
Nähe zum Kanzleramt: Foss und ihr Partner Philip Amthor
Die Brisanz des Auftritts ergibt sich nicht zuletzt aus der engen persönlichen und beruflichen Verflechtung mit dem Kanzleramt. Philip Amthor, der Lebensgefährte von Carlotta Foss, ist seit Kurzem Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit im Kanzleramt – sein Büro liegt nur wenige Etagen unter dem des Kanzlers.
Amthors Aufstieg gilt als Ergebnis seiner engen Verbindung zu Merz. Das ZDF begleitete ihn bei seinem Einzug ins Kanzleramt. Die Bilder eines sichtlich genüsslichen Karriereschritts – mit Blick aus dem Kanzleramt und Treppengängen vor laufenden Kameras – stießen ebenfalls auf Kritik: Von einem Staatsminister werde erwartet, dass er die eigene Außenwirkung bewusst steuert.
- Carlotta Foss: Redenschreiberin von Bundeskanzler Friedrich Merz
- Philip Amthor: Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit, Partner von Foss
- Veranstaltungsort: Rosa-Luxemburg-Stiftung, parteinah zur Linken
- Thema des Vortrags: Religion als Machtressource der Rechten
- Im Vorstand der Stiftung sitzt seit November Michael Brie, ehemaliger inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit
Politische Reaktionen: Verrat am „C” oder legitimer Diskurs?
Die Debatte über den Auftritt dreht sich um zwei Fragen: War die Teilnahme an sich problematisch – und was sagt der Inhalt des Vortrags über das politische Selbstverständnis der Kanzler-Vertrauten aus?
Grundsätzlich wird der Dialog über Parteigrenzen hinweg von Beobachtern begrüßt. Dass Foss aber ausgerechnet bei einer sozialistischen Stiftung das Christentum als Vehikel rechter Machtpolitik beschrieb, wird als inhaltliche Grenzüberschreitung gewertet. Kritiker sehen darin einen Widerspruch zu den Grundwerten der CDU, deren Programmatik sich explizit auf das christliche Menschenbild beruft.
Besonders scharf fällt die Einschätzung aus, dass solche ideologischen Überzeugungen – bewusst oder unbewusst – in die Texte einfließen könnten, die Foss für den Kanzler verfasst. Redenschreiber sind keine neutralen Handwerker: Sie wählen Begriffe, setzen Akzente und formen Narrative. Wer die Sprache des Kanzlers mitgestaltet, trägt Verantwortung für die politische Botschaft.
Einordnung: Wes Geistes Kind ist Merz’ Umfeld?
Der Fall Carlotta Foss steht symptomatisch für eine breitere Debatte über das politische Profil des Kanzleramts-Umfelds. Die Union regiert mit einem klaren bürgerlich-konservativen Anspruch – doch das engste Umfeld des Kanzlers liefert Bilder und Aussagen, die zu diesem Anspruch nicht immer passen.
Die Rosa-Luxemburg-Stiftung versteht sich ausdrücklich als Teil der Strömung des demokratischen Sozialismus und ist nach einer Mitgründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands benannt. Dass eine Vertraute des CDU-Kanzlers dort aufritt, um das Christentum zu kritisieren, ist mehr als eine kommunikative Ungeschicklichkeit – es ist eine Frage der politischen Glaubwürdigkeit. Wie viel von Carlotta Foss’ Weltsicht letztlich in den öffentlichen Worten von Friedrich Merz steckt, bleibt eine offene und politisch relevante Frage.
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