Chinas Atomaufrüstung: Xi baut heimlich
Satellitenbilder enthüllen Chinas massiven Ausbau nuklearer Anlagen unter Xi Jinping. Was die Recherche über Sprengköpfe, Testgelände und Pläne zeigt.
Dieses Video wurde am 25.09.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Eine visuelle Investigativrecherche des britischen Telegraph legt offen, wie massiv Chinas Atomaufrüstung unter Präsident Xi Jinping in den vergangenen Jahren vorangeschritten ist. Journalistin Sophia Jan analysierte Satellitenbilder von sieben Nuklearstandorten und verglich aktuelle Aufnahmen mit declassifizierten US-Aufnahmen aus den 1970er-Jahren. Das Ergebnis: Ein systematischer, weitreichender Ausbau militärischer Kapazitäten – während Peking offiziell eine Friedensrhetorik pflegt.
Sprengköpfe mehr als verdoppelt – Ziel: 1500 bis 2035
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Im Jahr 2013, als Xi Jinping an die Macht kam, verfügte China über rund 250 Atomsprengköpfe. Seitdem hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. China belegt damit weltweit Platz drei hinter Russland und den USA, die jeweils über 5.000 Sprengköpfe verfügen.
Prognosen westlicher Geheimdienste und Rüstungsexperten gehen davon aus, dass China seine nuklearen Kapazitäten weiter massiv ausbauen wird:
- Bis 2030: rund 1.000 Sprengköpfe
- Bis 2035: rund 1.500 Sprengköpfe
- Reichweite der chinesischen Raketen: nahezu weltumspannend, mit Ausnahme von Teilen Südamerikas
Chinas offizielle Position lautet, man halte am Prinzip „No first use” fest – Atomwaffen würden ausschließlich zur Verteidigung eingesetzt. Kritiker und Nachrichtendienste zweifeln jedoch zunehmend daran, ob Anspruch und Wirklichkeit übereinstimmen.
Geheime Standorte: Produktion, Transport und Tests
Die Recherche identifizierte mehrere konkrete Standorte, an denen der Ausbau besonders markant ist. Der Standort Pingtong in Zentralchina existiert seit den 1970er-Jahren – angelegt im Rahmen einer Strategie unter Mao Zedong, militärische Anlagen ins Landesinnere zu verlagern, fernab von Küsten und Grenzen. Unter Xi ist die Anlage auf nahezu die doppelte Fläche angewachsen.
Besonders bedeutsam ist ein abgegrenzter Bereich, in dem Experten die Produktion sogenannter Plutonium-Pits vermuten. Diese Bauteile bilden den nuklearen Zünder eines Sprengkopfs – ohne sie ist keine Atomwaffe funktionsfähig. Auf Satellitenbildern sind zudem Militärlastwagen an Übergabepunkten erkennbar, was auf ein durchorganisiertes Transportsystem hindeutet. Eine eigens errichtete Wohnstadt mit Sportfeld, Wohnblöcken und Busbahnhof dient offenbar den dort beschäftigten Wissenschaftlern und Technikern.
Der Standort Sitong erstreckt sich über rund 60 Kilometer und umfasst mehrere ausgebaute Sektoren, darunter ein Schockwellentestgelände sowie kuppelförmige Indoor-Testkammern. Dort werden offenbar neue Waffendesigns erprobt – vermutlich leichter, kleiner und effizienter als ältere Modelle, was die Bevorzugung von Plutonium gegenüber Uran erklärt.
Atomtests im Graubereich des Völkerrechts
Im äußersten Westen Chinas, wo das Land in den 1960er-Jahren seinen ersten Atomtest durchführte, zeigen Satellitenbilder umfangreiche neue Tunnelbauten und unterirdische Anlagen. US-Vertreter warfen diesem Standort vor, im Jahr 2020 explosive Tests durchgeführt zu haben – eine Behauptung, die China bestreitet.
Der rechtliche Rahmen ist dabei bewusst unscharf gehalten: China hat den Teststoppvertrag aus den 1990er-Jahren zwar unterzeichnet, aber nie ratifiziert. Diese Grauzone ermöglicht es Peking, Tests zumindest nicht formal gegen bestehende Verpflichtungen zu verstoßen. In westlichen Geheimdiensten wächst die Sorge, dass China weitere Atomtests vorbereitet, um die Wirksamkeit neu entwickelter Waffen zu überprüfen.
Gipfeltreffen Xi–Trump: Diplotainment ohne Substanz
Parallel zu diesen Erkenntnissen traf Xi Jinping zu einem Staatsbesuch US-Präsident Donald Trump in Washington. Trotz freundlicher Gesten blieb das Treffen ohne greifbare Ergebnisse. Kein Durchbruch, keine bedeutenden Abkommen – lediglich eine Verlängerung des Waffenstillstands im Handelsstreit um einige Monate, was angesichts der Schließung der Straße von Hormus infolge eines Irankriegs vor allem China als weltgrößtem Exporteur nützt.
Experten sprechen von „Diplotainment” – einer Mischung aus Diplomatie und öffentlichkeitswirksamer Inszenierung. Für Trump, dessen Zustimmungswerte wegen des Irankriegs sinken, ist das Treffen innenpolitisch verwertbar. Für Xi festigt es das Bild Chinas als globaler Akteur auf Augenhöhe. An der grundlegenden Dynamik des strategischen Wettbewerbs zwischen beiden Mächten ändert sich dadurch nichts.
Die enthüllten Rüstungsprogramme verdeutlichen, dass die Frage nach Chinas nuklearer Strategie weit über Diplomatie und Handelspolitik hinausreicht. Wie schnell und bis zu welchem Punkt Peking seine atomare Parität gegenüber Washington und Moskau anstrebt, bleibt eine der drängendsten sicherheitspolitischen Fragen der kommenden Dekade.
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