Saturday, 26. September 2026
AfD

Demokratie und AfD: Wenn Regeln plötzlich biegbar sind

Die Ministerpräsidentenkonferenz will ihren Vorsitz neu regeln – nur weil die AfD in Sachsen-Anhalt gewann. Was das über den Umgang mit Demokratie verrät.

Redaktion · 25. September 2026, 20:00 Uhr · 4 Min. Lesezeit

Dieses Video wurde am 25.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Der Streit um den Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) offenbart eine bemerkenswerte Bereitschaft etablierter Politiker, demokratische Spielregeln umzuschreiben, sobald das Wahlergebnis nicht nach ihrem Geschmack ausfällt. Auslöser ist der deutliche Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt: Eigentlich würde der Vorsitz der MPK turnusgemäß an das Land fallen – und damit potenziell an einen AfD-Ministerpräsidenten. Doch statt den gewohnten Ablauf zu akzeptieren, denken führende Politiker nun laut darüber nach, die Regelungen kurzerhand anzupassen.

Der Vorsitz der MPK und die AfD-Frage

Die Ministerpräsidentenkonferenz ist das zentrale Koordinierungsgremium der 16 Bundesländer. Die 16 Regierungschefs treffen sich regelmäßig, schließen Staatsverträge und stimmen gemeinsame Positionen gegenüber der Bundesregierung ab. Traditionell rotiert der Vorsitz jährlich zwischen den Ländern.

Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt wäre nun Sachsen-Anhalt an der Reihe – und damit möglicherweise ein AfD-Politiker als Vorsitzender. Der bisherige Ministerpräsident Sven Schulze brachte daraufhin einen einfachen Ausweg ins Spiel: Der Vorsitz solle schlicht ausgesetzt und Rheinland-Pfalz um ein weiteres Jahr verlängert werden.

Bemerkenswert daran ist der vorauseilende Charakter: Es gibt noch keinen AfD-Ministerpräsidenten. Die Anpassung der Regeln erfolgt präventiv – aus der bloßen Erwartung heraus, dass ein unliebsamer Politiker den Vorsitz übernehmen könnte.

Demokratie als Selektivprinzip?

Dieselben politischen Akteure, die in Talkshows regelmäßig die Unantastbarkeit demokratischer Grundsätze beschwören, zeigen sich in der Praxis flexibel, wenn Wahlergebnisse nicht ihren Erwartungen entsprechen. Das Muster ist nicht neu:

  • Beim Alterspräsidenten im Bundestag wurden Verfahrensregeln angepasst, um AfD-Politiker von der Funktion fernzuhalten.
  • In Ausschüssen und Gremien wurden Abstimmungsmodalitäten verändert, sobald die AfD Mehrheiten hätte erringen können.
  • Nun steht mit dem MPK-Vorsitz ein weiteres tradiertes Rotationsprinzip zur Disposition.

Das eigentliche Problem liegt nicht allein im Einzelfall, sondern im Präzedenzfall: Wer demokratische Verfahrensregeln immer dann biegt, wenn das Ergebnis unerwünscht ist, untergräbt langfristig die Legitimität eben dieser Regeln – und damit das Vertrauen in die Demokratie insgesamt.

Evangelische Kirche: Gottesdienst zum Hitzesommer

Ein weiteres Thema des Tages lieferte die evangelische Kirche in Bonn. Sie veranstaltete einen „Gedenk- und Dankgottesdienst zum Ende des Hitzesommers 2026″. Der Superintendent betonte, die bedrückenden Erfahrungen des Sommers nicht sang- und klanglos hinter sich lassen zu wollen. Teil des Gottesdienstes war auch ein Vortrag eines Klimaforschers zu Hitzeschutz und Klimaprävention.

Die Kritik daran zielt weniger auf das Thema selbst – die Belastung durch extreme Hitze ist real, besonders für Bewohner von Pflegeeinrichtungen ohne Klimaanlage. Der Einwand betrifft vielmehr das Selbstverständnis der Institution: Die Kirche besetzt zunehmend Felder, die von NGOs und politischen Akteuren bereits ausführlich bespielt werden. Themen wie Glaube, Zweifel, Transzendenz und Vergänglichkeit – also das originäre Kerngeschäft religiöser Gemeinschaften – treten dabei in den Hintergrund.

Der anhaltende Mitgliederschwund der evangelischen Kirche lässt sich womöglich weniger mit gesellschaftlichem Desinteresse an Religion erklären als mit dem Eindruck, dass die Kirche selbst an ihrem Kernauftrag zweifelt.

Oasis-Vorverkauf: Konzerte als gesellschaftlicher Kitt

Auf eine positive Nachricht durfte der Tag nicht verzichten: Der Vorverkauf für die Oasis-Konzerte in München im Sommer startete und entwickelte sich zu einem der chaotischsten Ticket-Ereignisse der jüngeren Geschichte. Vor dem eigentlichen digitalen Warteschlangensystem wurde erstmals eine Lotterie vorgeschaltet, um überhaupt Zugang zur Warteschlange zu erhalten.

Jenseits der logistischen Absurdität steckt darin aber auch ein bemerkenswertes gesellschaftliches Signal: Großkonzerte haben sich zu globalen Mega-Events entwickelt, die Menschen unterschiedlichster Herkunft und Weltanschauung an einem Ort zusammenbringen. In einer Zeit, in der viele verbindende gesellschaftliche Räume – Vereine, gemeinsame Öffentlichkeit, politischer Konsens – erodieren, bieten solche Veranstaltungen noch ein geteiltes Erlebnis.

Ob die Gallagher-Brüder Liam und Noel diesmal tatsächlich den Frieden halten, bleibt abzuwarten. Die Nachfrage jedenfalls zeigt: Das Bedürfnis nach gemeinsamen kulturellen Momenten ist ungebrochen groß.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (WELT Nachrichtensender). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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