Selenskyj vs. Trump: Streit um Angriffe auf Russlands Raffinerien
Selenskyj kündigt weitere Drohnenangriffe auf russische Raffinerien an – trotz Trumps Forderung nach Einstellung. Was steckt hinter dem Konflikt?
Dieses Video wurde am 15.10.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Streit zwischen Kiew und Washington eskaliert: Wolodymyr Selenskyj hat in einem Interview mit der Financial Times klar gemacht, dass die Ukraine ihre Angriffe auf russische Raffinerien fortsetzen wird – trotz ausdrücklicher Forderung von Donald Trump, diese Kampagne zu beenden. Der ukrainische Präsident riskiert damit einen offenen Bruch mit dem wichtigsten westlichen Verbündeten seines Landes. Hintergrund ist ein von Trump ausgerufener Energiewaffenstillstand, an den sich Russland nicht hält, während die Ukraine einseitig Zurückhaltung zeigen soll.
Chronologie eines gescheiterten Waffenstillstands
Die Ereignisse überschlugen sich innerhalb weniger Tage. Am vergangenen Freitag verkündete Trump, russischer Diesel solle künftig in die USA importiert werden dürfen. Nur zwei Tage später erklärte er einen Energiewaffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine für ausgerufen.
Russland hielt sich nicht an die Vereinbarung. Stattdessen bombardierte Moskau weiter die ukrainische Energieinfrastruktur. Bei einem Angriff am Vortag waren laut ukrainischen Angaben rund 600.000 Menschen ohne Strom. Selenskyj reagierte mit einer klaren Ansage: Die Ukraine werde russische Energieanlagen weiterhin attackieren.
Ukrainische Raffinerie-Kampagne: Ausmaß und Wirkung
Die ukrainische Angriffskampagne gegen russische Raffinerien gilt als eine der wirkungsvollsten Operationen seit Kriegsbeginn. In Raffinerien wird Rohöl zu Benzin, Kerosin und Diesel weiterverarbeitet – Güter, die Russland sowohl für die eigene Kriegsführung als auch für Exporteinnahmen dringend braucht.
- Laut ukrainischem Verteidigungsminister wurden rund 51 Prozent der russischen Raffineriekapazitäten zerstört.
- Angriffe mit Langstreckendrohnen trafen Ziele bis weit nach Sibirien.
- Wladimir Putin räumte ein, die Kampagne habe ihr Ziel „teilweise” erreicht.
- Etwa 1 Prozent des russischen BIP soll durch die Schäden vernichtet worden sein, so Putin.
- Im Sommer kam es an russischen Tankstellen zu Spritknappheiten, die in der Bevölkerung für Unmut sorgten.
Die Ukraine setzt für diese Angriffe eigene Waffen ein, für die keine Beschränkungen durch westliche Partner gelten – ein entscheidender operativer Vorteil.
Russlands Energieinfrastruktur als Verhandlungshebel
Selenskyj verknüpft die Frage der Raffinerie-Angriffe direkt mit dem Schutz der ukrainischen Bevölkerung im Winter. Sein Kalkül ist klar: Solange Russland das ukrainische Stromnetz angreift, gibt es keine einseitige Zurückhaltung aus Kiew.
Die Ukraine steht erneut vor einem harten Winter. Bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad können Stromausfälle in Großstädten lebensbedrohlich werden. Die Bereitschaft, dafür auch den Zorn Washingtons in Kauf zu nehmen, zeigt, wie groß der Druck auf Selenskyj ist.
Riskante Abhängigkeiten: Starlink, Vorwarnungen und Patriot-Raketen
Der Konflikt mit Trump hat konkrete militärische Konsequenzen. Drei Bereiche sind besonders heikel:
Frühwarnsystem: Bei den letzten beiden Angriffen auf Kiew soll die erste Angriffswelle nicht mehr rechtzeitig gemeldet worden sein. Raketen schlugen ein, bevor der Alarm auslöste. Amerikanische Offizielle begründeten dies mit schlechtem Wetter – eine Erklärung, die in der Ukraine auf Skepsis stieß.
Starlink und Star Shield: Die Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte und die Steuerung von Drohnen laufen wesentlich über Starlink und dessen militärischen Ableger Star Shield von Elon Musk. In den vergangenen Tagen wurden diese Dienste offenbar eingeschränkt. Ob dies gezielt geschah, ist unklar – die Ukraine geht davon aus.
Patriot-Munition: Die Ukraine ist für die Abwehr ballistischer Raketen nahezu ausschließlich auf Patriot PAC-3-Interzeptoren aus US-Produktion angewiesen. Bei einem Lieferstopp wären die ukrainischen Luftverteidigungssysteme gegen ballistische Angriffe langfristig weitgehend wirkungslos.
Ob die Raffinerie-Kampagne kriegsentscheidend ist, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen. Risse zwischen Kiew und Washington gab es bereits früher – etwa beim berühmten Treffen im Oval Office –, und die Beziehung stabilisierte sich danach wieder. Entscheidend wird sein, wer in diesem dreiseitigen Kräftemessen zwischen Trump, Selenskyj und Putin den längeren Atem beweist – während das Leid der ukrainischen Zivilbevölkerung unvermindert anhält.
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