Operation Vivaldi: Ukrainischer Kommandeur enthüllt Coup
Ein ukrainischer Bataillonskommandeur erklärt, wie Operation Vivaldi die russischen Linien durchbrach – dank elektronischer Kriegsführung und monatelanger Vorbereitung.
Dieses Video wurde am 16.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Mit Operation Vivaldi hat die ukrainische Armee nach eigenen Angaben einen der bedeutendsten taktischen Erfolge seit Monaten erzielt. Ein Bataillonskommandeur, der an der entscheidenden ersten und zweiten Phase der Operation beteiligt war, schildert, wie seine Einheit rund 270 Quadratkilometer Territorium zurückgewinnen, etwa 250 russische Stellungen einnehmen und nach eigenen Angaben rund 8.000 russische Soldaten ausschalten konnte – ohne dass die russische Seite den Angriff rechtzeitig bemerkte.
Monate der Vorbereitung als entscheidender Faktor
Was Operation Vivaldi von früheren Vorstößen unterschied, war vor allem die intensive Vorbereitungsphase. Während ukrainische Einheiten in der Vergangenheit häufig ohne ausreichende Planungszeit handeln mussten, hatte das Bataillon diesmal die Möglichkeit, systematisch zu trainieren und die russischen Stellungen zu analysieren.
Zunächst wurden russische Infiltrationsgruppen hinter den eigenen Linien ausgeschaltet, um die Frontlinie zu begradigen. Damit eliminierte die ukrainische Seite Bedrohungen im Rücken der eigenen Truppen, bevor der eigentliche Vorstoß begann. Das Schlachtfeld war damit gesichert – eine Voraussetzung, die in früheren Operationen oft fehlte.
Parallel dazu wurde die feindliche Aufklärung und Logistik systematisch kartiert: Stellungen, Versorgungsrouten, Straßen, Brücken – alles wurde ausgekundschaftet und anschließend gezielt zerstört.
Elektronische Kriegsführung machte Russen „blind und taub”
Das Herzstück der Operation war die konsequente Nutzung elektronischer Kriegsführung. Die ukrainischen Kräfte sorgten dafür, dass russische Drohnen und Sensoren ausgeschaltet wurden, bevor die eigenen Truppen vorrückten. Der Kommandeur beschreibt es so: Die Russen hätten den Angriff schlicht nicht kommen sehen.
Kombiniert mit schwerer Artillerieunterstützung und dem Einsatz eigener Drohnen – sowohl in der Luft als auch am Boden – entstand ein koordiniertes Gefechtsverfahren, das klassische mechanisierte Kriegsführung mit moderner Technologie verband. Entscheidend war dabei:
- Vollständige Unterbindung feindlicher Drohnenoperationen vor dem Vorstoß
- Einsatz unbemannter Bodensysteme und Kampfroboter
- Minutiös geplantes Vorrücken in drei Linien, auch in Ortschaften
- Ständige Begleitung durch elektronische Störmaßnahmen
- Zerstörung der gesamten Einheitsstruktur des Feindes, nicht nur einzelner Soldaten
Ziel war nicht allein die Elimination feindlicher Kräfte, sondern die Zerstörung ihrer Kommando- und Logistikstruktur, sodass russische Einheiten auch nach Verlusten nicht mehr vollständig handlungsfähig sind.
NATO-Doktrin laut Kommandeur veraltet
Der Bataillonskommandeur äußert sich auch kritisch gegenüber westlichen Verbündeten. Deutschland, die USA und andere NATO-Staaten beobachteten ukrainische Taktiken zwar aufmerksam, zögen aber zu wenige Lehren daraus. Die NATO-Doktrin sei „zu alt, um heute noch effektiv auf dem Schlachtfeld zu sein”.
Konkret nennt er den Bereich Technologieeinsatz: Wie werden Drohnen integriert? Wie arbeiten Infanterie, Fahrzeuge, Artillerie und unbemannte Systeme als funktionierende Einheit zusammen? Diese Fragen seien für westliche Streitkräfte lehrreich – wenn sie es zulassen wollten. Viele Länder, so der Kommandeur, wollten es schlicht nicht lernen – „und das ist ihr großer Fehler”.
Donbas-Ziel Putins: Kommandeur zweifelt an Realisierbarkeit
Zu Wladimir Putins Ankündigung, den Donbas innerhalb von 18 Monaten vollständig unter russische Kontrolle zu bringen, zeigt sich der Kommandeur skeptisch, aber differenziert. Das Ergebnis hänge maßgeblich davon ab, wie viel Unterstützung die Ukraine von ihren Verbündeten erhalte und wie viele Soldaten Moskau noch mobilisieren könne.
Grundsätzlich hält er Putins Ziel für nicht realisierbar – betont aber, dass dies kein Grund zur Entwarnung sei. Er warnt ausdrücklich: Putin gehe es nicht nur um den Donbas und nicht einmal nur um die Ukraine. Sein Ziel sei die Wiederherstellung der europäischen Machtverhältnisse aus der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs.
Operation Vivaldi ist nach Angaben des Kommandeurs noch nicht abgeschlossen. Weitere Phasen sollen in den kommenden Wochen umgesetzt und dann öffentlich kommuniziert werden. Ob der taktische Erfolg in strategische Stabilität mündet, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie geschlossen der Westen gegenüber Moskau auftritt – und wie konsequent er aus ukrainischen Erfahrungen lernt.
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