Amazon-Aktie: Chance trotz wachsender KI-Blase
Die Angst vor einer KI-Blase wächst, doch Analysten sehen die Amazon-Aktie weiter auf Kurs. Warum AWS der entscheidende Wachstumstreiber ist.
Dieses Video wurde am 22.10.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Angst vor einer platzenden KI-Blase wächst an den Börsen – einzelne KI-Aktien haben bereits deutliche Kursverluste verbucht. Dennoch sehen Marktbeobachter bei der Amazon-Aktie weiterhin erhebliches Aufwärtspotenzial. Der Grund: Amazon ist längst kein reiner Versandhändler mehr, sondern ein zentraler Infrastrukturlieferant für die gesamte KI-Industrie – mit einem Cloud-Geschäft, das die Fantasie der Anleger beflügelt.
KI-Blase oder nachhaltige Rallye?
An den internationalen Aktienmärkten hat die Sorge vor einer Überbewertung im KI-Sektor zugenommen. Zwar blieb ein breiter Crash bislang aus, doch einzelne Werte haben bereits spürbare Korrekturen erlebt. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, ob die massiven Investitionen der Technologiekonzerne in Rechenzentren und KI-Infrastruktur langfristig rentabel sind.
Besonders kleinere Unternehmen ohne stabile Einnahmeströme aus anderen Geschäftsbereichen geraten dabei unter Druck. Der Wettbewerb verlagert sich: Nicht mehr die beste KI-Anwendung entscheidet, sondern die Fähigkeit, die enormen Investitionen überhaupt stemmen zu können.
In diesem Umfeld richtet sich der Blick der Anleger auf die sogenannten Hyperscaler – jene Konzerne, die die digitale Infrastruktur bereitstellen, auf die alle anderen angewiesen sind. Das klassische Bild vom Goldrausch trifft es gut: Wer die Schaufeln verkauft, profitiert unabhängig davon, wer das Gold findet.
Amazon: Infrastrukturriese mit Versandhandel
Amazon wird von vielen Verbrauchern noch immer primär als Online-Händler wahrgenommen. Tatsächlich ist das Unternehmen aber zu einem der wichtigsten KI-Infrastrukturanbieter weltweit geworden. Amazon Web Services (AWS) ist das Herzstück des Konzerns – und der entscheidende Wachstumsmotor.
Die Investmentbank Morgan Stanley hat Amazon zuletzt zum Top-Pick ernannt und das Kursziel von 235 auf 350 US-Dollar angehoben. Grundlage ist eine optimistische Einschätzung des Cloud-Geschäfts:
- Prognostiziertes AWS-Umsatzwachstum für das kommende Jahr: 47 Prozent
- Erwartetes Wachstum für 2028: weitere 42 Prozent
- Prognostizierter Cloud-Umsatz: bis zu 374 Milliarden US-Dollar
- Anteil am operativen Gewinn: rund zwei Drittel
Diese Zahlen verdeutlichen: Amazon ist in erster Linie ein Technologiekonzern, dessen Versandgeschäft zunehmend zur Nebenrolle wird.
Hohe Investitionen – und trotzdem attraktiv?
Der Boom hat seinen Preis. Die geschätzten Investitionsausgaben von Amazon belaufen sich für das kommende Jahr auf rund 355 Milliarden US-Dollar. Der Free Cashflow wird dabei mit etwa minus 90 Milliarden US-Dollar veranschlagt – ein deutliches Zeichen dafür, wie teuer die Expansion in die KI-Infrastruktur ist.
Dennoch sprechen strukturelle Argumente für Amazon. Der Konzern ist aufgrund seiner Größe, seiner Marktstellung und seiner diversifizierten Einnahmequellen weniger auf externe Finanzierung angewiesen als kleinere Wettbewerber. Im Falle eines breiteren Markteinbruchs dürfte Amazon damit vergleichsweise widerstandsfähig sein.
Das spiegelt sich auch in der Analystenmeinung wider: 95 Prozent der Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Der aktuelle Kurs liegt bei rund 233 US-Dollar, das durchschnittliche Kursziel bei 333 US-Dollar – ein Aufwärtspotenzial von rund 26 Prozent. Im optimistischen Szenario wird sogar ein Kurs von bis zu 410 US-Dollar für möglich gehalten.
Strategie für Anleger: Geduld und Regelmäßigkeit
Für Privatanleger empfiehlt sich bei einer Aktie wie Amazon eine langfristige Strategie. Monatliche Sparpläne erlauben es, sowohl von Kurskorrekturen als auch von Aufwärtsbewegungen zu profitieren – durch den sogenannten Cost-Average-Effekt sinkt das Risiko eines ungünstigen Einstiegszeitpunkts.
Grundsätzlich gilt: Kurzfristige Schwankungen sind bei Technologie- und KI-Werten einzuplanen. Wer jedoch auf die strukturellen Wachstumstreiber im Cloud- und KI-Geschäft setzt und einen langen Anlagehorizont mitbringt, für den bleibt die Amazon-Aktie trotz der gestiegenen Unsicherheiten am Markt ein viel beachteter Kandidat im Depot.
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