Dieses Video wurde am 07.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die AfD Sachsen-Anhalt hat bei der Landtagswahl ein historisches Ergebnis eingefahren: Spitzenkandidat Ulrich Sigmund holte knapp 44 Prozent der Stimmen – das beste Ergebnis, das eine Partei in Sachsen-Anhalt seit der Wiedervereinigung 1990 erzielt hat. Die Parteiführung um die Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla feierte den Erfolg am Morgen nach der Wahl in Berlin. Doch trotz des triumphalen Abschneidens steht die AfD vor einer schwierigen Aufgabe: Ohne absolute Mehrheit braucht sie einen Koalitionspartner – und der ist derzeit nicht in Sicht.
Historisches Ergebnis für die AfD in Sachsen-Anhalt
Ulrich Sigmund sprach nach der Wahl von einem „ganz klaren Regierungsauftrag”. Das Ergebnis sei so deutlich, dass es kaum zu übersehen sei. Tatsächlich übertrafen die fast 44 Prozent alle Vorwahlprognosen und stellten einen neuen Rekord für die Partei sowie für die gesamte Parteienlandschaft des Bundeslandes auf.
Die AfD-Bundesvorsitzenden Weidel und Chrupalla interpretierten den Erfolg als Signal weit über Sachsen-Anhalt hinaus. Sie kündigten an, den Schwung auch in anderen Bundesländern und bei der bevorstehenden Bundestagswahl nutzen zu wollen – mit dem Ziel, als stärkste Kraft hervorzugehen.
Damit positioniert sich die AfD erstmals ernsthaft als potenzielle Regierungspartei auf Landesebene, was die politischen Kräfteverhältnisse in Deutschland grundlegend verschieben könnte.
Regierungsbildung: Stabile Mehrheit gesucht
Trotz des Rekordergebnisses verfehlte die AfD die absolute Mehrheit im Landtag von Sachsen-Anhalt. Für eine Regierungsbildung ist sie damit auf mindestens einen Kooperationspartner angewiesen – ein schwieriges Unterfangen.
Das BSW signalisierte eine begrenzte Bereitschaft: Im Falle eines dritten Wahlgangs bei der Wahl zum Ministerpräsidenten könnte man sich durch eine Enthaltung einer Blockade enthalten. Für Sigmund reicht das jedoch nicht aus.
„Eine Enthaltung ist für mich keine stabile Mehrheit”, erklärte der AfD-Spitzenkandidat. Ohne verlässliche parlamentarische Unterstützung sehe er keine Grundlage, um Gesetzesentwürfe durchzubringen und die politischen Prozesse im Land grundlegend umzugestalten. Sigmund will nun aktiv nach stabilen Mehrheiten suchen – notfalls auch durch das Abwerben einzelner Abgeordneter aus anderen Fraktionen.
Die anderen Parteien: Verlierer und Überlebende
Das Wahlergebnis hinterließ in der übrigen Parteienlandschaft tiefe Spuren. Ein Überblick:
- CDU: Der größte Verlierer des Abends – das Ergebnis wurde mehr als halbiert.
- SPD: Landete im einstelligen Bereich, versuchte das Ergebnis dennoch als kleinen Erfolg zu verkaufen.
- Linke: Verlor ebenfalls Stimmen und kämpft weiter um Relevanz.
- BSW: Zeigte sich mit seinem Ergebnis zufrieden und hält sich als möglicher Faktor offen.
- Grüne: Offenbar ebenfalls zufrieden mit dem eigenen Abschneiden.
Der CDU-Vertreter gratulierte der AfD als demokratischem Wahlsieger und erkannte damit deren Stärke als neue stärkste Kraft im Landtag formell an.
Ausblick: Sachsen-Anhalt als Blaupause für den Bund?
Für die AfD ist das Ergebnis in Sachsen-Anhalt mehr als ein regionaler Triumph – es ist eine Machtdemonstration mit bundespolitischer Botschaft. Weidel und Chrupalla machten deutlich, dass sie den Schwung in Richtung Bundestagswahl tragen wollen.
Ob die AfD in Sachsen-Anhalt tatsächlich regieren wird, hängt davon ab, ob Sigmund eine arbeitsfähige Mehrheit zusammenstellen kann. Das politische Establishment zeigt sich bislang geschlossen ablehnend gegenüber einer formellen Koalition. Dennoch bleibt die Frage offen, ob der Druck des Wählerauftrags einzelne Abgeordnete zum Umdenken bewegen wird.
Das Wahlergebnis markiert in jedem Fall eine Zäsur in der deutschen Parteienlandschaft: Zum ersten Mal steht eine Partei am äußersten rechten Rand des Parteienspektrums so nah an einer Regierungsverantwortung auf Landesebene – mit potenzieller Signalwirkung für künftige Wahlen im gesamten Bundesgebiet.
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