Dieses Video wurde am 06.09.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Brandenburgs Landesregierung arbeitet an einem umfassenden Gleichstellungsplan, der weit über klassische Gleichstellungspolitik hinausgeht. Der aktuelle Entwurf sieht vor, Gender-Mainstreaming tief in Verwaltung, Schulen, Hochschulen und Kultur zu verankern. Als konkretes Beispiel taucht darin ein Kulturprojekt auf, das mit öffentlichen Mitteln gefördert wird und unter anderem queere Pilzkunde aus ökofeministische Perspektive umfasst. Der Plan befindet sich noch in der Verbändebeteiligung; ein Kabinettsbeschluss ist für spätestens März 2027 geplant.
592.000 Euro für queere Kulturprojekte
Im Gleichstellungsplan Brandenburgs wird ein Kulturprojekt als Positivbeispiel angeführt, das zwischen 2021 und 2027 mit insgesamt 592.000 Euro aus Landesmitteln gefördert wird. Das Projekt arbeitet mit sogenannten queer-feministischen Partnern zusammen.
Zum Programm gehören unter anderem:
- Queer Mycology – Pilzkunde aus queer-ökofeministischer Perspektive
- Ein Flinter Skate Kollektiv als Kooperationspartner
- Weitere kulturelle Akteure mit queer-feministischem Schwerpunkt
Das Projekt illustriert, wie der Freistaat Gleichstellung künftig nicht nur als politisches Schlagwort, sondern als aktiv gefördertes Kulturthema verstehen will. Kritiker sehen darin eine Fehlanwendung öffentlicher Gelder; Befürworter betonen die gesellschaftliche Bedeutung diversitätsorientierter Kulturarbeit.
Gender Mainstreaming in der Landesverwaltung
Besonders weitreichend sind die geplanten Maßnahmen für die Brandenburger Landesverwaltung. Bereits bei Stellenbesetzungen soll künftig die sogenannte Gleichstellungskompetenz der Bewerberinnen und Bewerber berücksichtigt werden.
Führungskräfte sollen verpflichtend zu Gender Mainstreaming geschult werden. Darüber hinaus ist ein sogenannter Gender Check vorgesehen, dem Pressemitteilungen, Werbekampagnen und Broschüren der Landesbehörden künftig unterzogen werden müssen.
Damit greift der Plan direkt in die alltägliche Kommunikation staatlicher Stellen ein und verankert Gleichstellungsdenken als festen Bestandteil des Verwaltungshandelns – von der Personalentscheidung bis zur öffentlichen Außendarstellung.
Schulen als weiteres Handlungsfeld
Auch das Bildungssystem soll vom geplanten Gleichstellungsrahmen nicht ausgenommen bleiben. Laut Entwurf soll Gender Mainstreaming als übergreifendes Thema sowohl im Unterricht als auch im gesamten Schulleben Brandenburgs verankert werden.
Wie das im Lehrplan konkret umgesetzt werden soll, lässt der bisherige Entwurf weitgehend offen. Klar ist jedoch, dass die Landesregierung das Thema nicht auf freiwillige Projekte einzelner Schulen beschränken, sondern strukturell verankern will.
Dieser Ansatz dürfte politisch umstritten sein: Während Gleichstellungsverbände die Pläne begrüßen, kritisieren konservative Stimmen eine ideologische Überfrachtung des Schulalltags.
Kabinettsbeschluss für März 2027 geplant
Der Gleichstellungsplan ist noch nicht beschlossen. Der aktuelle Entwurf befindet sich in der sogenannten Verbändebeteiligung – einem Verfahren, in dem Interessengruppen und Organisationen Stellung nehmen können, bevor der Plan politisch weiterverfolgt wird.
Ein Kabinettsbeschluss ist spätestens für März 2027 vorgesehen. Bis dahin ist noch mit politischen Debatten zu rechnen – sowohl über die Förderprioritäten als auch über die Reichweite der geplanten Maßnahmen in Verwaltung und Schulen. Brandenburg könnte mit dem Vorhaben bundesweit Maßstäbe setzen oder sich einer breiten öffentlichen Kontroverse über die Grenzen staatlich geförderter Identitätspolitik aussetzen.
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