Dieses Video wurde am 07.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der erfahrene Diplomat und frühere Botschafter Wolfgang Ischinger fordert eine grundlegende Neuausrichtung der europäischen Diplomatie. Gegenüber den USA, in der Ukraine-Frage und in der aktuellen Iran-Krise müsse Europa endlich mit einer Stimme sprechen – ansonsten werde der Kontinent weiterhin reaktiv statt gestalterisch agieren. Ischinger analysiert dabei auch die jüngsten Spannungen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump sowie die diplomatische Meisterleistung von König Charles III. in Washington.
König Charles und die Kunst des richtigen Tons
Der britische König bewies bei seinem Auftritt vor dem US-Kongress diplomatisches Geschick der Extraklasse. In seiner Rede sprach er gemeinsame Werte wie Demokratie, Bündnistreue, NATO, Ukraine-Unterstützung, Umweltschutz und Rechtsstaatlichkeit an – und erhielt dafür den Applaus beider Parlamentskammern, Demokraten wie Republikaner. Selbst Präsident Trump lobte die Rede anschließend.
Ischinger hebt hervor, dass Charles den entscheidenden Vorteil besitzt, keine direkte politische Verantwortung zu tragen. Er könne kritische Botschaften verpacken, ohne persönliche Konsequenzen zu fürchten. Der diplomatisch wirkungsvollste Moment war laut Ischinger ein humorvoller: Der König bemerkte, Briten und Amerikaner hätten nahezu alles gemein – mit einer Ausnahme: die Sprache.
Merz, Trump und die Folgen einer unglücklichen Äußerung
Deutlich kritischer bewertet Ischinger den öffentlichen Auftritt von Bundeskanzler Merz, der die US-Strategie im Iran-Konflikt als planlos bezeichnete und von einer „gedemütigten Nation” sprach. Diese Formulierungen wurden im Weißen Haus als Echo der demokratischen Opposition verstanden – mit prompten Konsequenzen.
- Trump kündigte den Abzug von mindestens 5.000 US-Soldaten aus Deutschland an.
- Die geplante Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern in Deutschland soll ausbleiben oder verzögert werden.
- Moskau, so Ischinger, interpretiert solche Schritte als Bestätigung seines langfristigen Ziels: den amerikanischen Rückzug aus Europa.
Ischinger ordnet den Konflikt als Momentaufnahme ein und erinnert an das noch tiefere Zerwürfnis zwischen Gerhard Schröder und George W. Bush im Irak-Krieg. Auch damals fanden beide Seiten nach Monaten wieder zueinander.
Abschreckungslücke und das Erbe Helmut Schmidts
Ein zentrales sicherheitspolitisches Versäumnis sieht Ischinger in der ungelösten Abschreckungslücke gegenüber Russland. Seit fast zehn Jahren sei bekannt, dass Russland den INF-Vertrag verletzt und im Kurz- und Mittelstreckenbereich überlegene Fähigkeiten aufgebaut hat – etwa mit Iskander-Raketen in Kaliningrad.
Ischinger verweist auf das Vorbild von Helmut Schmidt, der Ende der 1970er-Jahre angesichts der sowjetischen SS-20-Raketen mutig eine Nachrüstungsdebatte angestoßen hatte. Damals habe Deutschland aus einer Position der Stärke verhandelt. Heute hingegen fehle diese Grundlage. Forderungen nach sofortigen Verhandlungen mit Moskau – wie sie etwa Rolf Mützenich erhebt – seien deshalb das „Pferd von hinten aufgezäumt”: Ohne eigene Abschreckungsmittel habe Europa schlicht nichts anzubieten.
Europas Versagen: Reaktiv statt proaktiv
Ischingers schärfste Kritik gilt der strukturellen Schwäche europäischer Außenpolitik. Die EU agiere stets reaktiv, statt Krisen aktiv mitzugestalten. Konkret bemängelt er das Fehlen eines hochrangigen europäischen Sondergesandten mit echtem Mandat – für Ukraine, Iran und Gaza gleichermaßen.
Dabei sieht er durchaus Verhandlungsmasse: Europa könnte seine Unterstützung im Iran-Konflikt an klare Bedingungen knüpfen – allen voran die Forderung, dass die USA den Ukraine-Krieg weiterhin als strategische Priorität behandeln. Stattdessen habe Washington zuletzt seine Vermittler monatelang nicht nach Kiew geschickt, weil der Fokus auf dem Iran lag.
Ischinger ist überzeugt: Nur ein geeintes Europa, das gegenüber Washington, Moskau und den Krisenregionen des Nahen Ostens mit einer Stimme spricht, kann langfristig als ernstzunehmender Akteur auftreten. Die bisherige Praxis, sich gegenseitig zu übertönen oder Alleingänge zu wagen, schwäche den Kontinent – und spiele denjenigen in die Hände, die ein gespaltenes Europa bevorzugen.
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