Grönland-Deal: Was Trump wirklich erreicht hat
Trump verkündet ein Abkommen mit Dänemark und Grönland. Was steckt wirklich dahinter? Ein Sicherheitsexperte erklärt die Ziele – und Europas schwache Position.
Dieses Video wurde am 19.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Grönland-Deal zwischen den USA, Dänemark und der autonomen Arktis-Insel sorgt für Aufsehen: US-Präsident Donald Trump verkündete auf seiner Plattform Truth Social, die Vereinigten Staaten hätten ein Abkommen geschlossen, das ihnen die „dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Belange in Grönland” gewähre. Weder die dänische noch die grönländische Seite bestätigten diese weitreichende Darstellung. Dennoch deutet vieles darauf hin, dass Trump nach Monaten der Drohungen und Verhandlungen tatsächlich wesentliche Ziele erreicht hat – strategisch, wirtschaftlich und geopolitisch.
Von der Drohung zum Abkommen: Die Vorgeschichte
Anfang 2025 hatte Trump öffentlich erklärt, Grönland notfalls auch mit militärischen Mitteln übernehmen zu wollen. Die Aussagen lösten weltweite Empörung aus und führten zu einer breiten Solidaritätswelle mit der Insel, die formal zum Königreich Dänemark gehört, faktisch aber weitgehend selbstverwaltet ist. Eine hochrangige Arbeitsgruppe nahm daraufhin Verhandlungen über eine engere Zusammenarbeit auf.
Dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen räumte ein, dass Grönland unter erheblichem Druck gestanden habe. Konkrete Details zu den Verhandlungsergebnissen nannte sie nicht – und verwies auf weitere ausstehende Schritte, die noch von den Landesparlamenten bestätigt werden müssten.
Was Trump mit dem Grönland-Deal wirklich will
Stratege und Sicherheitsexperte Ralf Tiede ordnet die Ziele des US-Präsidenten klar ein: Im Kern gehe es Trump weniger um die rein militärische Sicherheit – die USA verfügten bereits seit Jahrzehnten über weitreichende Rechte zur militärischen Präsenz auf der Insel – als vielmehr um wirtschaftliche und geopolitische Kontrolle.
- Strategische Lage: Russische Raketen würden im Ernstfall über Grönland fliegen; Kriegs- und U-Boote Russlands und Chinas passieren die angrenzenden Seegebiete.
- Arktische Seeroute: Der direkte Weg von Asien über Grönland nach Europa gewinnt durch den Klimawandel massiv an Bedeutung für Handel und Militär.
- Kritische Rohstoffe: Grönland verfügt über erhebliche Vorkommen an Seltenen Erden, die für moderne Technologien unverzichtbar sind.
- Ausschluss von Konkurrenten: Laut Trumps Ankündigung darf kein US-Gegner künftig ohne ausdrückliche amerikanische Zustimmung einen Stützpunkt errichten oder sensible Investitionen tätigen.
Tiede betont: „Amerika ist vor uns und lässt China und Russland dort nicht rein – was übrigens auch in unserem Interesse liegt.”
Europas schwache Position im Wettbewerb um Grönland
Während die Europäische Union kurz vor der Einigung rund 200 Millionen Euro für wirtschaftliche Projekte in Grönland zugesagt hatte, dürfte dieser Betrag kaum mit dem mithalten, was amerikanische Konzerne investieren werden. Tiede spricht von Milliarden, mit denen US-Unternehmen in grönländische Ressourcen einsteigen könnten – gedeckt durch die neue Sicherheitshoheit der USA.
Europa habe die geopolitische Bedeutung Grönlands lange unterschätzt, obwohl Experten seit über einem Jahrzehnt gewarnt hätten. Chinas Strategie, sich über wirtschaftliche Beteiligungen schrittweise machtpolitisch zu verankern – ein Muster, das Tiede aus anderen Regionen kennt –, sei auch auf Grönland angewandt worden, ohne dass die europäische Politik ausreichend reagiert hätte.
Grönlands Souveränität: formell erhalten, faktisch unter Druck
Formal behält Grönland seine Autonomie und ist weiterhin Teil des Königreichs Dänemark. Doch das Abkommen, sofern es in Trumps Darstellung Bestand hat, bindet die Insel langfristig an amerikanische Sicherheitsinteressen. Grönland versuche laut Tiede zu balancieren – Europa solle als Gegengewicht an Bord bleiben. Ob das gelingt, hänge jedoch maßgeblich davon ab, wie entschlossen und leistungsfähig die europäischen Partner auftreten.
Solange die genauen Vertragsinhalte nicht öffentlich sind und die Parlamente nicht zugestimmt haben, bleibt offen, ob Washington und Nuuk tatsächlich dasselbe unter dem Vereinbarten verstehen. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie weit Trumps Ankündigung der Realität des Grönland-Deals entspricht – und welche Konsequenzen das für die arktische Geopolitik des 21. Jahrhunderts hat.
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