Islamismus nach 9/11: Was Deutschland gelernt hat

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25 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zieht Islamismus-Experte Guido Steinberg eine ernüchternde Bilanz: Deutschland war vor den Attentaten nahezu blind gegenüber der wachsenden islamistischen Bedrohung – und kämpft bis heute mit den Folgen. Im Gespräch erklärt der Terrorismusforscher, wie die Hamburger Zelle möglich wurde, welche Fragen zur Rolle Saudi-Arabiens offenbleiben und warum eine neue Form des Terrorismus Europa in Atem hält.

Islamismus auf dem blinden Fleck der Behörden

In den 1990er Jahren galt das Thema Islamismus in deutschen Politik- und Sicherheitskreisen weitgehend als amerikanisches Problem. Viele Entscheidungsträger glaubten, Washington suche nach dem Ende des Ost-West-Konflikts lediglich nach einem neuen Feindbild. Die Entwicklungen in Afghanistan, die wachsende Zahl islamistischer Kämpfer aus den 1980er Jahren sowie die Gründung von Al-Qaida wurden kaum zur Kenntnis genommen.

Ein entscheidender Grund dafür war struktureller Natur: Es fehlten schlicht Fachleute, die die Lage hätten einordnen können. So konnte die Hamburger Zelle – jene Gruppe um Mohammed Atta, die die Anschläge vom 11. September maßgeblich vorbereitete – jahrelang unbehelligt in Deutschland operieren. Die Ermittlungen nach dem Anschlag machten deutlich, dass ein Teil der Mitverantwortung für den schlimmsten Terroranschlag der Geschichte direkt auf deutschem Boden lag.

Saudi-Arabien: Offene Fragen und laufende Verfahren

Der 11. September gilt in der Terrorismusforschung als einer der am besten aufgeklärten Anschläge der Geschichte. Die Täter sind bekannt, die Verantwortung von Al-Qaida ist zweifelsfrei belegt, eine direkte staatliche Steuerung konnte nicht nachgewiesen werden. Dennoch gibt es einen ungelösten Teilaspekt.

Zwei der Attentäter, die bereits im Jahr 2000 in die USA einreisten, erhielten Unterstützung von saudi-arabischen Staatsbürgern mit Verbindungen zum Konsulat. Im Fokus steht dabei eine Person namens Ali al-Bayumi, der im Verdacht steht, saudi-arabische Studenten in San Diego überwacht zu haben – und möglicherweise vom Anschlagsplan gewusst zu haben. Dokumente, die später bei ihm gefunden wurden und Berechnungen zu Flugbahnen enthielten, nähren diesen Verdacht.

  • Al-Qaida trug die alleinige operative Verantwortung für den 11. September
  • Zwei Attentäter wurden nach ihrer Einreise von Personen mit Konsulatskontakten unterstützt
  • Gegen Saudi-Arabien läuft in den USA ein großes Schadensersatzverfahren der Opferfamilien
  • Steinberg persönlich sieht kein plausibles Motiv Saudi-Arabiens, den Anschlag zu dulden

Das Verfahren der Opferfamilien gegen den saudi-arabischen Staat könnte neue Dokumente und Erkenntnisse ans Licht bringen – der letzte Akt dieser Geschichte ist damit noch nicht geschrieben.

Vom Netzwerk zum Einzeltäter: Der Wandel des Terrors

Die Zeit der großen, zentralgesteuerten Terrororganisationen scheint weitgehend vorbei zu sein. Zwar existieren in Ländern wie Mali, Somalia und Afghanistan weiterhin Al-Qaida- und IS-Ableger mit tausenden bewaffneten Kämpfern. Doch für Anschläge im Stil des 11. September fehlen diesen Gruppen heute Kapazitäten und Reichweite.

An deren Stelle ist der Einzeltäter getreten: junge Menschen, die sich über das Internet radikalisieren und im Namen des Islamischen Staates handeln – oft ohne direkten organisatorischen Kontakt zu einer Terrorgruppe. Dieser Trend macht die Prävention erheblich schwieriger, da klassische Überwachungsmethoden an ihre Grenzen stoßen.

Für Deutschland ist diese Entwicklung besonders relevant. Steinberg spricht von rund sieben islamistisch motivierten Anschlägen seit 2020 – darunter zuletzt ein Attentat in Berlin durch Abdurrahman B. – und bezeichnet dies als eine Art Terrorwelle, die in der Bevölkerung und bei den Sicherheitsbehörden weiterhin höchste Wachsamkeit erfordert.

25 Jahre später: Mehr Wissen, ähnliche Risiken

Deutschland hat seit dem 11. September erhebliche Fortschritte gemacht: Islamismus-Expertise wurde in Behörden und Wissenschaft systematisch aufgebaut, Sicherheitsbehörden wurden enger vernetzt, und die Gesellschaft ist für das Thema sensibilisiert. Trotzdem bleibt die Bedrohungslage komplex.

Die Gefahr ist nicht verschwunden, sie hat sich nur verlagert – von spektakulären Großanschlägen hin zu dezentralem, schwer vorhersehbarem Einzeltäterterror. Ob Deutschland aus den Fehlern der Vergangenheit ausreichend gelernt hat, wird sich nicht an Jahrestagen, sondern in der alltäglichen Sicherheitsarbeit entscheiden. Die offenen Fragen rund um den 11. September – besonders zur Rolle einzelner Akteure im Umfeld Saudi-Arabiens – zeigen zudem, dass auch die historische Aufarbeitung noch nicht abgeschlossen ist.

Hinweis: Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten. Das verwendete Beitragsbild ist das YouTube-Vorschaubild des Original-Videos. Sämtliche Urheberrechte am Video, am Vorschaubild und an den darin enthaltenen Inhalten liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal-Betreiber (WELT Nachrichtensender). Bei Fragen oder Anliegen zur Nutzung bitte über das Impressum kontaktieren.

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